aktion tier Igelzentrum Laatzen | Igelschutz

Igelforschung führt zum Doktortitel!

Im Herbst 2025 hat die Tierärztin des aktion tierIgelzentrums Niedersachsen, Dr. Karolin Schütte, ihre Dissertation verteidigt und damit den Doktortitel erlangt.

Eine lächelnde Frau mit Doktorhut und ihre Doktorarbeit.
Foto: aktion tier Igelzentrum Niedersachsen

Die Doktorarbeit mit dem Titel „Vorkommen von Parasiten und Vektor-übertragenen Zoonose-Erregern beim Europäischen Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) im Raum Niedersachsen“ ist nun veröffentlicht.

Die Doktorarbeit zum Nachlesen

Vorkommen von Parasiten und Vektor-übertragenen Zoonoseerregern beim Europäischen Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) im Raum Niedersachsen

Im Rahmen der Arbeit wurden über 500 Igel auf Parasiten und Vektor-übertragene Zoonoseerreger untersucht. Es wurden Ektoparasiten (Flöhe, Zecken und Milben) gesammelt, eine Blutprobe genommen und Kotproben untersucht.

Wie erwartet wurden bekannte Parasiten wie Flöhe, Zecken und verschiedene Endoparasiten, insbesondere Lungenwürmer und Darmhaarwürmer, gefunden. Insgesamt waren 98,6 % der Tiere mit Ektoparasiten und 95,5 % mit Endoparasiten befallen.

Ein besonderer Fokus dieser Arbeit lag auf der Untersuchung zoonotischer, also sowohl den Menschen als auch Tiere befallenden, Erregern. Deshalb wurden Tiere, die mit Kryptosporidien und Giardien befallen waren, näher untersucht. Beide Parasitenarten gehören zu den Einzellern und können schnell von Tier zu Tier, aber auch auf den Menschen übertragen werden. Während nur 7 der untersuchten Igel mit Giardien infiziert waren, konnten Kryptosporidien bei jedem 10. Igel nachgewiesen werden. Auch die genauere Unterartenbestimmung zeigte, dass es sich um Parasiten handelt, die auch den Menschen befallen können.

Aber auch Ektoparasiten haben ein zoonotisches Potential, da z. B. Zecken und Flöhe Krankheitserreger wie Borrelien übertragen können. Deshalb wurden Blutproben der Igel auf sogenannte Vektor-übertragene Erreger untersucht. In diesen Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass fast 85 % der Igel Antikörper gegen Borrelien aufwiesen und deshalb Kontakt mit diesem Erreger hatten. Die Bakterien selbst konnten in 31,2 % der Blutproben direkt festgestellt werden. Der Erreger der Anaplasmose konnte sogar bei jedem 2. Igel im Blut nachgewiesen werden. Beides sind Erreger, die insbesondere durch Zecken übertragen werden. Die hohen Nachweisraten im Igel zeigen, dass der Igel sehr wahrscheinlich eine wichtige Rolle im Übertragungszyklus dieser Erreger spielt. Es konnten außerdem noch weitere Vektor-übertragene Erreger wie Rickettsien, Bartonellen, Babesien und Spiroplasmen in geringen Befallsraten nachgewiesen werden.

Die Arbeit zeigt, dass Igel hohe Befallsraten sowohl für Ekto- als auch für Endoparasiten aufweisen.

Es sind außerdem neue Erkenntnisse zur Artzuordnung der bekannten Haarwurmspezies des Igels festgestellt worden. Es ist bereits bekannt, dass neben dem Lungenhaarwurm, zwei Darmhaarwurmarten den Igel befallen. Eine dieser Arten konnte durch die Laboranalysen als die Art Capillaria putorii bestimmt werden.Dieser Darmhaarwurm kann verschiedene Wirte, insbesondere Marderartige und Katzenartige, aber wie wir nun wissen insbesondere auch den Igel, befallen.

Weiterhin konnte Dr. Karolin Schütte feststellen, dass einige Tiere mit Parasitenarten und Vektor-übertragenen Erregern, die nicht nur den Igel, sondern auch Menschen infizieren können, befallen waren. Dies zeigt einmal mehr, wie wichtig die Hygiene bei der Versorgung von Igeln ist. Es sollte also immer eine gute Reinigung mit wirksamen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln durchgeführt werden und Schutzkleidung wie Einmalhandschuhe beim Handling von Igeln getragen werden. Nicht nur, um sich selbst vor potenziellen Erkrankungen zu schützen, sondern auch, um eine Ansteckung der Igel untereinander und auch unserer Haustiere zu verhindern.

Igel mit hochgradigem Zeckenbefall
Igel mit hochgradigem Zeckenbefall Foto: aktion tier Igelzentrum Niedersachsen

Alle Ergebnisse der Doktorarbeit sind frei verfügbar und können in der Arbeit selbst und in den wissenschaftlichen Veröffentlichungen nachgelesen werden.

Anne Sopart

Grafikerin und Social Media Managerin