Haushunde

Der darf das – der hat ja noch Welpenschutz! – Hunde-Mythen aufgeklärt

Der Mythos, dass ein erwachsener Hund einem Welpen niemals etwas tun würde, weil dieser noch den sogenannten Welpenschutz hat, ist nach wie vor sehr weit verbreitet. Doch ist dem wirklich so? Darf sich der Welpe einfach alles erlauben ohne, dass er gefährlich für ihn wird?

Foto: © aktion tier, Ursula Bauer

Der Welpenschutz ist noch immer ein sehr häufig genutzter Begriff unter Hundehaltern. Er soll aussagen, dass Welpen bei erwachsenen Hunden eine gewisse Narrenfreiheit haben und der erwachsene Hund den Welpen niemals ernsthaft verletzten würde. Doch woher stammt dieser Glaube, dass erwachsene Hunde jeden Welpen sofort als schutzbedürftig ansehen und ihm niemals etwas tun würden?

Der Ursprung dieses Glaubens liegt in den Beobachtungen, die Forscher bei Wolfseltern und ihren Welpen gemacht haben. So schien in den ersten sechs bis sieben Lebenswochen die Geduld der Eltern ihrem Nachwuchs gegenüber schier grenzenlos zu sein. Erst wenn die Welpen bereits einige Wochen alt waren, begannen die Wolfseltern damit, ihrem Nachwuchs deutliche Grenzen zu setzen und diese auch zu behaupten. Aus diesen Beobachtungen wurde der Schluss gezogen, dass Welpen einen sogenannten Welpenschutz haben. Völlig vergessen wurde bei dieser Schlussfolgerung jedoch, dass sich diese Beobachtungen auf Wolfswelpen aus der eigenen Familie bezogen und die Narrenfreiheit der Welpen auch mit der 7. Woche endete.

So existiert der Welpenschutz bei unseren Haushunden, wenn überhaupt, auch nur in der eigenen Familie und auch nur, wie bei den Wölfen beobachtet, in den ersten Lebenswochen. Aber nicht mal in diesen ist es garantiert, dass der Welpenschutz wie in unseren Vorstellungen funktioniert. Unsere Haushunde sind nun mal keine Wölfe, und Beobachtungen, die bei GehegeWölfen gemacht wurden, sind keinesfalls immer auf unsere Haushunde übertragbar.

Welpen, die bei ihren neuen Menschen einziehen, sind in der Regel 8-12 Wochen alt. Eine Abgabe von unter acht Wochen alten Welpen ist laut Tierschutz-Hundeverordnung in Deutschland verboten. Beim Einzug des Hundekinds wäre also sogar der Schutz in der eigenen Familie bereits erloschen. Bei fremden, der Hundefamilie nicht angehörigen erwachsenen Hunden, hat dieser nie existiert. Es kann daher für den Welpen durchaus gefährlich werden, wenn Herrchen oder Frauchen davon ausgehen, dass sich ihr Hundewelpe bei erwachsenen Hunden alles erlauben kann. Es gibt adulte Hunde, die aus eigen gemachten Erfahrungen und auch aufgrund ihres Charakters sehr vorsichtig mit Welpen umgehen und sich sehr tolerant gegenüber Welpen zeigen. Dies ist aber keinesfalls eine Selbstverständlichkeit, und vor allem bei intakten (also unkastrierten), erwachsenen Hündinnen, wird dieses Verhalten eher selten beobachtet.

Die Verantwortung, Ihren Welpen zu schützen, liegt ganz allein bei Ihnen als Hundehalter

Sollte sich Ihr Welpe erwachsenen Hunden gegenüber sehr distanzlos und übergriffig verhalten, ziehen Sie eine freundliche Grenze, bevor der erwachsene Hund es tut. Die Erfahrung, von einem erwachsenen Hund unsanft in die Schranken gewiesen oder in schlimmeren Fällen wirklich attackiert zu werden, kann für den Welpen Auswirkungen auf sein gesamtes Leben haben. Zumal ein Aufeinandertreffen so unterschiedlicher Gewichtsklassen auch zu ernsthaften Verletzungen führen kann. Schauen Sie also lieber einmal zu viel hin, mit welchem Hund Sie Ihren Welpen agieren lassen möchten und verlassen Sie sich nicht auf den Mythos „Welpenschutz“. Geben Sie Ihrem Welpen die Möglichkeit, positive Erfahrungen mit erwachsenen und souveränen Artgenossen zu sammeln, und legen Sie so einen Grundstein, von dem er für den Rest seines Lebens profitieren wird.

Ann Kari Sieme

aktion tier-Geschäftsstelle Berlin