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Deutschlands Katzen brauchen verbindlichen Schutz

Mein Name ist Selina Niederlechner, ich bin 32 Jahre alt und unterstütze das Tierheim Kehl (Baden-Württemberg) in Kooperation mit aktion tier im Projekt Kitty.

Meine Aufgabe ist es seit drei Jahren, Katzenkolonien zu betreuen, verwilderte Hauskatzen tierschonend einzufangen, sie kastrieren und kennzeichnen zu lassen sowie medizinisch zu versorgen. Die Tiere werden anschließend – sofern eine gesicherte Betreuung gewährleistet ist – wieder in ihre angestammten Kolonien zurückgeführt, wo sie regelmäßig mit Futter, Wasser, warmen Liegeplätzen und Schutz versorgt werden. Diese Arbeit hat mir einen sehr realistischen, unverfälschten Einblick in die tatsächliche Situation vor Ort gegeben. Ich spreche heute also nicht aus theoretischer Perspektive, sondern aus täglicher praktischer Erfahrung.

Wir stehen heute vor einer Aufgabe, die zu lange übersehen, verschoben oder allein dem Ehrenamt überlassen wurde: dem Schutz unserer Hauskatzen und der nachhaltigen Bewältigung der stetig wachsenden Population verwilderter Tiere. Was viele nicht wissen – oder nicht sehen wollen: Dieses Problem betrifft nicht nur den Tierschutz. Es betrifft unsere Kommunen, unsere Haushalte, unsere Infrastruktur und letztlich unsere gesellschaftliche Verantwortung.

Die Realität vor Ort

In nahezu jeder Gemeinde Deutschlands wächst die Anzahl verwilderter Katzenkolonien. Unkastrierte Freigänger sorgen jedes Jahr für Tausende neue Jungtiere – Tiere, die verwildern, erkranken, verhungern oder in Futterstellen auffallen, weil sie irgendwo um ihr Überleben kämpfen. Diese Tiere leiden im Stillen. Sie haben keine Stimme. Und genau deshalb brauchen sie unsere.

Ein vermeidbares Problem – mit klaren politischen Lösungen

Die Ursache für dieses Leiden ist eindeutig politisch steuerbar: fehlende gesetzliche Kastrations- und Kennzeichnungspflichten. Eine Kastration kostet im Schnitt rund 150 bis 250 Euro. Was auf den ersten Blick nach einer hohen Ausgabe wirkt, entpuppt sich aus haushälterischer Sicht als eine der effizientesten Investitionen, die eine Kommune tätigen kann. Denn die lebenslange Versorgung, Behandlung oder Wiederholungseinsätze bei immer neuen Kolonien kosten ein Vielfaches. Wir können dieses Problem lösen. Aber wir müssen es wollen.

Mit Futter werden Katzen in Fallen gelockt, um sie dann kastrieren zu können.
Mit Futter werden Katzen in Fallen gelockt, um sie dann kastrieren zu können.

Die stille Last des Ehrenamts

Lassen Sie mich eines klar sagen: Tierschutzvereine und Tierheime tragen derzeit eine Last, die eigentlich kommunale Pflicht wäre. Sie kümmern sich um Fundtiere, Notfälle, Kastrationsaktionen, medizinische Versorgung, Bürgerberatung, Nacht- und Wochenendnotdienste – und das alles ohne strukturelle, verlässliche Finanzierung. Die Mitarbeiter arbeiten nicht wegen einer guten Bezahlung. Ganz im Gegenteil. Sie tun es aus Mitgefühl. Aus Überzeugung. Aus Verantwortung. Weil jemand helfen muss. Und genau deshalb ist es nicht länger tragbar, dass diese Arbeit auf den Schultern der Tierheime ruht, während die öffentliche Hand zusieht.

Kommunale Pflichtaufgabe – keine freiwillige Leistung

Tierheime sind keine Einrichtungen für die Freizeitgestaltung. Sie sind Teil unserer kommunalen Daseinsvorsorge. Wenn Tierheime überlaufen, wenn Gebäude marode sind, wenn medizinische Versorgung an Finanzgrenzen scheitert – dann ist das kein Vereinsproblem. Es ist ein kommunales Problem. Ein staatliches Problem. Ein politisches Problem. Und es wird Zeit, dass wir es auch so behandeln.

Foto: © Tierheim Kehl

Unsere politischen Aufgaben Was brauchen wir?

  1. Eine verbindliche Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für alle Freigängerkatzen. Ohne Ausnahme, ohne Ausreden. Flächendeckend deutschlandweit, nicht nur vereinzelt.
  2. Die verpflichtende Registrierung bei TASSO oder FindeFix. Denn eine Katze ohne Registrierung bleibt eine herrenlose Katze. Auch dies senkt fortlaufend die Kosten der Tierheime. Die Unterbringung und Versorgung einer Fundkatze muss gewährleistet sein. Durch eine Registrierung kann das Tier schneller an die Besitzer zurückgeführt werden.
  3. Eine verlässliche, kommunal gesicherte Grundfinanzierung unserer Tierheime. Keine einmaligen Tropfen auf den heißen Stein, sondern eine dauerhafte Infrastrukturförderung, die Sanierungen, medizinische Versorgung und ausreichend Personal ermöglicht.
  4. Jährliche Zuschüsse für Kastrationsprogramme. Vorbeugen ist billiger, nachhaltiger und menschlicher als ständiges Reagieren.
  5. Eine klare Kommunikation nach außen. Die Bevölkerung muss wissen: Wer Tiere aussetzt, vernachlässigt oder unkastriert frei laufen lässt, schafft Probleme, die am Ende die gesamte Kommune tragen muss

Warum es sich lohnt

Wenn wir jetzt handeln, erreichen wir: weniger Tierleid, geringere Folgekosten für Kommunen, stabile Tierbestände, Entlastung der Tierheime, weniger Beschwerden aus der Bevölkerung, eine nachhaltige Tierschutzstruktur, die Verantwortung ernst nimmt. Wir investieren nicht in Tiere – wir investieren in eine humane, funktionierende Gesellschaft.

Tiere können nicht wählen. Sie können nicht vor einem Rat sprechen. Sie können nicht um Hilfe bitten. Aber wir können es. Und wir müssen es. Die Frage ist nicht, ob wir es uns leisten können, Verantwortung zu übernehmen. Die Frage ist, ob wir es uns leisten können, es nicht zu tun.

Flyer „Tierschutz-Katzenverordnung jetzt!“

Den Flyer „Tierschutz-Katzenverordnung jetzt!“ können Sie kostenfrei telefonisch unter
030 3011162-55 oder per Mail unter shop[at]aktiontier.org bestellen oder hier im Downloadbereich herunterladen.

Projekt Kitty – Hilfe für Straßenkatzen

Das seit 2002 bestehende Projekt Kitty ist Deutschlands erfolgreichstes Straßenkatzen-Hilfsprogramm. Es kümmert sich um verwilderte Hauskatzen durch Kastration, medizinische Versorgung und kontrollierte Fütterung. Bundesweite Kitty-Foren betreuen feste Futterstellen, fangen kranke oder unkastrierte Tiere ein und versorgen sie tierärztlich. In der Kitty-Babystation werden Straßenkatzenbabys sowie trächtige Katzen aufgenommen, versorgt und später vermittelt. Durch Aufklärung und das Engagement vieler Ehrenamtlicher trägt das Projekt nachhaltig dazu bei, Katzenleid zu verringern und unkontrollierte Vermehrung einzudämmen.