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Tiertransporte in der Kritik – Warum Tiere tausende Kilometer herumgekarrt werden

Die fortschreitende Globalisierung mit ihrer weltweiten Vernetzung und wirtschaftlichen Kooperationen macht vor der Lebensmittelindustrie und der Agrarwirtschaft nicht Halt. Längst ist es für uns ganz normal geworden, dass uns im Supermarkt Früchte aus aller Welt angeboten werden, und das auch noch rund um das ganze Jahr. Wer möchte, kann auch im Winter Erdbeeren und Spargel kaufen.

Tiertransport
Tiertransport Foto: Jan Peifer

Vielen Verbrauchern ist bewusst, dass diese Produkte weite Strecken zurücklegen müssen, dass sie z.B. aus Afrika oder Südamerika stammen. Vor allem Menschen, denen Umwelt- und Klimaschutz wichtig ist, sehen daher von einem Kauf oft ab. Das Bewusstsein über weite Transportwege in der Fleischindustrie ist hingegen eher gering. Das mag auch daran liegen, dass Fleisch vor allem aus der EU exportiert wird und auf andere Märkte gelangt.

Tiertransporte finden inländisch statt, international in der EU und auch global, hier vor allem auf Schiffen.

In die öffentliche Wahrnehmung gerät dieses Thema meist erst in Verbindung mit negativen Schlagzeilen: Im März 2021 wurden im Hafen der spanischen Stadt Cartagena 2400 Kälber notgeschlachtet, weil die Zielländer Türkei und Libanon sie aus Angst vor der Blauzungenkrankheit nicht an Land lassen wollten. Im September 2020 kenterte ein Vieh-Schiff auf dem Weg von Neuseeland nach China vor der japanischen Küste, etwa 40 Besatzungsmitglieder und fast 6.000 Rinder kamen dabei ums Leben. Die neuseeländische Regierung verbot daraufhin den Export lebender Tiere per Tiertransport. 2019 starben nach dem Untergang eines Transportschiffes vor der rumänischen Schwarzmeerküste mehr als 14.000 Schafe; das Schiff befand sich auf dem Weg nach Saudi-Arabien. Rumänien, welches zu den wichtigsten Schaf- und Ziegenproduzenten in der EU zählt, gab daraufhin bekannt, keine lebenden Tiere mehr in Drittstaaten zu exportieren. Nach der Havarie eines der größten Containerschiffe der Welt im Suezkanal im Frühjahr 2021 steckten zahlreiche Schiffe fest und sorgten weltweit für Produktionsstopps und Engpässe. Unter den wartenden Schiffen befanden sich mindestens 20 Schiffe, die lebende Tiere transportierten, darunter insgesamt 130.000 Schafe, eingepfercht in Transportschiffen.

Mangelnde Versorgung, Enge, Stress und Krankheiten gehören zu den Hauptursachen von Katastrophen auf Tiertransporten. Darüber hinaus wurden und werden Schätzungen zufolge nur rund 20% aller Transportschiffe überhaupt für den Zweck von Tiertransporten gebaut. Die allermeisten sind dafür also gar nicht geeignet; dies ist ein Grund dafür, dass solche Frachter häufiger kentern.

Die meisten Bundesländer haben Lebendtiertransporte in Drittstaaten bereits ausgesetzt, da spätestens ab dem Verlassen eines EU-Hafens eine Kontrolle von Tierschutzstandards kaum noch möglich ist. Auch die neue Bundesregierung setzt sich dafür ein, solche Transporte auf höherer Ebene einzuschränken oder zu verbieten. Letztendlich sind die weltweiten Tiertransporte aber nur eine Facette der Überproduktion und Ausnutzung von sogenannten Nutztieren. Umso wichtiger ist daher ein Bewusstsein der Konsumenten, die mit ihrer Kaufentscheidung die Tierindustrie unterstützen – oder eben nicht.

Besonders Kälber, die aus der EU stammen, sind ein Ausschussprodukt der Milchindustrie. In den Zielländern der grausamen Transporte steigt ihr Wert um ein Vielfaches, daher wird auch in Kauf genommen, dass ein hoher Anteil von Tieren die Strapazen des Transports nicht überlebt.

Jan Peifer

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