Plastik | Nachhaltig leben und einkaufen

Tod aus dem Supermarkt

Ein falsch ausgezeichnetes Verbrauchsdatum, falsch oder fehlerhaft deklarierte Inhaltsstoffe, Verunreinigungen durch Fremdkörper oder Befall durch Keime – die Liste der Lebensmittelskandale ist lang und reicht sehr weit zurück. Regelmäßig sorgen nicht nur Produktrückrufe der Hersteller, sondern auch Warnungen von Verbraucherschützern aufgrund von Studien und Untersuchungen für Aufregung. In den allermeisten Fällen sind Fleisch oder Wurstwaren, Milch oder Eier, also Produkte tierischen Ursprungs betroffen.

Immer wieder werden verunreinigte Produkte zurückgerufen. Foto: Jan Peifer

Die Gefahr von Keimen bzw. mikrobiologischer Verunreinigung ist hier besonders hoch. Für Aufsehen sorgte etwa eine Untersuchung von Hühnerfleisch in deutschen Supermarktketten durch unabhängige Experten im letzten Jahr. Mehr als jede zweite Probe wies dabei antibiotikaresistente Keime auf, jede dritte Probe trug Keime, die auch gegen Reserveantibiotika resistent waren. In jeder fünften Probe konnten sogar mehrfache Resistenzen nachgewiesen werden. Solche resistenten Keime können für den Verbraucher lebensgefährlich werden, wenn dieser sie mit der Nahrung aufnimmt und wenn benötigte Medikamente nicht mehr anschlagen.

Gefährlich sind aber nicht nur die resistenten Keime, sondern auch Bakterien wie Listerien oder Salmonellen. Insbesondere bei Kindern und älteren Personen oder Schwangeren kann die Aufnahme lebensgefährliche Folgen wie Blutvergiftungen oder Hirnhautentzündungen haben. So sind Anfang 2019 mindestens drei Menschen nach dem Verzehr belasteter Fleischbällchen gestorben, die in zwei Supermarktketten verkauft wurden. Der Verkauf der Produkte wurde nach Bekanntwerden sofort gestoppt. Gerade Listerien und Salmonellen jedoch werden sehr häufig gefunden, da besonders Eier und Geflügelfleisch oft belastet sind.

Ärzte schätzen, dass es pro Jahr allein in Deutschland zu 1.000 bis 4.000 Todesfällen aufgrund resistenter Keime kommt.

Etwa 60.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an einer Infektion mit Salmonellen.

Die Warnungen vor belasteten oder verunreinigten Lebensmitteln werden nicht nur gefühlt immer mehr. Im letzten Jahr veröffentlichte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Zahlen, die in den letzten Jahren immer weiter anstiegen. Bis November hatte das Bundesamt mit 183 Meldungen nur drei Warnungen weniger als im gesamten Jahr zuvor herausgegeben, am häufigsten betroffen waren auch 2019 Fleisch oder Wurstwaren, gefolgt von Milch und Molkereiprodukten. Nicht nur Krankheitserreger gelangen durch fehlende Kontrollen und mangelnde Hygiene in Lebensmittel. Auch Fremdstoffe wie Plastik, Metall oder Glassplitter finden immer wieder einen Weg in die Produktion und so in die Konsumgüter.

Alle diese Verunreinigungen sind eine Folge der Industrialisierung in der Nahrungsmittelproduktion. Gleichzeitig zeigen sie aber auch: Nicht nur das Tierwohl spielt im großen Stil keine Rolle, auch mit der Gesundheit der Verbraucher wird nicht verantwortungsvoll umgegangen. Zwar werden die meisten Fälle von den Produzenten „lediglich“ in Kauf genommen, aber auch aus Vorsatz gelangen immer wieder Produkte in Umlauf, die für den menschlichen Verzehr nicht geeignet sind. Die bekanntesten Fälle haben als umetikettierte Schlachtabfälle und Gammelfleisch für Schlagzeilen gesorgt; auch hier ging es wieder um Fleisch. Keine tierischen Produkte mehr zu kaufen bietet zwar keinen hundertprozentigen Schutz vor verunreinigten Lebensmitteln. Fast alle Lebensmittel in unseren Supermärkten werden industriell hergestellt oder verarbeitet, durch viele verschiedene Arbeitsschritte entstehen Schwachstellen für die Produktsicherheit.

Wer auf tierische Produkte verzichtet, senkt das Risiko erheblich, mit Krankheitserregern in der Nahrung in Berührung zu kommen; insbesondere gilt das für die antibiotikaresistenten Keime.

Besonders der Wursthersteller Wilke ist massiv in die Kritik geraten.

Falsch deklariertes oder verdorbenes Fleisch spielt für die pflanzliche Ernährung ohnehin keine Rolle. Dabei ist ein deutlich sichereres Einkaufen im Zuge einer pflanzlichen Ernährung nicht der einzige Vorteil. Denn das gute Gewissen, an der Ausbeutung und Quälerei von Tieren für die Fleischproduktion keinen Anteil zu haben, ist sicher der größte Gewinn für den verantwortungsbewussten Verbraucher.

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