Karneval & Fasching

Am Aschermittwoch ist alles vorbei – Gibt es im Karneval Tierquälerei?

In der Karnevalszeit 2018 waren beim Kölner Rosenmontagszug Pferde mit einer Kutsche durchgegangen, weil sie sich augenscheinlich vor einer geworfenen Pralinenschachtel erschrocken hatten. In 2019 wurde wegen eines angekündigten Sturms auf Pferde im Zug verzichtet. Am Rosenmontag in Köln waren 2020 wieder Pferde dabei. Rund 300 Tiere waren von Karnevalsgesellschaften gemeldet. 2021 fiel der Umzug Corona bedingt aus, aber 2022 könnten die traditionellen Karnevalsumzüge (Corona bedingt vielleicht eingeschränkt) wieder losgehen.

Gegenstände wie Bonbons, kleine Blumensträuße oder Pralinenschachteln fliegen bei einem Karnevalsumzug permanent durch die Gegend.
Gegenstände wie Bonbons, kleine Blumensträuße oder Pralinenschachteln fliegen bei einem Karnevalsumzug permanent durch die Gegend. Foto: Janine Ulbrich Fotografie

Der Unfall in 2018 war damals Anlass genug für das Umweltministerium von Nordrhein-Westfalen, neue Leitlinien für den Umgang mit Pferden zur Karnevalszeit zu erstellen. Hiernach darf nun zum Beispiel das Gewicht des Reiters nicht mehr als 15% des Pferdegewichts betragen. Für Kutschpferde bestehen Grenzen bei Zuglasten. Zudem muss der Reiter mindestens 30 Stunden Reitpraxis nachweisen und ein „geeignetes“ Verhältnis zum Pferd haben. Das heißt, Pferd und Reiter müssen in einem Vertrauensverhältnis zueinander stehen.

Gleichzeitig sind eine Gelassenheitsprüfung und ein Reiterpass ein Muss. Problematisch aber hieran ist, dass eine Gelassenheitsprüfung und auch die damit verbundene Vorbereitung des Pferdes (laute Musik, plötzliches Hochschrecken von Gegenständen wie Flatterbänder oder Luftballons, Knallgeräusche) nicht über einen so langen Zeitraum erfolgt wie ein Karnevalszug, der in der Regel vier Stunden dauert und das Pferd somit einem Dauerreiz ausgesetzt ist.

In der Stadt Köln sollen sieben Veterinäre verpflichtend zugegen sein, denen innerhalb von zehn Minuten im Bedarfsfall Zugang zum jeweiligen Pferd gewährt werden muss. Um Doping zu kontrollieren (Pferde sind immer wieder verbotenerweise mit starken Beruhigungsmitteln sediert worden, um dem Stress standzuhalten), sind stichprobenartige Blutentnahmen auch Teil des Regelwerks zum Schutz der Tiere. Man beachte: 2018 war eines von 50 Pferden positiv getestet worden. Bei Ende des Karnevalsumzugs sollen alle Pferde von Veterinären durchgecheckt werden.

Neue Regularien sollen für 2021 gelten

Statt der bisher akzeptierten Gelassenheitsprüfung soll eine einheitliche Prüfung für den Einsatz von Pferden bei Brauchtumsveranstaltungen erarbeitet werden. Hiermit soll sichergestellt sein, dass Pferde speziell auf die Anforderungen eines Rosenmontagszuges vorbereitet sind. Menschen schreien, laute Musik ist ein ständiger Begleiter, Gegenstände wie Bonbons, kleine Blumensträuße oder Pralinenschachteln fliegen permanent durch die Gegend.

Steht Tradition über Tierwohl?

Wohl eher nicht. Natürlich haben Pferde und Pferdekutschen eine lange Tradition im Karneval. Das rechtfertigt aber nicht, was beim zuletzt durchgeführten Rosenmontagszug 2018 beobachtet wurde. Eine Teilnehmerin berichtete, dass der Lärmpegel wohl konstant über 90 Dezibel gelegen habe und dass angelegte Ausrüstungen bei den wenigsten Pferden zu 100% gesessen hätten. Es wurde an den Zügeln gezerrt – Gebissstücke verletzen dann schnell das Maul und die Zunge des Pferdes, und zu enge Trensen schnitten in die empfindliche Haut rund um das Maul ein. Der Stress war den Pferden deutlich anzusehen.

Es ist nicht leicht, sich von Traditionen abzuwenden. Aber das bunte Treiben zur Karnevalszeit soll doch für alle ein Vergnügen sein. Und Spaß haben alle auch ohne den Einsatz von Pferden.

Alexandra Pfitzmann

Redaktion "mensch & tier"

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