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Alles Schiete? – Zwischen Rücksichtnahme und Umweltbewusstsein

Da läuft man verträumt oder auch in Eile durch die Gegend, oder steigt gerade aus dem Auto, und dann hört man dieses schlotzige Geräusch und merkt etwas Weiches unter der Schuhsohle … Hundekot. Einfach liegengelassen. Kennen Sie das?

In Hundeauslaufgebieten ist ein Spaziergang ohne Leine natürlich am schönsten.
In Hundeauslaufgebieten ist ein Spaziergang ohne Leine natürlich am schönsten. Foto: Alexandra Pfitzmann

Als Hundebesitzer rege ich mich immer mal wieder über das Verhalten anderer Hundebesitzer auf. Da laufen Hunde frei in der Stadt, obwohl sie nicht hören, wenn sie gerufen werden. Und schon ist man damit beschäftigt, den eigenen Hund bei NichtSympathie an der Leine wegzuziehen, verheddert sich im Drehen um den Hund mit Leine und Tasche und ist entnervt. Oder man beobachtet, wie verängstigte Menschen auf Parkbänken von neugierig-aufdringlichen Vierbeinern beschnüffelt werden – sie meinen es nicht böse, aber wenn doch jemand nun einmal einfach Angst hat? Oder im Restaurant: Es gibt Hundebesitzer, die ihren Hund sozusagen „vergessen“. Der sitzt dann am Nachbartisch und hat das Steak des Gastes hypnotisch genau im Visier.

Die Sache mit dem Hundekot allerdings, die ist speziell.

Ich gehe täglich 3-4 Mal mit meinem Hund raus. Zum schnüffeln, spielen, toben – aber natürlich auch, um die dringenden Geschäfte zu erledigen. Immer habe ich mehrere Hundekotbeutel dabei – schließlich weiß man nie, was Wuffi sich alles so einfallen lässt. Und wenn dann das Geschäft erledigt ist, wird es eingetütet und ordentlich in einem Abfallbehälter entsorgt. Denn ich möchte ja auch nicht in die „Schiete“ treten. Und schön sieht es auf Gehwegen oder an Bäumen auch nicht aus, wenn überall die Tretmienen herumliegen.

„We kehr for you“ – cooles Marketing in Berlin

Die Berliner Stadtreinigung hat eine starke Marketingabteilung, die nicht nur die herumfahrenden Müllwagen mit lustigen Worten wie „Kehrrarri“, „Räumschiff“, „Leer Force One“ oder „Schatz, ich bring mal schnell den Müll weg“ beschriftet, sondern auch die Abfallbehälter nett betitelt. Allein 25.000 Abfallbehälter stellt die Stadt Berlin bereit. Das ermuntert doch zum Mitmachen.

Hohe Umweltbelastung

Wenn man mal den Bedarf an Hundekotbeuteln zusammenzählt, verbrauche nur ich durchschnittlich 700-750 Tüten im Jahr. Logisch, bei durchschnittlich zwei Geschäften pro Tag. Bei fast sieben Millionen Hunden in Deutschland und den damit verbundenen rund 5,5 Milliarden Häufchen wird einem ganz schwindelig, wenn man an den Tütenverbrauch denkt. Was tun? Schaut man sich in gängigen Tierbedarfsgeschäften um, so findet man eine Auswahl an Entsorgungshilfen. Die meisten Hundekotbeutel gibt es in 8er oder 10er Packs in kleinen Rollen zu kaufen. Sie werden in der Regel aus Polyethylen, einem sehr langlebigen Kunststoff, hergestellt, das aus rohem Erdöl gewonnen wird, einer endlichen Ressource. Ganz schlimm ist es also, wenn „brav“ gefüllte Kotbeutel dann einfach achtlos in die Natur geworfen werden oder sinnfrei an Zäunen festgebunden werden. Sie lösen sich ja schließlich nicht in Luft auf.

Es gibt auch Kotbeutel-Varianten aus Karton, also Papier. Sicher, das scheint sehr viel umweltfreundlicher zu sein, ist aber im Alltag nicht wirklich praktikabel, da man zwei Hände benötigt, um mit der Pappe den Kot aufzusammeln. Das ist mit Hund an der Leine und vielleicht noch einer Tasche in der Hand logistisch schwierig. Schade. Allerdings gibt es auch kompostierbare Hundekotbeutel in diversen Ausführungen. Laut einiger Hersteller werden diese auf Basis von Pflanzenmaterialien, d.h. auf Maisbasis, pflanzlichen Ölen und kompostierbaren Polymeren produziert. Frei von Mikroplastik scheinen diese allerdings nicht zu sein.

Und was ist jetzt mit Bio-Plastik?

Bio-Plastik meint zum einen den Produkt-Ursprung: Hier kann es sich um herkömmliche Polymere handeln, die zum Teil oder vollständig aus nicht fossilen und nachwachsenden Rohstoffen, also auf pflanzlicher Basis, hergestellt sind, z.B. aus Mais, Kartoffeln oder Zuckerrohr. Diese Methode schont unsere Ressourcen. Handelt es sich um Hundetüten, die biologisch abbaubar sind, geht es darum, wie die Tüte sich zersetzt. „Kompostierbar“ darf sich eine Tüte erst dann nennen, wenn sie binnen zwölf Wochen in einer Industriekompostanlage zerfällt. Das Problem besteht aber darin, dass nicht jede biologisch abbaubare Tüte aus nachwachsenden Rohstoffen (Pflanzen) hergestellt wird, und nicht jede Tüte aus nachwachsenden Rohstoffen wiederum ist nicht immer biologisch abbaubar.

Gehört die Bio-Hundetüte denn nun in den Bio-Müll und auf den Kompost?

Das wird jetzt kompliziert. Denn die Kompostierung von Bio-Plastik mit Exkrementen wird nicht umgesetzt, auch wenn es möglich wäre. Zum einen können weder Menschen noch Maschinen kompostierbares Bio-Plastik von der herkömmlichen PE-Tüte unterscheiden. Zum anderen geht es um einen verständlichen Ekel von Mitarbeitern in Kompostieranlagen, die zwar mit Handschuhen ausgestattet sind, aber dennoch „zupacken“ müssen. Ja, in vielen Kompostieranlagen wird noch immer per Hand sortiert.

Die Sache mit der richtigen Tüte ist also nicht so einfach. Pappe erscheint in der Tat als umweltfreundlichste Variante.

Aber mal ehrlich – es ist grundsätzlich nicht kompliziert, das Geschäft einzutüten oder einzu“pappen“ und zu entsorgen. Rücksicht kommt immer an, und schließlich möchten Hundebesitzer nicht mit Hass und (durchaus berechtigtem Ärger der Anderen) umgehen müssen. Bitte, liebe Hundebesitzer, bleiben Sie daher rücksichtsvoll, und helfen Sie mit, Ihre Stadt etwas sauberer zu halten!

Hundekot kann teuer werden

Selbstverständlich haben sich wegen der großen Mengen an Hundekot auch die einzelnen Bundesländer, Gemeinden und Kommunen hierzu Gedanken gemacht und die Nicht-Beseitigung von Hundekot in den jeweiligen Bußgeldkatalog aufgenommen. Bis zu 300 Euro (so in Berlin) müssen Hundebesitzer zahlen, wenn sie vom Ordnungsamt auf frischer Tat ertappt werden. Der Raum Nürnberg erscheint mit 35 Euro Strafe recht preiswert.

Alexandra Pfitzmann

Redaktion "mensch & tier"

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