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Diabetes mellitus bei Hund und Katze

Auch Vierbeiner sollen mal naschen dürfen: Doch aufgepasst! Zuviel des Guten kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Neben Übergewicht mit all seinen Konsequenzen wie Arthrosen und Herz-Kreislauf-Problemen können Tiere auch an Diabetes mellitus – landläufig „Zucker“ genannt – erkranken.

Foto: Rebecca Schönbrodt Ruehlauf / Lizenz: Pixabay

Ein zuckerkrankes Tier hat in der Regel zu viel Zucker im Blut. Meist deshalb, weil das Hormon Insulin fehlt. Insulin sorgt normalerweise dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Zellen aufgenommen wird. Wenn alles richtig funktioniert, sinkt damit der Blutzuckerspiegel. Fehlt dieses Hormon oder wirkt es nicht richtig, bleibt der Zuckerspiegel hoch und die Körperzellen werden unterversorgt. Dadurch entstehen Schäden an Herz, Leber, Niere und Defekte am Nervensystem. Ohne Behandlung droht einem betroffenen Tier langfristig sogar der Tod.

Man unterscheidet Diabetes Typ I, bei dem ein absoluter Insulinmangel vorliegt, was erbliche Gründe haben kann. Bei dieser Diabetesform hat der Tierbesitzer kaum Einfluss auf die Krankheitsentstehung. Sie kommt bei Hunden relativ häufig vor, bei Katzen eher selten. Anders bei der erworbenen Form, dem Diabetes Typ II. Diese Art der Zuckerkrankheit tritt vor allem bei übergewichtigen Tieren auf, die ständig mehr Kalorien zu sich nehmen, als sie benötigen würden. Nach einigen Monaten schafft es der Körper nicht mehr, soviel Insulin zu produzieren, dass der Blutzuckerspiegel auf das nötige Niveau gesenkt werden kann. Zudem gibt es einige Grundkrankheiten, die einen Diabetes mellitus auslösen können. Dazu gehören beispielsweise Defekte der Schilddrüse oder auch der Bauchspeicheldrüse.

Bei Hunden sind vor allem weibliche Tiere ab einem Alter von sieben Jahren und mehr betroffen. Aufgrund des Zusammenspiels der weiblichen Geschlechtshormone hilft hier manchmal eine Kastration, um das sensible Gleichgewicht wiederherzustellen. Bei Katzen trifft es Kater genauso häufig wie Kätzinnen, meist handelt es sich um übergewichtige Tiere über zehn Jahre. Immerhin jede hundertste Katze bzw. Hund bekommt Diabetes. Unter den Nagetieren sind Degus besonders gefährdet an Diabetes mellitus zu erkranken.

Kein Zucker!

Um der Zuckerkrankheit vorzubeugen, muss beim Tier auf eine artgerechte Ernährung geachtet werden. Sahnetorte und Pralinen gehören nicht auf den tierischen Speiseplan. Aus ganz anderen Gründen dürfen z.B. Schokolade oder Kuchen mit Kuvertüre nicht in den Napf: Kakao enthält Theobromin. 100 mg auf 1 kg Körpergewicht wirken tödlich, d.h. eine Tafel Zartbitterschokolade reicht aus, um einen Chihuahua zu töten, ein paar Stücke, um ihn massiv zu vergiften!

Dicker Mops.

Ob das Tier gut eingestellt oder im besten Fall sogar geheilt werden kann, hängt zum Großteil vom Tierbesitzer ab. Ist er bereit, häufig zu messen und entsprechend zu spritzen und ist er zudem in der Lage, dies auch umzusetzen, stehen die Chancen nicht schlecht für ein langes Tierleben. Doch hierfür braucht auch der Halter einen geregelten Tagesablauf. Im Urlaub muss für eine entsprechende Vertretung gesorgt werden. Letzten Endes benötigt er auch die finanziellen Mittel, um eine derartige Therapie zu stemmen. Hat ein Hund seine Sehfähigkeit durch die Zuckerkrankheit verloren und ist sein Blutzucker schließlich richtig eingestellt, kann sogar die Linse in einem operativen Eingriff entfernt werden, um dem Tier das Sehen wieder zu ermöglichen.

Dr. med. vet. Tina Hölscher

Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

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