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Gewalt gegen Tiere: Ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen sollten wiederholte und bewusst verübte Grausamkeiten an Tieren ernst genommen werden, da sie Persönlichkeitsdefizite wie schwaches Empathievermögen, geringe emotionale Kompetenz und mangelndes Unrechtsbewusstsein offenbaren.

Im November 2021 brachte die Polizei eine tote männliche Katze in unser Tierheim in Roggendorf, damit wir nachsehen, ob ein Mikrochip vorhanden ist. Das Tier war von einem Autofahrer an einem kleinen Sandparkplatz an der B 208 kurz vor dem kleinen Ort Dechow gefunden worden. Allerdings ist der Kater nicht Opfer des Straßenverkehrs geworden: Um seinen Hals war ein Lederriemen derart eng zugeschnürt, dass er nur mit Mühe gelockert werden konnte. Alles deutet darauf hin, dass das Tier grausam erdrosselt und dann einfach an der Straße entsorgt wurde.

Leider ist das nicht der erste Fall dieser Art, mit dem es aktion tier zutun hat: Im Dezember 2021 nahm der aktion tier Lottihof eine Igeldame auf, mit der Kinder zunächst Fußball gespielt und anschließend versucht hatten, das Tier anzuzünden. Der Igel überlebte. Die Kolleginnen des aktion tier Tierheims Zossen hingegen kamen im Jahr 2015 zu spät: Die Katze, die an einer Baracke in Wünsdorf baumelte, war bei Eintreffen unserer Mitarbeiter bereits tot. 

Gewalt gegen Tiere ist ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem.

Entsprechende Horrormeldungen finden sich regelmäßig in den Medien. Es werden Pferde mit Stichen verletzt, Welpen bei lebendigem Leib verbrannt, Mäuse totgetreten, Kleintiere mit Feuerwerkskörper in die Luft gesprengt, ein Hamster in der Mikrowelle gegrillt oder Katzenwelpen an die Wand genagelt. Vor allem im Internet, in sozialen Netzwerken wie Facebook und Myspace oder auf Videoportalen wie Youtube stellen Tierquäler ihre grausigen Taten fast stolz zur Schau. Besonders abscheulich sind sogenannte Animal Crush Videos, in denen Menschen Kleintiere meist mit den Füßen langsam zerquetschen.

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen sollten wiederholte und bewusst verübte Grausamkeiten an Tieren ernst genommen werden, da sie Persönlichkeitsdefizite wie schwaches Empathievermögen, geringe emotionale Kompetenz und mangelndes Unrechtsbewusstsein offenbaren. Defizite, die in jungen Jahren noch eher ausgeglichen werden können als im Erwachsenenalter. Für Psychologen ist die kindliche Gewalt gegen Tiere immer ein Anzeichen für eine psychische Störung, die sich, wenn sie nicht entsprechend ernst genommen und behandelt wird, bis zum Erwachsenenalter fortsetzen und sogar extrem verstärken kann. Es gilt als erwiesen, dass ein Zusammenhang zwischen Tierquälerei und zwischenmenschlicher Gewalttätigkeit besteht.

Daher sollte Kindern und Jugendlichen, die zielgerichtet und ganz bewusst Tieren Schmerzen zufügen und dabei augenscheinlich Spaß empfinden, größte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Unter Einbeziehung von Familie, Schule und mit Hilfe therapeutischer Maßnahmen können die zugrundeliegenden Störungen eventuell behoben werden.

Ursula Bauer

Diplom-Biologin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

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