Ratgeber Tiermedizin

Flohbefall bei Haustieren – Symptome, Risiken und effektive Bekämpfung

Sich einen Floh einzufangen, ist ein Leichtes. Kurz schnuppert der Vierbeiner am Igel oder es erfolgt ein rasches Meeting mit der etwas verwahrlosten Nachbarskatze und schon ist es passiert. Der Floh wechselt vom fremden Wirt auf unser Haustier und richtet sich ein. Wenn der Lästling dann auch noch das Glück hat, gleich mit nach Hause genommen zu werden, macht er es sich direkt in der neuen Umgebung gemütlich.

Flöhe verursachen starken Juckreiz. Symbolbild: KI generiert
Flöhe verursachen starken Juckreiz. Symbolbild: KI generiert

Der frisch eingezogene Untermieter kann sich nun in aller Ruhe vermehren. Denn bis dem Besitzer auffällt, dass sich sein Haustier immer öfter kratzt, vergehen in der Regel einige Tage. Die Flöhe selbst sieht man gar nicht so leicht. Sie leben direkt auf der Haut und versuchen sich gut zu verstecken. Fakt ist aber also, ein Flohbefall hat rein gar nichts mit Unsauberkeit zu tun. Selbst im reinlichsten Haushalt kann die Etablierung einer Flohpopulation ratzfatz erfolgen. Eine einzige unglückliche Begegnung mit einem anderen Tier, das von dem Parasiten befallen ist, und schon hängt man selbst in dessen Fängen.

Dabei ist wichtig zu wissen: Flöhe sind nicht nur lästig, sondern tatsächlich gefährlich.

Ctenocephalides felis, Weibchen.
Ctenocephalides felis, Weibchen. Foto: Katja ZSM, CC BY-SA 3.0

Flöhe sind in der Lage, Bandwürmer zu übertragen und können fiese Infektionen auslösen.

Daher sollte nach jeder erfolgreichen Flohbekämpfung immer eine Entwurmung folgen. Außerdem kann ein Flohbefall eine Allergie auslösen. Manche Haustiere reagieren auf den Flohspeichel allergisch. Ihr Immunsystem spielt verrückt, sobald es mit dem Flohspeichel in Berührung kommt. Der Juckreiz ist in diesen Fällen so ausgeprägt, dass das betroffene Tier nach einem Biss kaum mehr zur Ruhe kommt. Und selbst, wenn der Besitzer schnell reagiert und den Flohbefall mit effektiven Mitteln bekämpft, ist das Problem noch nicht behoben. Denn auch, wenn schon kein Floh mehr am Tier ist, jucken die Bissstellen weiterhin. Man kann die Situation mit einem Mückenstich vergleichen. Der juckt auch noch, obwohl die Mücke längst das Weite gesucht hat. Der anhaltende Juckreiz ist nicht nur für das Tier unangenehm, sondern das ständige Kratzen birgt auch Risiken in sich. Leicht können Keime in die aufgekratzte Haut eindringen und eine bakterielle Infektion auslösen, die unter Umständen mit Antibiotika behandelt werden muss.

Doch da es viele Gründe geben kann, warum Juckreiz auftritt, muss zunächst abgeklärt werden, ob tatsächlich ein Flohbefall vorliegt. Dazu gibt es vornehmlich zwei Möglichkeiten. Zum einen können Menschen mit scharfem Blick die Flöhe mit bloßem Auge als kleine hüpfende oder kriechende längliche braune Insekten erkennen. Dies gelingt in der Regel gut bei massivem Befall. Zum anderen hinterlassen Flöhe Spuren. Ihren Kot findet man vorzugsweise unter den Achseln, im Bauchbereich und zwischen den Hinterbeinen des befallenen Tieres. Es handelt sich dabei um kleine braune Krümel, leicht zu verwechseln mit Dreck aus Feld und Wald. Um den Flohkot von Schmutz aus der Umwelt zu unterscheiden, legt man die Brösel in ein feuchtes Taschentuch und drückt dieses zusammen. Bildet sich um die Krümelchen ein rötlicher, brauner Saum, befindet sich tatsächlich Flohkacke im Tuch. Die Verfärbung am Rand der Partikel kommt durch Blutreste in den Ausscheidungen der Parasiten zustande.

Links ausgekämmter Flohkot; rechts rötliches Auswischen des befeuchteten Flohkotes.
Links ausgekämmter Flohkot; rechts rötliches Auswischen des befeuchteten Flohkotes. Foto: Kalumet, CC BY-SA 3.0

Effektive Bekämpfung von Flohbefall: Maßnahmen für Tier und Umgebung

Ist der Beweis eines Befalls erst erbracht, muss zum Angriff geblasen werden und zwar an allen Fronten. Damit sind vornehmlich zwei Einheiten gemeint. Zum einen das unter dem Parasiten leidende Tier, zum anderen die Umgebung, in der sich der Vierbeiner aufhält.

Shampoos und Puder als einzige Behandlungsmethode reichen in der Regel nicht aus, um dem Parasiten den Garaus zu machen. Um das Haustier von seinem Ärgernis zu befreien, bedarf es leider der chemischen Keule. Es handelt sich dabei um Präparate, die auf die Haut aufgeträufelt oder als Tablette oder Injektion verabreicht werden. Einmal im Tierkörper angekommen, töten sie den Floh nach der Blutmahlzeit ab. Zudem muss zwingend der gesamte häusliche Bereich, in dem sich der Vierbeiner aufhält, gründlich gereinigt werden. Um die Bedeutung dieser Maßnahme zu begreifen, muss man wissen, dass nur etwa ein Fünftel der gesamten Flohpopulation auf dem Tier lebt. Alle übrigen Plagegeister halten sich in Betten, langfaserigen Teppichen, Polstermöbeln und Decken auf. Daher gilt nun „Ärmel hoch“! Alles Waschbare gehört bei mindestens 60°C in die Waschmaschine. Der Staubsauger ist ebenso gefordert. Er darf jetzt Höchstleistungen erbringen. Jede Ritze muss abgesaugt werden. Nach jedem Saugen sollten die Beutel entleert werden. Ansonsten kann sich der Floh dort weiter entwickeln. Zusätzlich können Vernebler – sogenannte Fogger – und Sprays mit Insektiziden zum Einsatz kommen. Dabei sollte auf Umweltverträglichkeit und die Anwesenheit von Kindern geachtet werden.

In der Summe heißt es, wachsam sein. Denn je früher man Flohbefall bekämpft, desto leichter stellt sich der Erfolg ein. Denn bei aller Tierliebe – wer mag schon seinen Haushalt mit diesen Kleinstbewohnern teilen?

Nicht zuletzt springen die Übeltäter auch ab und an auf den Menschen über. Der beobachtet dann auf seiner Haut einige rote, stark juckende Pünktchen an den eigenen Beinen oder Unterarmen. Ein deutlicher Hinweis auf den Befall seines tierischen Mitbewohners. Doch Menschen haben Glück. Sie sind ein Fehlwirt und damit nur eine Zwischenstation für den Floh. Merkt der, dass er hier falsch ist, verabschiedet er sich schnell wieder und macht sich auf den Rückweg zum Vierbeiner.

Dr. med. vet. Tina Hölscher

Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.