aktion tier Eichhörnchenhilfe

Ein hartes Jahr 2020

Es ging schon früh im Jahr los: Durch die Einschränkungen hielten sich sehr viele Leute draußen auf, und so wurden viel mehr EichhörnchenWaisen gefunden als sonst zu der Zeit. Ein Glück für die Hörnchenkinder, aber dadurch hatten wir bereits Mitte April extrem viele Waisenkinder in unserer Obhut, und das Telefon stand nicht still.

Foto: aktion tier Eichhörnchenhilfe Berlin-Brandenburg e.V.

Unsere hauptsächliche Arbeit findet in der Auffangstation statt. Hier werden die aufgenommenen Eichhörnchen behandelt, und wir versuchen, sie wieder fit oder groß und stark für die Freiheit zu machen. Diese Tätigkeit beschäftigt uns nahezu rund um die Uhr – nicht nur die jungen Hörnchen müssen durchgängig regelmäßig gefüttert werden. Es ist leider auch so, dass unsere Eichhörnchen nicht mehr sonderlich gut mit den veränderten Umweltbedingungen zurechtkommen. Auch die oft zu warmen Winter bereiten ihnen große Probleme. Als Folge davon sehen wir immer mehr stark geschwächte Tiere bei uns. Wir werden mit veränderten schlimmen Erkrankungen der Hörnchen konfrontiert. Parasiten haben viel leichteres Spiel. Auch die Eichhörnchenjungen bereiten uns große Sorgen und im wahrsten Sinne schlaflose Nächte. Sie sind oft sehr dünn, sind vor Erschöpfung und Schwäche nicht in der Lage, genug zu trinken. Sehr viele Eichhörnchen schaffen es nicht, wir können sie nur möglichst schmerzund angstfrei auf ihrem letzten Weg begleiten.

Ab in die Freiheit!

Deshalb freuen uns die Fälle, in denen wir Eichhörnchen-Gruppen über Auswilderungsvolieren gesund in die Freiheit entlassen können, ganz besonders. Unsere Schützlinge dürfen in ihrem eigenen Tempo die Voliere verlassen, können aber wieder zurückkommen, solange sie es brauchen und finden dort weiter Futter- und Schlafplätze. Es ist auch schon vorgekommen, dass kranke, verletzte Eichhörnchen nach längerer Zeit zurückkommen, um erneut Hilfe zu bekommen.

Stellvertretend für die vielen Eichhörnchen möchten wir z.B. die tapfere unglaubliche Charlet vorstellen, eines meiner Herzenshörnchen.

Sie kam mit einem so schwer verletzten Auge, das wie eine schrumpelige Heidelbeere herausquoll. Wir stellten sie unserer Tierärztin vor und besprachen die Therapie. Leider war die Tierärztin danach zwei Wochen im wohlverdienten Urlaub. Sofort an ihrem ersten Arbeitstag war der OP-Termin vereinbart. Aber nun mussten wir zwei lange Wochen versuchen, das Auge zu halten. Es war eine einzige Zitterpartie. Charlet bekam Medikamente, und sie verstand, dass sie sich sehr ruhig verhalten musste. Und es geschah tatsächlich ein Wunder: Das Auge verschorfte und heilte zu unser aller Erstaunen so gut aus, dass eine Operation nicht mehr nötig war. Nun ist es zwar nicht mehr „da“, unter den Augenlidern ist aber alles verheilt, und Charlet liebt es, in der großen Außenvoliere zu sein.

Arthur, das Friedhofshörnchen

Viele der Hörnchen werden uns gebracht, oder wir holen sie bei den Findern ab. Aber wir werden auch in einigen Fällen gebeten, direkt vor Ort zu helfen. So wie bei Arthur, dem „Friedhofshörnchen“, den ganz offensichtlich die entgleisten Zähne daran hinderten, weiterhin essen zu können. Er wurde von uns eingefangen, und wir brauchten Monate, bis seine Zähne wieder im Gleichgewicht waren. Nicht jedes Eichhörnchen, das z.B. eine Schwellung hat oder ein/en verletztes/n Bein/Fuß, muss eingefangen werden. Es hängt immer vom Einzelfall ab, und wie gesagt, die Hörnchen haben auch enorme Selbstheilungskräfte. Aber es freut uns, wenn Menschen aufmerksam sind und ihnen vielleicht durch Fütterung und Wassergabe helfen.

Hörnchenmann „Coolio“ mit Plastikkragen

Ab Ende September wurden wir fast täglich von Anwohnern und Spaziergängern eines Parks in Berlin-Prenzlauer Berg kontaktiert. Ihnen fiel dort ein Eichhörnchen auf, das ein Plastikgebilde um den Hals trug, und sie baten uns um Hilfe. Manche der Anrufer stellten es sich so einfach vor: Wir sollten bitte gleich kommen und das Tier sofort einfangen, um ihm zu helfen. Das ist bei einem so munteren Wildtier wie dem dortigen leider leichter gesagt als getan. Immer wieder sind wir in das Revier des Tieres gefahren und haben versucht es einzufangen. Erschwert wurde unsere Arbeit leider auch dadurch, dass manche besorgte Anwohner ebenfalls versucht haben, dem Tier zu helfen und es durch misslungene Einfangversuche wieder scheuer wurde.

Glücklicherweise behinderte der Plastikkragen den Hörnchenmann nicht beim Fressen und Klettern. Dennoch war es kein Zustand, der so bleiben sollte. Aber das Hörnchen machte es uns wirklich nicht leicht, es wich uns aus, begutachtete sogar ausgiebig die aufgestellte Falle von allen Seiten. Es war zum Haare raufen, aber wir mussten trotzdem über diesen Burschen lachen. Letztendlich ist es uns schließlich gelungen, und wir haben dieses wirklich coole Eichhörnchenmännchen einfangen und von seiner Halskrause befreien können. Nun läuft Coolio wieder ohne Halskrause durch sein Revier.

Leider wird herumliegender Abfall immer wieder zur lebensgefährlichen Falle für Wildtiere

Nun ist in diesem Jahr noch weiterer Müll dazugekommen, der ihnen gefährlich werden kann: die Masken, die gedankenlos auf Straßen, Parkplätze etc. geworfen werden. In den Bändern bleiben die Tiere hängen und verheddern sich darin. Wir können das einfach nicht verstehen, warum es nicht möglich ist, Müll ordentlich zu entsorgen. Wir wünschen uns, dass die Menschen lernen, verantwortungsvoller mit der Natur und ihren Geschöpfen umzugehen.

Tanya Lenn