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Happy End für Samuel?

Kater Samuel
Samuels Leben stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Foto: © aktion tier Projekt Kitty

Von Susan Smith, Juni 2015. Samuels Leben stand von Anfang an unter keinem guten Stern – er wurde als kleiner Welpe von der Mutter zurück gelassen aufgefunden. Seine neue Besitzerin nahm ihn mit nach Hause und zog ihn mit der Flasche auf. Leider verfügte sie über wenig Wissen in Bezug auf artgerechte Katzenhaltung. So wurde Samuel zwar katzengerecht versorgt und entwickelte sich körperlich bis auf eine chronische Augenentzündung aufgrund eines Schnupfeninfekts prächtig, seine psychische Verfassung war aber weitaus weniger gut. Der Jungkater Samuel lebte als Einzelkatze in reiner Wohnungshaltung. Diese Form der Katzenhaltung ist für die äußerst sozial geprägte Tierart „Katze“ vollkommen ungeeignet und führt in vielen Fällen zu massiven Verhaltensstörungen. Derart gehaltene Tiere werden oft unsauber, entwickeln Stereotypien oder aggressives Verhalten gegenüber ihren Menschen. So verhielt sich auch Samuel für seine Besitzerin immer problematischer. Ein Bericht von Susan Smith, Projekt Kitty

WWenn sie von ihrer Arbeit nach Hause kam, erwartete sie ein völlig unausgelasteter Jungkater, der mit jedem Tag deutlicher machte, dass er so nicht mehr weiterleben wollte. Die Entscheidung wurde schnell getroffen: Samuel muss weg, schließlich hatte man sich so gut um ihn gekümmert, ihn selbstlos aufgenommen, mit der Flasche gefüttert, ihn tierärztlich versorgt und dann so ein grober Undank! Jetzt musste man nur ein neues „Zuhause“ für ihn finden. Da die Besitzer davon ausgingen, dass Samuel ein sehr schwieriger Kater war, kam ein normales Zuhause bei einer anderen Familie nicht in Frage, schließlich hatte man als Katzenbesitzer alles richtig gemacht, was sollte also woanders besser sein und funktionieren? Nach kurzer Zeit entschloss man sich, den Kater dorthin zu geben, wo eine Katze sich nach landläufiger Meinung immer wohl fühlt und es gut hat: auf einen Bauernhof. Das, liebe Leser, ist ein weit verbreiteter Irrtum und wir möchten Sie bitten, wenn Sie sich aus einer Notsituation heraus – die uns alle einmal treffen kann – von Ihrer Katze trennen müssen, dann tun Sie bitte alles, aber setzen Sie sie nicht auf einem Bauernhof aus. Katzen haben es auf Bauernhöfen nicht gut, es gibt in den allermeisten Fällen keine tägliche Fütterung, keine tierärztliche Versorgung, keine Behandlung gegen Endo- und Ektoparasiten, kein warmes Plätzchen bei Regen und Schnee, sondern nur Kampf mit den schon vorhandenen Katzen um die ohnehin begrenzten Ressourcen. Sicherlich gibt es auch Ausnahmen von dieser Haltung, aber unsere jahrzehntelange Erfahrung im Katzenschutz zeigt, dass die schlechte und sehr schlechte Katzenhaltung auf Bauernhöfen einfach überwiegt.

