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Tipps zum Schutz unserer Meere und Korallen – Gefahr in Sonnenschutzprodukten

Für viele Menschen ist es die schönste Zeit des Jahres: Urlaubszeit! Aufgrund der Pandemie war das Reisen nicht, bzw. nur eingeschränkt möglich. Viele Länder verhängten ein komplettes Einreiseverbot, und aufgrund von vielen Quarantänebestimmungen war eine Urlaubsplanung im Regelfall einfach nicht möglich.

Sprühflaschen sind übrigens grundsätzlich nicht zu empfehlen, da beim Auftragen viel in die Luft gesprüht und frei im Raum verteilt wird.
Sprühflaschen sind übrigens grundsätzlich nicht zu empfehlen, da beim Auftragen viel in die Luft gesprüht und frei im Raum verteilt wird. Foto: AdobeStock_travnikovstudio

Nun sind wir in Deutschland im Wintermodus, es ist kalt draußen, und so richtig lange hell ist es auch nicht. Da nun mittlerweile die meisten Menschen durchgeimpft sind, und auch viele Länder entsprechende Lockerungen zulassen, kommt dem einen oder anderen in den Sinn, mal wieder in die Ferne und Wärme zu reisen. Bikini und Badehose werden hervorgekramt, und ab geht es in die Sonne, um entspannte Tage am Meer zu genießen und Vitamin D zu tanken.

Wer in den Wintermonaten die Wärme und den Urlaub am Strand sucht, für den kommen Destinationen wie zum Beispiel Ägypten, Thailand, Indonesien, Florida in den USA oder die Karibik in Frage. Da ist es nämlich zu unserer Winterjahreszeit herrlich warm und sonnig. Und wenn man da so am Strand liegt, möchte man sich vor der für die Haut schädlichen UV-Strahlung der Sonne schützen. Gut, dass es Sonnenschutzprodukte gibt – da soll man ja nicht sparsam sein, erklären Dermatologen.

Handelsübliche Sonnenschutzprodukte bergen Gefahren für die Umwelt

Im Discounter sieht man oft die Sonderangebote der Sonnenschutzprodukte im Regal, gleich drei zum Preis von zweien. Es gibt die Sonnencremes zum Sprühen, als Creme, als Gel oder Öl und in allen Größen und mit Schutzfaktoren von 0-50, normal oder wasserfest, mit Glanzpartikeln oder schon getönt. Für was auch immer sich der Kunde entscheidet – spätestens beim ersten Bad im Meer fällt bei genauerem Hinsehen auf, dass auf der Wasseroberfläche ein leichter Ölfilm schwimmt. Verstärkt tritt dieser Ölfilm natürlich auf, wo sich viele Menschen mit Sonnenschutz auf der Haut gleichzeitig im Wasser befinden. Das kann doch nicht ohne Konsequenzen bleiben, oder?

Gerade an den Küsten von Ägypten, Indonesien oder auch in der Karibik gibt es viele vorgelagerte Korallenriffe. Korallen sind wunderschön anzusehen, sind aber eben auch hochempfindlich, wenn es um Veränderungen in ihrem Lebensraum geht. Eine Studie italienischer Wissenschaftler erbrachte, dass verschiedene UV-Filter, die in Sonnenschutz-Produkten enthalten sind, zu einer regelrechten Korallenbleiche führen können und generell Korallen schädigen, weil sich der ölhaltige Film auch auf den Korallen selbst ablegt.

Neben Mikroplastik enthalten viele Sonnenschutzprodukte synthetische Polymere, die beim Baden ins Wasser gelangen und dort verbleiben. Polymere sind hochmolekulare chemische Verbindungen (Makromoleküle).

Korallen bestehen in sich aus dem Zusammenschluss vieler kleiner Lebewesen.

Das was beispielsweise Taucher unter Wasser bei Korallen sehen, ist eine Kolonie aus vielen winzigen Korallenpolypen, und in jeder dieser Polypen lebt eine bestimmte Algenart, die auch für die hübsche Farbgebung der Korallen zuständig ist. Und weil sich die Alge auf der Koralle niederlassen darf, ernährt sie die Koralle mit ihren wichtigen Mineralstoffen. Eine gut funktionierende Symbiose, die aber dann zerstört wird, wenn es zu einer Korallenbleiche kommt, da dann die Korallenpolypen die Algen abstoßen. Dann sterben die Korallen und werden farblos.

Korallenriffe gehören zu den ältesten Ökosystemen der Erde und bieten den Lebensraum für ein Viertel aller Meerestiere und -pflanzen. Sie brauchen Hunderte von Jahren, um zu einem Riff zu wachsen, weswegen der Verlust immens hoch ist.

Wer sich in der Sonne aufhält, soll sich aber vor schädlichen UV-Strahlen schützen.

