Pressemitteilung

Bello allein zu Haus

Im Alltag tauchen regelmäßig Situationen auf, in denen es unmöglich ist, seinen Vierbeiner mitzunehmen. „Hunde haben je nach Veranlagung einen unterschiedlich ausgeprägten Meutetrieb und instinktiv das Bedürfnis, beim Rudel zu bleiben“, erklärt Ann Kari Sieme, Mitarbeiterin von aktion tier und Hundetrainerin. Ein Hund muss also das Alleinsein erst lernen.

Die Angst vor dem Alleinsein kann durch geeignetes Training behoben werden.
Die Angst vor dem Alleinsein kann durch geeignetes Training behoben werden. Foto: © aktion tier e.V./Bauer

„Hat ein Vierbeiner in dieser Hinsicht Probleme, kann dies unterschiedliche Ursachen haben, die zuerst ergründet werden müssen, um dann mit dem geeigneten Training zu beginnen“, erläutert Ann Kari Sieme. In fast allen Fällen sind die Schwierigkeiten auf Trennungsangst oder auf Angst vor Kontrollverlust zurückzuführen. Während ein Hund mit Trennungsangst sich wirklich davor fürchtet, für immer alleine zu bleiben, können es Vierbeiner mit Angst vor Kontrollverlust einfach nicht ertragen, dass Herrchen oder Frauchen alleine, also ohne von ihnen beschützt zu werden, das Haus verlassen.

Ein Hund mit Trennungsangst wird selten Schuhe oder die Couch zerfetzen, während er alleine ist. Er sitzt eher stundenlang hinter der Tür, heult und kratzt an Türen und Wänden. Kommt die Bezugsperson dann endlich nach Hause, wird sie intensiv begrüßt, wobei die Haltung des Hundes beschwichtigend-demütig ist (angelegte Ohren, geduckte Haltung). Bei diesen Vierbeinern kann das Alleinsein nur in ganz kleinen Schritten geübt werden, wobei der gesamte Lernprozess bis zu 12 Monate dauern kann. Beginnen Sie damit, dass Ihr Hund Ihnen im Haus nicht mehr überallhin folgen darf. Schicken Sie ihn auf seinen Platz und verlassen Sie das Zimmer. Zunächst nur für wenige Sekunden, später erhöhen Sie die Dauer nach und nach. Parallel sollten bestimmte Schlüsselreize für den Hund abgebaut werden. Dieser weiß nämlich genau, was folgt, wenn Sie sich Schuhe und Jacke anziehen und zum Schlüssel greifen und reagiert prompt mit Angst. Versuchen Sie daher, weniger vorhersehbar zu sein. Machen Sie sich ausgehfertig, nehmen Sie Ihren Schlüssel und setzen Sie sich gemütlich auf die Couch. Oder verlassen Sie das Haus, ohne vorher Jacke und Straßenschuhe anzuziehen. Verlängern Sie die Zeiten des Alleinseins immer nur in ganz kleinen Schritten. Leise Musik oder der eingeschaltete Fernseher kann auch beruhigend auf den wartenden Vierbeiner wirken. Manchen Hunden mit Trennungsangst verhelfen Pheromone zu mehr Sicherheit und Geborgenheit. Synthetische Nachbildungen des Beruhigungspheromons bekommt man in Form von Halsbändern oder Zerstäubern für die Steckdose. Auch Kauartikel oder Spielzeuge schaffen Ablenkung und können daher zu einer positiven Entwicklung beitragen. Hunde mit Angst vor Kontrollverlust reagieren auf das Zurückgelassen werden völlig anders. In der Regel sind sie „verärgert“ darüber, dass sich Frauchen oder Herrchen erdreistet hat, sie alleine zu Hause zu lassen. Ihre Wut wird nicht selten an der Wohnungseinrichtung, den Hausschuhen oder sonstigem ausgelassen und ist häufig von stundenlangem Bellen begleitet. Diese Hunde begrüßen den Heimkehrer meist mit stürmischem Anspringen, was jedoch nicht etwa als Freude zu deuten ist, sondern eher als Maßregelung des Halters für sein „Fehlverhalten“. Hunde mit Kontrollverlust werden das Alleinsein nur dann entspannt akzeptieren, wenn sie sich nicht mehr für ihren Menschen zuständig fühlen. Hilfreich ist hier eine Strukturveränderung im Rudel, beispielsweise durch die Veränderung des Hunde-Liegeplatzes. Ein Hund, dessen Körbchen an strategisch wichtigen Orten wie etwa dem Eingangsbereich steht, wird sich schnell für die Kontrolle des Rudels verantwortlich fühlen.

Grundsätzlich sollte jeder Hund sowohl körperlich als auch geistig ausgelastet sein, bevor Herrchen oder Frauchen ihn für höchstens 5 Stunden allein zu Hause lassen. „Hat der Vierbeiner während der Abwesenheit etwas angestellt oder kaputt gemacht, sollte man das Tier auf keinen Fall bestrafen, da der Hund die Bestrafung nicht mehr mit seinem Handeln in Verbindung bringen kann, sondern mit der Rückkehr seines Menschen verknüpft“, weiß Hundetrainerin Ann Kari Sieme. Und dies führt nur dazu, dass seine Angst vor dem Alleinsein noch größer wird.

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