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Juli 2010Spaß im Zirkus - ohne Wildtiere!

Zirkuselefanten in der Manege
Damit Wildtiere derartige „Kunststücke“ vorführen, bedarf es äußerst fragwürdiger Trainingsmethoden unter Einsatz physischer und psychischer Gewalt. Foto: Ursula Bauer
Zirkustiere leben auf engstem Raum
An den Gastspielorten herrscht zudem meist Platzmangel, sodass viele Zirkustiere über 90% ihrer Zeit in den Transportfahrzeugen verbringen. Foto: Jan Peifer
Giraffen in freier Wildbahn
In der freien Wildbahn durchstreifen Giraffen Gebiete von über 100 km². Im Zirkus haben sie oft nur wenige m² Platz. Foto: Ursula Bauer
Giraffe im Zirkus
Im Zirkus werden die Tiere ständig angefass und angestarrt. Foto: Ursula Bauer
Bär in freier Wildbahn
Bär in freier Wildbahn. Im Zirkus werden den Bären häufig die Krallen entfernt. Foto: Ursula Bauer
Zirkusbär
Artentypische Ruhephasen wie beispielsweise die Winterruhe vieler Bärenarten passen zudem nicht in den Zirkusalltag hinein. Foto: Jan Peifer
Nilpferd im Zirkus: Artgerecht ist anders!
Artgerecht ist anders: Angeborene Verhaltensweisen von Wildtieren im Zirkus wie Graben, Klettern, Schwimmen und Jagen werden permanent unterbunden. Foto: Jan Peifer
Monotonie, Enge und Gewalt bestimmen den Alltag vieler Zirkustiere. Foto: © Jan Peifer
Monotonie, Enge und Gewalt bestimmen den Alltag vieler Zirkustiere. Foto: © Jan Peifer Foto: Jan Peifer
Zirkustiger in der Manege
Für Wildtiere bedeutet Dressur keine willkommene „Abwechslung“ im monotonen Alltag, wie Tiertrainer immer wieder gerne behaupten, sondern erheblicher Stress. Foto: Ursula Bauer
Zirkuselefanten bei einer Vorstellung
Kein wild lebender Elefant setzt sich freiwillig auf einen Stuhl und lässt Menschen auf sich steigen! Foto: IPO
Elefant zur Belustigung von Besuchern
Pädagogisches Desaster: Hier wird Kindern gezeigt, wie man völlig ungestraft gefügig gemachte Mitlebewesen zum eigenen Vergnügen benutzen darf. Foto: Ursula Bauer
Zirkuselefanten werden verladen
Etwa 50 Mal im Jahr zieht ein Zirkus im Durchschnitt zum nächsten Gastspielort. Die mitgeführten Wildtiere verbringen folglich während der Fahr-, Aufund Abbauzeiten insgesamt etwa 100 Tage in engen und dunklen Transportwagen. Foto: Jan Peifer
An Seilen fixierter Zirkuselefant
Allein in den letzten zehn Jahren ist etwa ein Drittel des gesamten Bestandes an Elefanten im Zirkus vorzeitig verstorben. Dieser Elefant wurde nachts fixiert. Foto: Jan Peifer
aktion tier e.V. übergibt 1500 Unterschriften für ein Wildtierverbot im Zirkus
aktion tier e.V. übergibt 1500 Unterschriften für ein Wildtierverbot im Zirkus. V.l.n.r.: Heinz Paula (SPD), Nicole Maisch (Bündnis 90/ Grüne), Ann Kari Sieme (aktion tier e.V.), Hans-Michael Goldmann (FDP), Alexander Süßmaier (Die Linke), Dieter Stier (CDU). Foto: aktion tier e.V.
 
 

Stand: Juni 2018. Um auf das Leiden der Wildtiere im Zirkus aufmerksam zu machen, hat aktion tier e.V. im Sommer 2010 eine bundesweite Aufklärungskampagne durchgeführt. Den Auftakt machte eine Open-Air-Aktion auf dem Marienplatz in München. Wir hatten aus Strohballen eine provisorische Zirkusarena errichtet, die von den Stelzentänzern des Zick Zack- Traumtheaters bespielt wurde – quasi Zirkus ohne Tiere. Kampagnenbegleitend haben wir 1.500 Unterschriften für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus gesammelt und im September 2011 dem Bundestagsabgeordneten Hans-Michael Goldmann überreicht.

