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Der Turmfalke

Turmfalke in einer Wildtierpflegestation. Foto: © Ursula Bauer

Von Ingeborg Polaschek. Turmfalken gehören neben Mäusebussarden zu unseren häufigsten Greifvögeln. Ihr Bestand ist jedoch in einigen Bundesländern rückläufig. Der Grund ist – wie bei etlichen anderen Vogelarten auch – gravierender Brutplatzmangel. Der fluggewandte Falke brütet in Türmen, Gebäuden, Stein-brüchen und auf Bäumen, wo er die Nester anderer Vögel besetzt, denn er baut wie alle Falken kein eigenes. 

In Städten hält er sich in Kirchtürmen auf, deren Einflüge aber zunehmend verschlossen werden, um Stadttaubenbruten zu verhindern. Er findet auch an Gebäuden durch die modernen Bauweisen oder Altbausanierungen immer weniger Nistmöglichkeiten. Immerhin erbeutet er in bebauten Gebieten unvorsichtige Sperlinge und andere Kleinvögel. Sein Jagdgebiet jedoch ist die offene Landschaft. Hier fällt er besonders auf, wenn er in Höhen von 20-40 Metern in der Luft mit den Flügeln rüttelnd und mit breit gefächertem Schwanz nach Beute Ausschau hält. Dieses „Rütteln“ auf der Stelle ist ein gutes Erkennungsmerkmal und hat ihm den Namen „Rüttelfalke“ eingebracht. Der Falke fliegt mit der gleichen Geschwindigkeit gegen den Wind, mit der dieser ihm entgegen schlägt und bleibt dadurch auf der Stelle. Diese Technik findet man bei Turmfalken besonders ausgeprägt. Neben dem Rüttelflug nutzen die wendigen Flieger auch noch die Ansitzjagd, denn sie sind ausgesprochene Bodenjäger. Auf Bäumen, Elektromasten oder anderen Erhöhungen sitzend, halten sie Ausschau nach Beute, die zu 80 Prozent aus Mäusen besteht. Auch Frösche, Regenwürmer und Insekten werden nicht verschmäht. Seinen kräftigen, schwarzen Zehen entkommt kaum eine Beute, die er durch einen Genickbiss tötet. Hilfreich dafür ist sein „Falkenzahn“, ein Zacken auf beiden Seiten des Oberschnabels.

Besonders schön sind die Balzspiele der Turmfalken. Aufmerksam wird man meist durch das schrille „kie-kie-kie“ des Männchens, wenn er das Weibchen jagt. Ist ein geeigneter Brutplatz gefunden, werden die Eier ohne Nistmaterial, jedoch manchmal in einer gescharrten Mulde, abgelegt. Die Eiablage erstreckt über die Monate April/ Mai, und das eigentliche Brüten vom Vollgelege an dauert 27-32 Tage. Je nach Nahrungsangebot besteht das Gelege aus vier bis sechs gelblich-weißen, stark rot-braun gefleckten Eiern. Das Weibchen brütet alleine. Nachdem die Jungen geschlüpft sind werden sie vom Weibchen gehudert, während das Männchen damit beschäftigt ist, für die Familie genügend Nahrung zu erbeuten. Diese wird vom Weibchen in winzige Stücke zerteilt und an die Jungen verfüttert. Die Nesthocker beginnen nach etwa 15 Tagen selbst, kleine Stücke von der Beute abzureißen. Nach etlichen Stehversuchen sitzen sie bald außerhalb des Brutplatzes und unternehmen emsig ihre Flugversuche. Etwa vier Wochen lang werden die jungen Turmfalken noch von den Eltern betreut bis sie ihr hoffentlich langes und ungefährliches Leben selbst meistern müssen.

Hilfe für Turmfalken

Obwohl der Turmfalke bei der Wahl seiner Nistplätze nicht sehr wählerisch ist, könnte eine Nisthilfe die Ansiedelung beschleunigen und damit auch den Bestand erhöhen. Der Fachmarkt bietet spezielle Turm-falkennistkästen an, die in mindestens fünf Metern Höhe an Hauswänden angebracht werden. Besser noch ist die Anbringung an Hochhauswänden, denn der kleine Falke möchte hoch hinaus. Ansonsten sind alle Bauwerke wie Kirchen, Schornsteine und Burgruinen geeignet. Um ihm die Jagd in baumlosen Gegenden zu erleichtern, sind Pfähle mit einer Mindesthöhe von zwei bis drei Metern sehr hilfreich.

Kennzeichen des Turmfalken

Das Männchen (32 cm) ist etwas kleiner als das Weibchen (35 cm). Gewicht des Männchens: etwa 200 g, des Weibchens 230 g. Spitze Flügel, langer Schwanz. Beim Männchen ist die Oberseite rot-braun bis ziegelrot mit schwarzer Tropfenfleckung. Unterseite cremefarben, dunkel längsgefleckt. Kopf, Bürzel und Schwanz blau-grau, Schwanz am Ende mit schwarzer Querbinde. Beim Weibchen sind Oberseite und Schwanz rot-braun, schwarz gefleckt und quergestreift. Es fehlt die blau-graue Zeichnung, der Schwanz ist quergestreift, ebenfalls mit schwarzer Endbinde.