Hauspferde

Gewinnen um jeden Preis? - Tierqual bei Olympia

Höher, weiter, schneller … der olympische Gedanke spornt an. Doch das, was im August 2021 bei den Olympischen Spielen in Tokio während des sogenannten 5-Kampfs des Reitturniers passierte, lässt sich nur schwer verstehen.

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Auf dem Springreitparcours des 5- Kampfs während der Olympischen Spiele in Tokio spielten sich dramatische Szenen ab, als die deutsche Olympia-Teilnehmerin Annika Schleu mit dem ihr zugeteiltem Pferd „Saint Boy“ schlussendlich vollkommen überfordert war. Die Szenen waren schwer zu ertragen, schlug sie in ihrer Verzweiflung, die Gold-Medaille vor Augen, mit der Gerte immer und immer wieder auf das völlig verängstigte Pferd ein und haute mit ihren Sporen fortwährend in den Bauch des Tieres, das sich mit weit aufgerissenen Augen und in Panik schlicht weigerte, über die Hindernisse zu springen.

Für großes Entsetzen sorgte auch die Reaktion der Bundestrainerin Kim Raisner, die mit Kommentaren wie „Hau drauf! Hau richtig drauf“, begleitet von einem Fausthieb auf das Pferd, die Situation noch anheizte. Annika Schleu musste am Ende Medaillenlos das Turnier verlassen, und Kim Raisner musste aufgrund der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) das olympische Gelände verlassen.

Man fragt sich, weswegen die Turnierrichter nicht entschieden haben, das Pferd aus dem Turnier herauszunehmen. Besser noch wäre es gewesen, die Reiterin Annika Schleu wäre von sich aus abgestiegen, hätte das Pferd vom Platz geführt und auf den Fortgang des Turniers verzichtet.

Sollte nicht der gesamte Turnierreitsport überdacht werden?

Pferde sind hochsensible Tiere, und es braucht Zeit, bis Mensch und Tier sich miteinander bekannt gemacht haben, um vor allen Dingen Vertrauen aufzubauen. Für die Disziplin innerhalb des 5-Kampfs leiht sich der Turnierstall Pferde aus, oftmals aus Polen, da Privatpferdebesitzer verständlicherweise nicht bereit sind, ihre Pferde für derartige Veranstaltungen auszuleihen. Der durchaus nachvollziehbare Ehrgeiz der Sportler, schließlich gilt es zu gewinnen, stresst ohnehin, und wenn dann noch ein offenbar nervöses und von der Situation überfordertes Pferd zugeteilt wird (das Pferd Saint Boy hatte nämlich schon zuvor Hindernisse verweigert), dann eskaliert alles.

Der Weltverband UIPM entschied am 4. November 2021 in einer Vorstandssitzung in Monaco, dass der Moderne Fünfkampf künftig ohne Reitsport ausgetragen wird. Ob als neue Disziplin der Radsport komme, ist noch nicht bestätigt. In Kraft tritt diese Änderung aber erst im Jahr 2028 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles.

Laut einer Mitteilung des Weltverbandes der Modernen Fünfkämpfer (UIPM) hat der Disziplinarausschuss des Weltverbandes die Bundestrainerin Kim Raisner angewiesen, ein Trainingsseminar zum richtigen Umgang mit Pferden zu absolvieren. Erst dann kann sie sich als Trainerin für einen UIPM-Wettkampf wieder akkreditieren. Darüber hinaus hat sie einen offiziellen Verweis erhalten und muss mit dem Entzug ihrer Trainer-Lizenz rechnen, sollte sich ein derartiger Vorfall wiederholen. Die Turnierreiterin Annika Schleu wurde freigesprochen.

Das Pferd Saint-Boy konnte sich in seinem Zuhause in der japanischen Präfektur Shiga erholen.

Tierliebe und Tierschutz stehen beim Reitsport hinten an.

Pferde sind keine Sportgeräte, die dazu missbraucht werden dürfen, um einem letztlich völlig unwichtigen Stück Edelmetall hinterher zu eifern.

Alexandra Pfitzmann

Redaktion "mensch & tier"

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