Dass Zirkus auch ohne tierquälerische Wildtiernummern unterhaltsam sein kann, zeigen diverse moderne Unternehmen wie der Chinesische Nationalcircus oder der Cirque du Soleil, die mit ihrem Programm aus Artistik, Musik und Theater weltweit riesige Erfolge feiern.

Etwa die Hälfte der durch Deutschland reisenden Zirkusse führen immer noch Wildtiere wie Elefanten, Bären, Giraffen, Flusspferde oder Nashörner mit sich. Im Gegensatz zu unseren Haus- und Nutztieren wie Hunden, Katzen, Pferden und Schweinen, die teilweise seit Jahrtausenden in menschlicher Obhut leben, haben diese Zirkustiere den Prozess der Haustierwerdung (Domestikation) nicht durchlaufen. Sie sind, selbst wenn sie in Gefangenschaft geboren wurden, hinsichtlich ihres Aussehens, ihres Verhaltens und ihrer Bedürfnisse noch sehr nah an ihren wilden Verwandten, die frei im Ursprungsland leben.

Nicht artgerechte Haltung

Wildtiere haben sich über Jahrtausende hinweg ihrem natürlichen Lebensraum angepasst. Kein noch so großes Gehege ersetzt das Gebiet, welches ein Tiger, eine Giraffen- oder Elefantenherde durchstreift. Kein Planschbecken ist wie ein See in Afrika, in dem die Flusspferde grasen. Eine Haltung im Zirkus kann den natürlichen Bedürfnissen von Wildtieren daher nicht ansatzweise gerecht werden.

Etwa 50 Mal im Jahr zieht ein Zirkus im Durchschnitt zum nächsten Gastspielort. Die mitgeführten Wildtiere verbringen folglich während der Fahr-, Auf- und Abbauzeiten insgesamt etwa 100 Tage in engen und dunklen Transportwagen. An den Gastspielorten herrscht meist Platzmangel, so dass viele Zirkustiere über 90% ihrer Zeit in den Transportfahrzeugen verbringen.

Elefanten werden oft ähnlich lange an Fußketten gehalten. Wenn überhaupt Außengehege errichtet werden, so sind diese meist sehr klein und nicht mit ausreichend Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten ausgestattet. Angeborene Verhaltensweisen der Wildtiere wie Graben, Klettern, Schwimmen und Jagen werden daher permanent unterbunden. Auf die sozialen Bedürfnisse der „Tierartisten“ wird selten Rücksicht genommen. Gruppentiere wie Affen, Elefanten und Zebras werden häufig einzeln gehalten, Einzelgänger wie Großkatzen dagegen in Gruppen zusammengesperrt. Arttypische Ruhephasen wie die Winterruhe vieler Bärenarten passen zudem nicht in den Zirkusalltag, und die hiesigen Witterungs- und Klimaverhältnisse bereiten kälteempfindlichen Arten wie Elefanten große Probleme. Oft haben Zirkusse keine festen Winterquartiere mit großen Gehegen, wo sich die Tiere erholen können.

Zum Clown gemacht

Kein wildlebender Elefant macht einen Kopfstand, kein Bär balanciert freiwillig auf einem Ball, kein Löwe würde aus freien Stücken durch einen brennenden Reifen springen. Damit Wildtiere derartige „Kunststücke“ vorführen, bedarf es äußerst fragwürdiger Trainingsmethoden unter Einsatz physischer und psychischer Gewalt. Körperliche Bestrafung durch Prügeln mit Elefantenhaken oder Peitschen sind durchaus üblich. Auch Elektroschocks oder zu enge Halsbänder finden Anwendung. Für Wildtiere bedeutet Dressur keine „willkommene Abwechslung“ im monotonen Alltag, wie Tiertrainer häufig behaupten, sondern erheblichen Stress. Aus Angst vor Verletzungen werden außerdem Elefanten die Enden der Stoßzähne abgesägt, Bären und Raubkatzen die Zähne und Krallen entfernt. Eine ausreichende tierärztliche Behandlung kranker Tiere findet meistens auch aufgrund des ständigen Ortswechsels nicht statt. Man transportiert die betroffenen Tiere weiter von einem Gastspielort zum nächsten, bis sie tot umfallen.

Psychische und physische Schäden

Das fast ununterbrochene Eingepferchtsein und die artwidrigen Dressuren haben schwerwiegende Auswirkungen auf den physischen und psychischen Zustand der Zirkustiere. Allein in den letzten zehn Jahren ist etwa ein Drittel des gesamten Bestandes an Elefanten im Zirkus vorzeitig verstorben. Weit verbreitet sind stereotype Verhaltensstörungen wie zwanghaftes Hin- und Herlaufen oder das sogenannte Weben bei Elefanten. Hierbei deutet der Elefant Vor- und Rückschritte an, schaukelt rhythmisch mit dem Körper und schwingt den Rüssel.

