Logo Aktion-Tier

Wenn Hunde viel um die Ohren haben…

von: Dr. Tina Hölscher

Hundeohren sind empfindlich. Sie können häufig Probleme machen, die dann auch oft chronisch sind. Daher sollten Tierhalter:innen diesem Körperteil ihres Hundes besondere Aufmerksamkeit schenken, besonders wenn ihr Liebling stolzer Träger von Schlappohren ist. Diese süßen Lappen bringen eine gewisse Problematik mit sich.

Schlappohren verschließen den äußeren Gehörgang nahezu wie ein Deckel und sorgen daher für schlechte Belüftung. In diesem sauerstoffarmen Milieu fühlen sich Bakterien und andere Krankheitserreger wie beispielsweise Hefepilze besonders wohl. Sie können sich dort gut vermehren und langfristig Schwierigkeiten bereiten. Breiten sie sich aus, entwickelt sich eine Entzündung des Gehörganges. Richtig schlimm wird es, wenn dieses Geschehen über einen längeren Zeitraum fortbesteht. Erstens wird es dann richtig unangenehm für den Hund. Zweites verringert sich allmählich das Lumen, also der Durchmesser des Gehörganges, durch das anhaltende Entzündungsgeschehen. Denn immer, wenn auf der Körperoberfläche ein Entzündungsprozess abläuft, versucht das Immunsystem durch Erneuerung und damit Zellvermehrung die Entzündung zur Abheilung zu bringen. Findet dies in einem Rohr statt, und letzten Endes ist der Gehörgang nichts anderes als eine Art Schlauch, verdickt sich die Hautschicht ringsum, und der Gang wird dadurch immer enger. Dieser Prozess setzt sich so lange weiter fort, bis die Ursache der Entzündung beseitigt wird. Bleibt die Heilung aber aus, reduziert sich letzten Endes das Hörvermögen, und das Tier ist am Ende des Tages wirklich taub, weil der Gang dicht ist. Schlimm, vor allem weil es vermeidbar ist.

Eine Entzündung im Ohr erkennt der/die Besitzer:in am muffigen Geruch, wenn er/sie den Ohrlappen anhebt, und am Ausgang des Ganges riecht. Meist kann man im selben Atemzug (hier im wahrsten Sinne des Wortes) auch braune schmierige Beläge ausmachen, die die Windungen der Innenseite der Ohrmuschel auskleiden. Oft paart sich das ganze Geschehen mit Juckreiz. Um demselben Abhilfe zu schaffen, legt der Vierbeiner sich dann gerne seitlich mit dem Kopf auf den Boden, hebt dabei womöglich noch den Popo in die Höhe, und reibt in dieser seltsamen Position die betreffende Ohrmuschel am Teppich, der Wiese oder im Schnee entlang. So versucht er dem juckenden Gefühl Herr zu werden.

Bitte keine Wattestäbchen zur Reinigung verwenden!

Reagiert der/die Tierhalter:in rechtzeitig, kann er/sie seinem Schatz selbst helfen. Allerdings muss hierfür eine Sache unbedingt beherzigt werden: Was keinesfalls gemacht werden darf, ist zu versuchen, mit einem Wattestäbchen den Gehörgang zu reinigen. Denn dieser verjüngt sich beim Hund trichterförmig, und daher schiebt man immer einen letzten Rest Krankheitserreger in die Tiefe des Ganges, wenn man die Wattestäbchenmethode anwendet. Viel besser ist es, mit Flüssigkeiten zu arbeiten. Allerdings nur, wenn die Entzündung nicht schon weit fortgeschritten ist.

Besteht die Problematik seit Wochen, ist es natürlich besser, zunächst eine/n Tierarzt:in aufzusuchen, die/der abklären kann, ob das Trommelfell noch intakt ist. Ansonsten dringen die Reinigungsflüssigkeiten in die inneren Bestandteile des Ohres und verursachen dort mehr Schaden als Nutzen. Kann man sicher sein, dass das Trommelfell steht, darf man im Zoofachhandel oder beim Tierarzt Reinigungsflüssigkeiten erwerben. Diese werden nach Anweisung des Herstellers ins Ohr geträufelt und einmassiert. In aller Regel lieben das die Hunde, wenn man vorsichtig vorgeht. Sie genießen die Massage, weil sie schon im selben Moment Linderung verspüren. Nach etwa einer halben Minute ist der Wellnessanwendung genüge getan. Nun heißt es schnell „Abstand gewinnen“, denn lässt man vom Ohr ab, wird der Patient im nächsten Moment seinen Kopf schütteln. Auf diese Weise schleudert er selbst das ganze unliebsame Material aus dem Ohr heraus, und zurück bleibt ein deutlich sauberer Gehörgang. Die Innenseite des Ohrlappens darf jetzt noch mit einem Tuch ausgewischt werden.

Einigermaßen aktuell ist die Tatsache, dass Otitiden, also Entzündungen der Ohren, auch durch Futtermittelunverträglichkeiten ausgelöst werden können. Aparterweise müssen hierbei auch nicht beide Ohren betroffen sein, wie man eigentlich annehmen möchte, nein, es kann auch nur ein Ohr vom allergischen Geschehen in Mitleidenschaft gezogen werden. Bei dieser Sonderform der Otitis muss allerdings in aller Regel immer ein/e Tierarzt:in mit ins Boot geholt werden. Denn es handelt sich hierbei um eine so genannte Ausschlussdiagnose. Das heißt im Klartext, dass man von einer allergisch bedingten Ohrentzündung nur sprechen kann und darf, wenn alle anderen möglichen Ursachen ausgeschlossen sind. Und für eben diesen Ausschluss bedarf es der Mithilfe durch den/ die Tierarzt:in, der durch Voruntersuchungen und Abstriche abklärt, ob nicht doch Parasiten, Bakterien oder Pilze für das Krankheitsgeschehen verantwortlich sind.

Schenkt der/die Tierhalter:in den Ohren seines Hundes die Aufmerksamkeit, die sie brauchen, kann man sich sicher sein, dass es wenigstens nicht am Gehörsinn liegt, wenn der Vierbeiner nicht hört…

Bei anfälligen Hunden säubert man mit Hilfe von Reinigungssubstanzen aus der Tierarztpraxis das Ohr einmal in der Woche. Besorgte Tierbesitzer:innen von Hunden mit Schlappohren dürfen das auch machen, wenn noch gar keine Erkrankung besteht, gewissermaßen als Prophylaxe. Die Säuberung mit Flüssigkeiten schadet auch als Prophylaxe nicht.