Pressemitteilung

Pandemie-Risiko aus dem Stall – Massentierhaltung als Brutstätte neuer Krankheiten

Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie verletzlich unsere Gesellschaft gegenüber neuen Krankheiten ist. Was als lokales Infektionsgeschehen beginnt, kann sich in kurzer Zeit weltweit ausbreiten. Viele Erreger, die Menschen infizieren können, stammen ursprünglich aus dem Tierreich. Besonders die industrielle Massentierhaltung trägt dazu bei, dass solche Krankheiten entstehen und sich ausbreiten. Dort leben Tiere unter Bedingungen, die nicht nur ihrem Wohl schaden, sondern auch ein ernstzunehmendes Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellen.

Foto: © Jan Peifer

In der Massentierhaltung stehen Tausende Tiere auf engstem Raum. Dauerhafter Stress, fehlende Rückzugsmöglichkeiten und eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten schwächen ihr Immunsystem. Krankheitserreger finden hier ideale Bedingungen, um sich zu vermehren und zu verändern. Je größer und dichter die Bestände, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Mutationen. Damit steigt auch das Risiko, dass Viren die Artgrenze überwinden und Menschen infizieren. Neue Infektionskrankheiten entstehen so nicht zufällig, sondern als direkte Folge unseres Umgangs mit Tieren. Die jüngere Vergangenheit liefert dafür eindrückliche Beispiele.

Die Schweinegrippe entwickelte sich in großen Schweinebeständen und breitete sich weltweit aus. Die Vogelgrippe tritt immer wieder in intensiven Geflügelhaltungen auf und betrifft längst auch Säugetiere. Die COVID-Pandemie hat zusätzlich gezeigt, wie eng Tierhaltung und globale Gesundheitskrisen miteinander verknüpft sind. In Pelzfarmen entstanden Virusvarianten, die erneut auf Menschen übergingen. Allein in Dänemark wurden im Jahr 2020 mehr als 15 Millionen Nerze getötet, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. In den Niederlanden führte die Situation dazu, dass das ohnehin geplante Verbot von Pelztierfarmen vorgezogen wurde. Diese Ereignisse machen deutlich, dass Massentierhaltung im Krisenfall nicht nur individuelles Tierleid bedeutet, sondern ganze Tierpopulationen vernichtet.

Zehntausende Hühner dicht gedrängt im Stall – hohe Bestandsdichten begünstigen die Ausbreitung von Krankheitserregern und erhöhen das Pandemie-Risiko
Zehntausende Hühner dicht gedrängt im Stall – hohe Bestandsdichten begünstigen die Ausbreitung von Krankheitserregern und erhöhen das Pandemie-Risiko. Foto: © Jan Peifer

Ein weiteres Risiko liegt im routinemäßigen Einsatz von Antibiotika. In vielen Betrieben sind Medikamente notwendig, um Krankheiten unter belastenden Haltungsbedingungen überhaupt kontrollieren zu können.

Der häufige Einsatz fördert jedoch resistente Keime, gegen die wichtige Arzneimittel ihre Wirkung verlieren. Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Tierhaltung, sondern auch die Humanmedizin. Infektionen, die früher gut behandelbar waren, können wieder lebensbedrohlich werden. Zusätzliche Gefahren entstehen durch internationale Tiertransporte und Märkte, auf denen Tiere aus unterschiedlichen Regionen zusammenkommen. Lange Transportwege schwächen die Tiere und erhöhen den Stress. Treffen verschiedene Arten auf engem Raum zusammen, können Erreger leichter überspringen und neue Eigenschaften entwickeln. Diese Prozesse lassen sich kaum kontrollieren und erhöhen das Risiko weiterer Zoonosen erheblich.

Foto: © Jan Peifer

Massentierhaltung ist damit nicht nur ein ethisches Problem, sondern auch ein strukturelles Gesundheitsrisiko.

Wenn neue Krankheiten erst beim Menschen angekommen sind, bleibt oft nur noch Schadensbegrenzung. Wirkliche Sicherheit entsteht durch Vorsorge. Dazu gehören kleinere Tierbestände, bessere Haltungsbedingungen und ein deutlich geringerer Medikamenteneinsatz. Noch konsequenter ist jedoch ein grundlegender Wandel unserer Ernährung. Eine vegane Lebensweise reduziert Tierleid, schont Umwelt und Ressourcen und senkt das Risiko neuer Zoonosen deutlich. Sie entzieht einem System die Grundlage, das auf Ausbeutung und ständiger Überproduktion beruht. Wer sich pflanzlich ernährt, schützt nicht nur Tiere, sondern handelt auch im eigenen Interesse. 

Jede bewusste Entscheidung für pflanzliche Lebensmittel stärkt die eigene Gesundheit und setzt ein klares Zeichen für Verantwortung. So wird Prävention zu einem aktiven Beitrag für Mensch, Tier und Gesellschaft.

Jan Peifer