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Aufklärung ist Tierschutz!

Das Team von aktion tier e.V. bei der Kampagneneröffnung "Die Honigbiene" im August 2013 in Potsdam. Foto: aktion tier e.V.

Von Holger Knieling, 2011. Auch wenn Marion Gonzalez, Leiterin unseres Tierheimes „acción del sol“ auf Teneriffa in Spanien, es inzwischen gewohnt ist, für die Arbeit der Einrichtung regelmäßig Lob zu erhalten, war sie dennoch erstaunt, als es diesmal von höchster politischer Stelle kam. Die Erziehungsministerin der Kanarischen Inseln, Eulalia Peñalver Brito, wollte es sich nicht nehmen lassen, sich persönlich für das Engagement der Einrichtung von aktion tier e.V. im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit zu bedanken.

Inzwischen ist es für viele Schulen und Bildungseinrichtungen der Region üblich, im Rahmen regulärer Unterrichtseinheiten dem Tierheim einen Besuch abzustatten. Dort lernen die Kinder und Jugendlichen nicht nur mit den Hunden direkt umzugehen, sondern informieren sich auch über die dort zu lösenden Probleme. Denn diese sind keineswegs unabänderliche Phänomene, sondern Teil einer gesellschaftlichen Entwicklung. Um diese in der Zukunft zu stoppen, werden gezielt Kinder und Jugendliche damit konfrontiert und über Verhaltensweisen gegenüber dem Tier mit Pädagogen und Mitarbeitern des Tierheimes diskutiert.

Denn in den westeuropäischen und freiheitlich orientierten Demokratien, zu denen sich Spanien seit Ende der Franco-Ära ohne Zweifel zählen darf, wird dem Einzelnen ein hohes Maß an individueller Entscheidungsfreiheit eingeräumt. Zu diesen persönlichen Freiheiten zählt, wie bei uns in Deutschland auch, zum Beispiel die Anschaffung eines Haustieres, die weitestgehend ohne eine staatliche Reglementierung erfolgen kann. Und so kann ein Jeder, sollte ihm oder ihr der Sinn danach stehen, sich einen Hund anschaffen...

Tierheimleiterin Marion Gonzalez
Foto: © aktion tier Teneriffa

Ein Teil dieser Hunde müssen wir dann in unserem Tierheim „acción del sol“ versorgen und unterbringen. Unsere Insassen sind keineswegs einheimische Wildtiere, sondern ohne eine Ausnahme ehemalige Haustiere, die auf unterschiedliche Weise den Weg zu uns gefunden haben. In der Regel wurden sie auf der Straße aufgelesen, weil sich der ehemalige Besitzer sich ihrer dort entledigt hat.

Kinder können bei der Entscheidung innerhalb einer Familie, sich ein Haustier anzuschaffen, eine ganz wesentliche Rolle spielen. Zum einen können sie durch vehemente Forderung nach einem niedlichen Spielgenossen Druck auf gestresste Familienväter und -mütter ausüben; sie können jedoch auch, ein entsprechendes Problembewusstsein vorausgesetzt, als Regulativ in genau die entgegengesetzte Richtung wirken. Nämlich durchaus verantwortungsbewusst, was die Anforderungen und die langandauernde Verantwortung dem Tier gegenüber angeht.

Gerade Kinder in der Altersgruppe bis zu 14 Jahren sind dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen und bringen eine entsprechende Aufnahmebereitschaft mit sich. Unsere Tierschutzferien für Kinder und Jugendliche, fester Bestandteil der Vereinsarbeit seit vielen Jahren, sind ein Weg; regelmäßige Besuche von Schulklassen in den einzelnen Einrichtungen ein anderer. Als Erwachsene der Zukunft kann man damit getrost die Hoffnung verbinden, dass ein früher und entsprechend verantwortungsbewusster Umgang mit dem Tier sich auch in der Zukunft nicht grundlegend ändern wird. Diese, keineswegs revolutionäre Erkenntnis wird ja auch in allen anderen gesellschaftlich relevanten Bereichen praktiziert und ist damit als ein sinnvolles und präventives Handeln weitestgehend akzeptiert.

Dennoch kam das eingangs erwähnte Lob von einer Politikerin, in deren Resort der Tierschutz nicht unbedingt fällt; wohlgemerkt nicht etwa von einem Repräsentanten einer anderen Tierschutzorganisation. Aus diesen Kreisen fällt das Lob für Andere, wenn es denn überhaupt einmal artikuliert wird, nur dann positiv aus, wenn die Versorgung von in Not geratenen Tieren besonders gut erledigt worden ist. Alle Aktivitäten, die nicht ausschließlich auf das Tier ausgerichtet sind, finden in den Kreisen der Tierschützer kaum Anerkennung. Im Gegenteil wird in vielen Fällen dies noch als angeblich fehlgeleitete Mittel öffentlich diskreditiert. Und so ist es auch nicht verwunderlich,dass die spanische Politikerin es als besonders erwähnenswert erachtet, einer Tierschutzorganisation dafür ihren Dank zum Ausdruck zu bringen. Es macht ja auch sonst kaum jemand.