Haushunde | Ratgeber Tiermedizin

Die allgemeine Untersuchung

Was soll daran wichtig sein, wird sich manch einer fragen? Wenn ich mit Durchfall zum Tierarzt gehe, hat das Tier was am Darm, ist doch klar! Weit gefehlt. Von einer Lebererkrankung bis zu einer Schilddrüsenüberfunktion kann alles Mögliche der Grund für weiche Stühle beim Hund sein. Nur wenn ein Tier gründlich von vorne bis hinten – und das im wahrsten Sinne des Wortes – untersucht wird, können sich Halter und Tierarzt sicher sein, dass nichts übersehen wurde und die Ursache für die vorliegende Symptomatik wirklich gefunden wird.

Untersuchung der Lymphknoten
Bei einer Tastuntersuchung können z.B. Lymphknoten kontrolliert werden. Foto: Dr. Tina Hölscher

Selbst vermeintlich läppischen tierärztlichen Tätigkeiten wie Impfungen, sollte eine sorgfältige allgemeine Untersuchung vorangegangen sein. Schließlich ist es möglich, dass der Vierbeiner gerade dabei ist, einen Infekt auszubrüten. Man stelle sich vor, jetzt kommt quasi „on top“ noch eine Impfung hinzu, dann ist ziemlich sicher davon auszugehen, dass das Immunsystem zusammenklappt und der Impfling nach der Spritze erstmal so richtig krank wird. So könnte aus Nachlässigkeit genau das Gegenteil von dem erreicht werden, was eigentlich bezweckt werden sollte: nämlich dauerhaft ein gesundes Haustier zu haben.

Was gehört eigentlich zu so einer allgemeinen Untersuchung dazu? Und wie läuft die ab?

Wo der Tierarzt beginnt und in welcher Reihenfolge er die Organsysteme in Augenschein nimmt, dafür gibt es keine festgesetzte Regel. Nur auslassen sollte er nach Möglichkeit nichts.

Zunächst wird meist das Tier in seiner Gesamtheit in Augenschein genommen. So banal es klingt, die Beurteilung des Fells liefert wichtige Hinweise, wie fit ein Organismus ist. Dichtes Haarkleid, anliegend und glänzend, lässt auf ein gesundes Tier schließen. Ist das Fell struppig und verklebt, von Schuppen durchsetzt und stumpf, weiß der geübte Untersucher sofort, hier liegt etwas im Argen. Was genau das ist, kann allein durch Hingucken selten bestimmt werden. Zu groß ist die Variante der möglichen Ursachen. Parasitenbefall bis hin zu einer Nierenerkrankung kann ein zerrupftes Aussehen bedingen.

Bei jedem Tierarztbesuch sollte das Tier gewogen werden. Die Gewichtsentwicklung kann wichtige Aufschlüsse über einen etwaigen Krankheitsverlauf liefern. Unabsichtliche Verluste der Körpermasse müssen den Untersucher wachrütteln. So etwas passiert in unserer Wohlstandsgesellschaft in aller Regel nicht von selbst. Außer der Besitzer hat ganz bewusst versucht, das Körpergewicht seines Lieblings herunterzuschrauben. Auch exorbitante Gewichtszunahmen müssen erkannt werden, um Tierhalter frühzeitig vor den Gefahren des Übergewichtes warnen zu können. Ganz analog zum Menschen können Arthrosen, Fettleber oder auch Herzprobleme die Folge von Übergewicht sein. Besser der Tierarzt erkennt diese Tendenz frühzeitig und es kommt erst gar nicht so weit.

Im Rahmen einer jeden allgemeinen Untersuchung findet eine Auskultation des Herzens statt, d.h. es werden mit einem Stethoskop die Qualität und Frequenz der Herztöne beurteilt. Dabei sollten Nebengeräusche im Untersuchungsraum möglichst vermieden werden. Nur in einer ruhigen Umgebung ist es dem Tierarzt möglich, physiologische Herzgeräusche von krankhaften zu unterscheiden. Neben dem Herzen hört der Untersucher die Lunge beiderseits ab. Dabei werden die Inspiration und die Exspiration, also das Ein- und Ausatmen bewertet.

Darüber hinaus liefert das Abtasten der Lymphknoten im Bereich des Unterkiefers, der Kniekehle und anderer möglicher Erkrankungszonen wichtige Hinweise auf Entzündungen oder schmerzhafte Prozesse. Vergrößerungen dieser Knoten sind fast immer Anzeichen einer ernstzunehmenden Krankheit.

Ein Blick mit dem Otoskop in die Ohren und eine Begutachtung der Augen, Bindehäute und Lider gehören zu einer allgemeinen Untersuchung ebenso, wie das zügige Abtasten des kompletten Tierkörpers auf Umfangsvermehrungen oder sonstige Auffälligkeiten. Besonders im Bereich des Unterbauchs können Organe wie Leber, Nieren, Blase und Darm zumindest teilweise erfühlt werden. Ein kurzer Blick auf Anus und Geschlechtsorgane runden den Eindruck des Untersuchers ab.

Dr. med. vet. Tina Hölscher

Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

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