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¡Viva España! Allez les bleus! – Mehr Rechte für Tiere

Es tut sich etwas in Europa. Zwei Länder haben Tieren in vielen Bereichen deutlich mehr Rechte zugesprochen. Sowohl Frankreich als auch Spanien setzen sich für mehr Tierschutz ein, wenn um Haus- und Wildtiere geht.

 Privat gezüchtete Hunde auf einem Markt.
Nur registrierte Züchter dürfen künftig Tiere züchten und verkaufen. Privat gezüchtete Hunde wurden bislang gerne auch auf Märkten verkauft. Foto: Alexandra Pfitzmann

Bislang galten in Spanien Haustiere und Wildtiere als „Objekte“. Ca. 200.000 Haustiere werden jedes Jahr ausgesetzt, viele missbraucht oder vernachlässigt. Am 6. Oktober 2021 beschloss das spanische Parlament der sozialistischen Regierung mit großer Mehrheit, dass Tiere nunmehr mit Familienmitgliedern gleichgestellt werden und somit als „fühlende Wesen“ gelten. Das Aussetzen von Tieren ist mit diesem Gesetz offiziell verboten und kann streng geahndet werden. Während Haustiere bislang im Fall von Trennungen oder Scheidungen der Besitzer oftmals wie ein altes Möbelstück ohne gesetzliche Folgen „entsorgt“ wurden, müssen künftig in solchen Fällen auch die Interessen von Tieren gewahrt werden. Diese Gesetzesänderung lag als Vorschlag bereits 2017 auf dem Tisch und wurde nun endlich vom Abgeordnetenhaus abgesegnet. Frühestens tritt das Gesetz Ende 2022 in Kraft.

Die private Zucht von Haustieren ist in Spanien künftig untersagt

Nur registrierte Züchter dürfen züchten und Tiere verkaufen. Die Zucht von einheimischen Wildtieren, inklusive von Meerestieren, ist untersagt, auch der Handel mit diesen oder ihren Erzeugnissen (etwa Felle). Bis auf Aquarienfische ist der Verkauf von Haustieren in Zoohandlungen ab 2024 verboten. Delfinarien und Zoos dürfen nur bedrohte Arten züchten oder erwerben.

Verbot der Haltung von Wildtieren

Tierarten, die aufgrund internationaler, staatlicher oder regionaler Vorschriften geschützt sind, dürfen nicht privat gehalten werden, wenn die Privathäuser und/ oder das Gehege nicht artgerecht und ordnungsgemäß eingezäunt sind. Wildtiere im Zirkus sind verboten, auch weitere „Belustigungen“ bei Volksfesten wie Taubenschießen, das Aufhängen von Tieren, das Traktieren von Tieren mit Stacheln, Fackeln oder elektrischen Geräten.

Nationales Tierschutzregister

Haustiere werden nach dem neuen Gesetz in ein Tierschutzregister eingetragen. Damit soll auch der Wohnort des jeweiligen Tieres festgehalten werden. Zudem soll es eine Liste derjenigen Personen geben, denen die Tierhaltung untersagt ist.

Katzenkolonien

Unter besonderem Schutz sollen die vielen Katzenkolonien stehen, um die sich meist Ehrenamtliche kümmern, sofern die Katzen eingefangen, kastriert und wieder freigelassen werden.

Betreute Katzenkolonie in Spanien
Betreute Katzenkolonien in Spanien sollen künftig unter besonderem Schutz stehen. Foto: Alexandra Pfitzmann