Samuel war auf sich allein gestellt

So fand sich auch der bis dahin wohl behütete, zwei Mahlzeiten und einen warmen Schlafplatz gewohnte Samuel auf sich allein gestellt wieder. Er musste nun mit anderen weitaus erfahreneren Katzen um Futter, Schlafplatz und Lebensraum kämpfen. Hier interessierte niemanden, ob es ihm gut oder schlecht ging, ob er da war oder nicht, er war von heute auf morgen heimatlos geworden. Samuel versuchte, sich so gut es ging durchzuschlagen, seine Augenentzündung wurde schlimmer, schließlich lebte er unter großem Stress, Behandlung gab es keine und so wurden seine Augen zu allem Überfluss auch noch trüb und schmerzten ständig. Nichtsdestotrotz hielt Samuel durch, denn er hatte den anderen Katzen gegenüber einen großen Vorteil: Er wusste wie sich ein richtiges Zuhause mit viel Menschenliebe anfühlt. Und so lag er in ruhigen Momenten in der Sonne und träumte von einem warmen, weichen, satten, sicheren Plätzchen bei liebevollen Katzenmenschen, die ihn umsorgen und für ihn da sind. Nach einem solchen Traum fasste er einen Entschluss, so wollte er nicht weiter leben. Also wartete er bis jemand auf den Hof fuhr und sein Auto offen ließ. Er sprang hinein und versteckte sich geschickt. Das Auto fuhr in einen 20 Kilometer entfernten Ort, dort stieg er aus und orientierte sich zunächst, schließlich hatte er auf dem Bauernhof gelernt, wie man sich alleine durchschlägt. Schon bald fand er einen Platz, der nach Essen roch, er hielt sich lange dort auf und irgendwann kam eine nette Frau heraus und sagte: „Na, hast Du Hunger mein Hübscher? Warte kurz, ich bringe Dir etwas raus“. Samuel hatte großes Glück gehabt, er hatte nämlich die Cafeteria einer Kurklinik gefunden und dazu noch eine katzenliebe Mitarbeiterin. Er fraß das Futter gierig auf und bedankte sich mit einem liebevollen Miau bei seiner neuen Menschenfreundin.

Samuel fand beim Projekt Kitty Schutz

Dann setzte er seinen Spaziergang fort. Innerhalb weniger Tage hatte er den ganzen Ort erkundet und noch weitere „Futterplätze“ gefunden, die er regelmäßig aufsuchte. Wenn das Wetter nicht so kalt und regnerisch gewesen wäre, hätte er seinen neuen Wohnort richtig genießen können. Nach einigen Wochen wurde der imposante schwarz weiße Kater dem Ordnungsamt und dem zuständigen Tierschutzverein gemeldet. Nach hitzigen Diskussionen bezüglich der Einschätzung des Katers als Fundtier oder nicht (das Ordnungsamt hält Samuel bis heute für eine herrenlose Katze, was weder dem Ordnungsrecht noch dem Tierschutzgesetz entspricht), erklärte sich eine aktive Tierschützerin vor Ort bereit, Samuel aufzunehmen.

Damit fing für ihn ein neues, endlich besseres Leben an. Samuel wohnt in einem Gästezimmer und hat die ersten Tage das weiche Bett nur für Fressen und den Toilettengang verlassen. Er hat eine enge Beziehung zu seinem Pflegefrauchen, erzählt ständig, wenn er sie sieht, schmust gerne mit ihr, frisst gut und freut sich über jede Art der Ansprache. Seine Augen werden wohl immer eine Baustelle für ihn bleiben, das ist auf die jahrelange Vernachlässigung zurück zu führen, sie tun ihm aber nicht weh und müssen auch nicht ständig behandelt werden. Samuel ist ein sehr dankbarer Kater. Er bleibt gerne im Haus, selbst wenn ein Fenster offen steht möchte er nicht raus, weiß er doch wie einsam und gefährlich ein Leben da draußen sein kann. Vor kurzem hat er angefangen zu spielen, sein Lieblingsspielzeug ist eine im Türrahmen aufgehängte Spielmaus. Es macht so viel Freude zu beobachten, wie er langsam seine Lebensfreude und seinen Humor wiederfindet, er ist einfach ein unbeschreiblich toller Kater.

Wer gibt Samuel ein Zuhause?

Wir suchen nun für den mittlerweile 7 Jahre alten, kastrierten und geimpften Kater ein endgültiges Zuhause bei Menschen, die eine Katze mit Vergangenheit zu schätzen wissen. Für ihn ist nach all den Strapazen eine Einzelhaltung sinnvoller. Mit Hunden ist er aber durchaus verträglich. Samuel stellt nicht viele Ansprüche an sein neues Zuhause, er ist ruhig, schläft viel, macht nichts kaputt und ist einfach froh, wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. Wer ihn kennen lernen möchte, kann sich gerne bei Susan Smith, Kitty Projekt Paderborn unter 0178-2375424 melden. Wir vermitteln deutschlandweit, sofern es das richtige Zuhause für unsere Schützlinge ist und freuen uns auf Ihren Anruf.