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Wir wollen keine Tierheime bauen!

Ein Tierheim ist nichts Schönes...
Ein Tierheim ist nichts Schönes... Foto: aktion tier e.V./Knieling

Von Holger Knieling. Diese Aussage dürfte auf den ersten Blick überraschend klingen, zumal sie von einem großen Tierschutzverein wie aktion tier getroffen wird. Schließlich geht nach wie vor ein Großteil der Bevölkerung davon aus, dass die Errichtung einer Tierauffangstation doch eigentlich erstrebenswert sei. Denn die Unterbringung und Versorgung von in Not geratenen Tieren ist in den Augen der meisten Menschen etwas Lobenswertes. Dies ist generell unbestritten und die Menschen, die sich dieser Aufgabe verschrieben haben, leisten eine tolle Arbeit im Sinne der Allgemeinheit.

Doch auf den zweiten Blick offenbart sich auch eine andere Sichtweise. Ein Tierheim ist nichts Schönes, obwohl es oftmals verklärt als ein Hort der Glückseligkeit dargestellt wird. Es ist ein leider notwendiges Übel, da es in unserer Gesellschaft immer noch eine große Zahl von unerwünschten und in Not geratenen Tieren gibt. Also müssen diese auch versorgt werden. Aber letztendlich ist jedes Tierheim nur eine mehr oder weniger gelungene Übergangslösung. Tatsächlich werden dort, etwas polemisch ausgedrückt, Tiere eingesperrt und verwahrt. Sie verbringen den überwiegenden Teil ihrer Zeit in Zwingern, sind darauf angewiesen, dass ein freiwilliger Helfer sie ab und an mal ausführt und wenn sie nicht den gerade geltenden Geschmackskriterien genügen, dann bleiben sie mitunter auch ihr gesamtes Leben im Tierheim.

n den Augen vieler Menschen ist die dargestellte Vorgehensweise praktizierter Tierschutz. Er definiert sich dadurch, dass man sich im Einklang mit der vorherrschenden Meinung ausschließlich um die bereits vorhandenen und demzufolge zu versorgenden Tiere kümmert. Das tun viele Menschen mit großem Engagement und es ist denjenigen hoch anzurechnen, wie stark sie sich um das Wohl der ihnen anvertrauten Tiere kümmern. Jeder, der sich intensiver mit der Arbeit in einem Tierheim auseinandergesetzt hat, weiß um die hohe körperliche und auch psychische Belastung der dort tätigen Menschen.

Dennoch bleibt die Tatsache, dass in einem Tierheim die einzelnen Tiere auf eine Art und Weise untergebracht werden müssen, die nur sehr eingeschränkt ihren natürlichen Bedürfnissen gerecht wird. Trotzdem wird an die Tierschutzorganisationen immer wieder die Forderung gestellt, dass sie alle vorhandenen Mittel für die Förderung oder die Errichtung von Tierheimen einsetzen sollen. Und obwohl dies bereits unzählige einzelne Tierschutzvereine tun, hat sich die Situation in den Tierheimen in Deutschland nicht grundlegend verändert. Sie sind überfüllt und die dafür verantwortlichen Tierschutzvereine können den vor allem saisonal wachsenden Anforderungen kaum genügen.

Also weiter so?

Die Zustände sind nun einmal so, wie sie sind und demzufolge hat man sich damit abzufinden? Oder gibt es andere Möglichkeiten, diese jahrzehntelange Situation nachhaltig zu verändern?

Wenn aktion tier eine neue Tierauffangstation eröffnet und damit auf dem althergebrachten Wege versucht, vorhandenes Tierleid zumindest zu lindern, entsteht immer wieder dieselbe Situation. Die Gründung eines Gnadenhofes für misshandelte Pferde zieht z. B. eine Vielzahl von Telefonanrufen in den nächsten Wochen nach sich. Ziel dieser Anrufe ist immer dasselbe Anliegen: Ein Mensch versucht sein Pferd „loszuwerden“ und fordert uns auf, dieses in das neue Projekt zu übernehmen. Die Begründungen dafür sind letzten Endes immer wieder dieselben: Bei der Anschaffung des Tieres war man sich über die daraus resultierenden Konsequenzen nicht im Klaren. Jetzt drücken die Kosten für den Unterhalt des Tieres und die seiner Zeit so engagierte Tochter hat inzwischen das Interesse an dem Pferd verloren. Also muss es weg!

Wollten wir all diesen Anfragen entsprechen, hätten wir nicht nur eine Auffangstation für Pferde einrichten müssen, sondern mindestens fünf der gleichen Größe. Folgt man der gängigen Argumentation, wäre dies die einzige Aufgabe, der eine Tierschutzorganisation nachzukommen hat. Nur: Die Errichtung einer solchen Einrichtung ist mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden und zieht kontinuierliche Folgekosten für den Unterhalt nach sich. Bezieht man diese Problematik auf die gesamte Republik, sind sämtliche Tierschutzorganisationen damit heillos überfordert.

Und es bleibt die bohrende Frage, ob man mit der reinen Unterbringung und Versorgung der Tiere tatsächlich Tierschutz im Sinne des Tieres leistet oder nur eine mehr oder minder gelungene Verwahrung ermöglicht. Wäre es da nicht besser, wenn es gar nicht dazu käme, dass ein Tier im Tierheim landet?

Schöne Vorstellung, wird der Eine oder Andere sagen. Stellt sich nur die Frage, wie man das umsetzen kann. Wie kann man verhindern, dass ein Tier überhaupt in die Situation gebracht wird, in einem Tierheim abgegeben oder gar ausgesetzt zu werden?