Pressemitteilung

Durch Läuse auf Linden wird´s klebrig

Wer im Juni oder Juli unter einer Linde parkt, findet anschließend oft ein mit einer klebrigen Schicht überzogenes Fahrzeug vor, an dem Straßenstaub und Pflanzenteile haften.

Durch Honigtau verklebte Sicht. Foto: © Ursula Bauer

Auch Gehwege, Straßen und die Blätter der Bäume fühlen sich klebrig an. Kein Wunder: Bei dem Belag handelt es sich um sogenannten Honigtau, der neben Wasser vor allem aus verschiedenen Zuckerarten wie Saccharose, Fructose und Glucose besteht.

Klebrige Zeiten unter Linden im Juni-Juli. Foto: © Ursula Bauer

Verursacher dieses zeitgleich mit der Lindenblüte auftretenden Zuckerregens ist die Lindenblattlaus (Eucallipterus tiliae). Sie besiedelt die Blattunterseiten und saugt Pflanzensaft, der zwar reich an Zucker, aber arm an Eiweiß ist. Da Eiweiß für die Blattläuse lebensnotwendig ist, müssen sie große Mengen Pflanzensaft aufnehmen, um ihren Bedarf zu decken. Den überschüssigen Zucker scheiden sie anschließend größtenteils wieder aus. Im Grunde tropft also zuckriges „Läuse-Pipi“ von den Linden und überzieht Autos, Gehwege und Blätter mit einem pappigen Film.

Lindenblattlaus, Eucallipterus tiliae. Foto: © Tomasz Klejdysz, iStock

Im Juni/Juli wächst die Blattlauspopulation stark an. Das reichhaltige Nahrungsangebot schafft ideale Bedingungen für die Vermehrung. Die Hauptmenge des Honigtaus stammt von den ungeflügelten Läusen, die in großen Kolonien auf den Blattunterseiten sitzen und nahezu ununterbrochen Pflanzensaft saugen. Sie sorgen für das schnelle Wachstum der Population. Wird der Platz knapp oder verschlechtern sich die Lebensbedingungen, entwickeln sich bei einem Teil der Tiere Flügel. Damit können sie davonfliegen und neue Nahrungsquellen finden. 

Die Lindenblattlaus ist monophag. Das bedeutet, sie nutzt ausschließlich Lindenarten als Nahrungspflanze. Gesunde Linden werden durch den Lausbefall in der Regel nicht nachhaltig geschädigt. Mitunter kommt es zu leichten Blattverformungen oder einem stressbedingten vorzeitigen Laubabwurf. Deutlich stärker setzen den Stadtbäumen jedoch Hitze- und Trockenperioden infolge des Klimawandels, Bodenverdichtung, zu kleine Baumscheiben sowie Schadstoffe wie Tausalz, Hunde-Urin und Reifenabrieb zu.

Viele Tiere freuen sich über die zuckrigen Läuse- Ausscheidungen. Ameisen, Schwebfliegen, Wespen, Bienen und Hornissen lecken energiereichen Honigtau von den Lindenblättern und decken damit ihren hohen Energiebedarf.

Für Autofahrer ist dieses natürliche Phänomen jedoch vor allem eines: ärgerlich. Ihnen bleibt nur, auf den nächsten Regenschauer zu hoffen oder die Waschstraße anzusteuern.

weitere Informationen bei:

Ursula Bauer

Diplom-Biologin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

aktion tier e.V.
Jüdenstr. 6
13597  Berlin
Berlin

Tel.: +49 30 30 111 62 30
E-Mail: berlin[at]aktiontier.org
Website: http://www.aktiontier.org