Man muss hier zwischen zwei verschiedenen UV-Filter der Sonnenschutzprodukte unterscheiden:

  • Es gibt organische (chemische) UV-Filter, die durch Octinoxat, Octocrylen und Oxybenzon UV-Licht absorbieren und dieses in Licht oder Wärme umwandeln, um es unschädlich zu machen. Diese Art Filter sind in den meisten Sonnenschutz-Produkten enthalten.
  • Dann gibt es die mineralischen UV-Filter, die mittels Zinkoxid und Titandioxid UVStrahlen auf der Haut reflektieren. Diese Filter finden sich in der Regel in der Naturkosmetik oder in Produkten für Kinder.

Vor allem Octocrylen zerstört Korallenpolypen und verhindert eine neue Ansiedlung von Korallenlarven, weswegen sich ein einmal geschädigtes Korallenriff meist nicht mehr erholt. Aber auch andere Meeresbewohner werden in ihrem Lebensraum geschädigt, wie zum Beispiel der durch den Film „Nemo“ bekannt gewordene Clownfisch, Shrimps, Seegurken oder Zebrafische. Octocrylen steht zudem im Verdacht krebserregend zu sein. Vergessen darf man auch nicht, dass die Stoffe auch in unsere Nahrungskette gelangen können, wenn Fische, die der Mensch verzehrt, die chemischen Filter aufnehmen. Diese können im Endeffekt Auswirkungen auf unseren Hormonhaushalt haben.

Was das Mikroplastik betrifft, achten Sie bitte darauf, dass die Kunststoffe Polyethylene oder Hexadecene Copolymer oder auch Silikone sowie Mineralöle wie Petrolatum nicht zu den Inhaltsstoffen gehören.

Bis zu 14.000 Tonnen Sonnencreme gelangen jedes Jahr ins Meer.

Das hätten Sie jetzt nicht gedacht, oder? Umso wichtiger ist es daher, vor dem nächsten Urlaub am Meer zu prüfen, was für ein Sonnenschutzprodukt man eigentlich gekauft hat. Bitte achten Sie unbedingt darauf, dass die Filter Oxybenzon, Homosalat, Octisalat und Octocrylen nicht enthalten sind. Stattdessen gibt es Sonnenschutzprodukte, die umweltfreundlich produziert werden, mit den bereits genannten mineralischen Filtern, Zinkoxid und Titandioxid. Diese sind biologisch abbaubar. Einziger Wehrmutstropfen ist, dass die meisten umweltfreundlich produzierten Sonnenschutzprodukte beim Auftragen einen weißen Film auf der Haut hinterlassen und bei Kontakt mit Textilien diese auch unschön einfärben. Lassen Sie sich also einfach ein bisschen mehr Zeit beim Eincremen, und warten Sie einen Moment bis wirklich alles gut eingezogen ist.

Schnell einziehende Sonnencremes, etwa bei vielen sogenannten Sportsonnencremes, enthalten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einen chemischen UV-Filter und einen hohen Anteil an Mikroplastik. Grundsätzlich sollte man darauf verzichten, direkt nach dem Eincremen ins Wasser zu gehen, auch wenn es sich um wasserfeste Sonnenschutzprodukte handelt.

Nachhaltige Sonnencremes haben den Hinweis:

Frei von Octinoxat und Oxybenzon und allen anderen schädlichen Substanzen.

Der Pazifikstaat Palau nördlich von Indonesien hat als erstes Land der Welt den Gebrauch von Sonnenschutzprodukten mit Octocrylen verboten. Hawaii, die Virgin Islands und die Insel Key West in Florida in den USA verbieten Cremes, die z.B. Oxybenzon, Octinoxat oder Octocrylen enthalten. In einigen touristischen Hotspots Mexikos kann es zu individuellen Verboten kommen. Wer eine Sonnencreme mit dem UV-Filter Octocrylen im Koffer hat, muss dann mit einer Beschlagnahme und saftigen Strafen rechnen.

Verschiedene Länder untersagen bereits den Gebrauch von Sonnenschutzprodukten mit schädlichen Inhaltsstoffen.

Es gilt natürlich immer zu bedenken, dass alles, was wir als einzelne Menschen tun, um unsere Umwelt zu schützen, immer nur ein kleines Bisschen ist. Aber wir sollten gewillt sein, dieses kleine Bisschen zu unternehmen, denn wenn wir das alle machen, kann es am Ende doch viel werden.

Korallen sind wunderschön anzusehen, sind aber eben auch hochempfindlich.
Korallen sind wunderschön anzusehen, sind aber eben auch hochempfindlich, wenn es um Veränderungen in ihrem Lebensraum geht. Foto: AdobeStock_Kjersti

Vitamin D ist wichtig und tut gut.

Wer ein Sonnenbad genießen möchte, sollte die ersten 10-15 Minuten ohnehin auf einen Sonnenschutz verzichten (Allergiker und Menschen mit Hauterkrankungen natürlich ausgenommen). Nur dann kann die ganze „Dosis“ Vitamin D aufgenommen werden. Von ausgiebigen und mehrstündigen Aufenthalten in der Sonne ist ohnehin abzuraten. Insofern kann man bereits hier eine kleine Menge Sonnenschutzprodukte einsparen und tut der Umwelt auch etwas Gutes. Oder aber man bleibt im Schatten – auch hier bekommt man einen schönen Teint.

Alexandra Pfitzmann

Redaktion "mensch & tier"