Ausbrüche und Unfälle

Da das Verhalten von Wildtieren grundsätzlich instinktgesteuert und daher unberechenbar ist, kommt es immer wieder zu Angriffen, vor allem auf Dompteure und Pflegepersonal. Nur die spektakulärsten Fälle wie beispielsweise die schwere Beißattacke eines weißen Tigers auf den Magier Roy im Jahr 2003 gelangten an die Öffentlichkeit. Elefanten etwa, die gemeinhin als sanftmütig gelten, zählen zu den gefährlichsten Wildtieren. Immer wieder werden Menschen von Zirkuselefanten schwer verletzt oder sogar getötet. Auch Ausbrüche aus den provisorischen Gehegen sind fast schon an der Tagesordnung. Wenn die panischen Bären, Elefanten, Löwen oder Zebras dann kopflos durch die Straßen rennen, kommen oft Menschen und die Tiere selbst zu Schaden.

Geringer gesetzlicher Schutz

Auch Wildtiere im Zirkus unterstehen dem Deutschen Tierschutzgesetz. Ergänzend hierzu sollen die leider nicht rechtsverbindlichen „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben und ähnlichen Einrichtungen“ wenigstens Mindeststandards in der Tierhaltung gewährleisten. Aufgrund des häufigen Ortswechsels sind amtliche Kontrollen von Zirkusbetrieben jedoch grundsätzlich sehr schwierig. Wenn sie denn stattfinden, werden angeblich bei fast jeder zweiten Visite Missstände und teilweise gravierende Verstöße gegen geltende Tierschutzvorschriften festgestellt. In vielen Zirkussen fehlt es an Fachwissen, finanziellen Mitteln und der Bereitschaft, die minimalen Tierschutzvorgaben zu erfüllen.

 

Auch das 2011 in Kraft getretene sogenannte Zirkuszentralregister bringt nicht den erhofften Erfolg. In dieser elektronischen Datenbank sollen relevante Informationen zu den einzelnen Zirkussen und deren Tierbestand erfasst und sämtlichen Veterinärbehörden zugänglich gemacht werden. Funktionieren kann dieses System nur, wenn jeder Zirkus regelmäßig kontrolliert wird und die Ergebnisse im Register eingestellt werden. Das können die meisten Veterinärämter jedoch nicht leisten, da sie personell schlecht aufgestellt und mit ihren grundsätzlichen Aufgaben voll ausgelastet sind.

Viele Behörden handeln auch deshalb nicht, weil sie keine Unterbringungsmöglichkeiten für beschlagnahmte Zirkustiere haben. Es gibt hierzulande keine speziellen Auffangstationen, und nur wenige Zoos sind bereit und in der Lage, behördlich eingezogene Großtiere aufzunehmen.

Die Lösung

Ein bundesweites gesetzliches Verbot von Wildtieren im Zirkus würde das Leiden der betroffenen Lebewesen dauerhaft und nachhaltig beenden. Derartige nationale Vorschriften gibt es bereits in zahlreichen Ländern (z.B. Bulgarien, Dänemark, Irland, Österreich, Costa Rica, Israel, Peru). Sollte sich die deutsche Regierung irgendwann zu diesem Schritt durchringen, würden entsprechende Übergangsregelungen dafür sorgen, dass aktuell vorhandene Tiere bis zu deren Lebensende behalten, neue jedoch nicht mehr angeschafft werden dürften. Somit würden Wildtiere im Zirkus im Laufe der Zeit „aussterben“.

Das können Sie tun

  • Besuchen Sie keinen Zirkus mit Wildtiernummern und Tierschauen.
  • Schreiben Sie an Zirkusunternehmen, die mit Wildtieren arbeiten, und kritisieren Sie offen diese Praxis.
  • Wenden Sie sich mit Leserbriefen an die lokalen Presseorgane, wenn solche Zirkusse in Ihrer Heimatstadt auftreten.
  • Nehmen Sie Ihre Bundestagsabgeordneten in die Pflicht, und fordern Sie ihn auf, sich für ein Wildtierverbot in Zirkussen aktiv einzusetzen.
  • Melden Sie Zirkusunternehmen mit Missständen in der Tierhaltung dem zuständigen Veterinäramt.

Kampagnenvideo

Zirkusbär
Foto: Jan Peifer

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