Künftige Regeln in Spanien für Haustierbesitzer

  • Jeder potentielle Haustierbesitzer muss beim Erwerb oder bei Übernahme eines Tieres eine neue Verpflichtungs- und Einverständniserklärung unterschreiben und an die für die Bearbeitung zuständige Behörde senden. Der potentielle Haustierbesitzer hat dann eine 7-Tage-Frist, um seine Entscheidung zu überdenken.
  • Hundebesitzer müssen bei Anschaffung eines Hundes einen Kurs absolvieren, um über den verantwortungsvollen und artgemäßen Umgang mit dem Tier zu lernen.
  • Weiterhin ist es ab 2024 verboten, Hunde und Katzen in Zoohandlungen zu verkaufen.
  • Der Online-Verkauf von Haustieren wird mit Ausnahme von registrierten Züchtern und zugelassenen Tierhandlungen vollständig verboten.
  • Hunde dürfen nicht länger als 24 Stunden, andere Haustiere nicht länger als 72 Stunden alleine gelassen werden.
  • In öffentlichen Räumen dürfen Hunde sich nicht unbeaufsichtigt aufhalten.
  • In geschlossenen Fahrzeugen (bei Hitze oder Kälte), auf Terrassen, Innenhöfen oder Kellern dürfen Hunde nicht sich selbst überlassen werden.
  • Kann ein Haustier aufgrund seiner Art oder Größe nicht innerhalb der Familie leben, ist für eine angemessene und artgemäße Unterkunft zu sorgen, die Pflege und Hygiene gewährleistet.
  • Die Liste der sogenannten „Kampfhunde“ wird gestrichen, da ein Hund individuell und nicht nach Rasse beurteilt werden muss.

Ein kleiner Fortschritt für den Tierschutz auch in Frankreich

Auch in Frankreich wurde Ende 2021 ein neues Gesetz im Kampf gegen Tierquälerei verabschiedet. So sind bis zum Jahr 2028 Wildtiere in Wanderzirkussen verboten. Was nach 2028 geschieht, steht noch in den Sternen. Vielleicht läuft es darauf hinaus, dass Zirkusbetreiber ihre Tiere zwar behalten, sie aber nicht mehr der Öffentlichkeit präsentieren dürfen. Gleichzeitig soll dem Tierwohl bei Wildtieren in Gefangenschaft deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Besonders gute tierische Nachrichten gibt es für Delfine und Orcas.

Delfin- und Orca Shows sind in Frankreich ab 2026 verboten. Ebenfalls dürfen Tiere nicht mehr im Rahmen eines anderweitigen „Showprogramms“, etwa bei privaten Veranstaltungen oder in Fernsehshows gezeigt werden. Das Zähmen von Wölfen und Bären sowie die Zucht von amerikanischen Nerzen und weiteren Wildtieren zur Pelzgewinnung werden vollständig verboten.

Es wurden höhere Strafen im Fall der Misshandlung von Tieren beschlossen, und es gelten bei einer Haustieranschaffung bzw. beim Verkauf von Haustieren strengere Regeln und Beschränkungen, um Impulskäufen entgegenzuwirken.

Bis zu fünf Jahre Gefängnis drohen bei Tiermisshandlungen.

Die neue französische Gesetzgebung greift künftig sehr viel härter durch, wenn es um die Misshandlung von Tieren geht. Die Höchststrafe liegt bei fünf Jahren Gefängnis mit einer zusätzlichen Geldstrafe in Höhe von 75.000 Euro. Im französischen Schulunterricht ist zudem geplant, das Thema Tierschutz und den richtigen Umgang mit Haustieren mehr zu integrieren.

In Frankreich sind zurzeit 850 Zirkustiere, 21 Delfine, vier Orcas und fünf Bärentrainer registriert.

Stierkampf passt hier nicht ins Bild …

Ein nächster wünschenswerter Schritt wäre das Verbot des Stierkampfs. Während auf den Kanaren auf das Töten des Stieres in der Arena verzichtet wird, finden im Rest von Spanien noch immer Stierkämpfe statt, bei denen der Stier nach brutalem Malträtieren durch den Torero und seinen „picadores“, den Reitern, durch den bis zu 88 Zentimeter langen Degen getötet wird, der dem Stier von oben möglichst bis zum Heft zwischen die entblößten Schulterblätter des Stiers gestoßen wird, um das Herz oder die Aorta zu verletzen.

Stierkampf findet leider noch immer in vielen Städten Spaniens und Frankreichs
Der Stierkampf findet leider noch immer in vielen Städten Spaniens und Frankreichs statt. Foto: lino9999/Pixabay

Alexandra Pfitzmann

Redaktion "mensch & tier"

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