Tierrettung München | Ratgeber Tiermedizin

Vorsicht, Vergiftungsgefahr!

Es war spät am Abend im Dienst, und das Telefon klingelte. Eine Frau stellte sich zögerlich und leise vor, kam dann aber zur Sache: „Unser Hund hat Haschischkekse gefressen“.

Judit Tymko arbeitet als Tierärztinbei der Tierrettung München.

Ich brauchte paar Sekunden, um zu überlegen ob ich tatsächlich das Wort „Haschisch“ gehört habe. Und welcher Wirkstoff ist es nochmal? Immerhin, es gehört nicht zu den üblichen Verdächtigen unter den Giftstoffen bei Haustieren. Haschisch ist das Harz der Cannabisblüten mit den psychoaktiven Stoff THC (delta-9- Tetrahydrocannabinol). Ähnlich ist das bekannte Marihuana, die getrockneten Blüten und Blätter der Hanfpflanze. Menschen konsumieren Hanf hauptsächlich wegen seiner berauschenden Wirkung. Es gibt Krankheiten, die mit Hanf gut behandelt werden können, wobei die medizinische Verwendung strengen Regeln unterliegt.

Ich stellte die bei Verdacht auf Vergiftungen üblichen Fragen. Wurde die Aufnahme beobachtet oder wird nur vermutet? Wann hat der Hund die Kekse gefressen? Sind die „kommerziell“ erhältlich oder hausgemacht? Diese Frage zielt auf die aufgenommene Menge von THC. Und nicht zuletzt, welche Symptome zeigt der Hund? Nach einem kurzen Seufzer höre ich die Frau jemanden fragen: Marie, waren die Kekse hausgemacht? „Ja“ höre ich im Hintergrund schon bevor die Frau mir die Antwort am Telefon übermittelt. „Wissen Sie, meine Tochter hat mit den Freunden…“. Und dann ist das Licht auch bei mir aufgegangen. Es war der letzte Schultag heute!

Zurück zu unserem kleinen Vierbeiner. Da wir nicht evaluieren konnten, wann und wie viel von der Substanz aufgenommen wurde und der Hund bereits Symptome zeigte, riet ich dazu, schnellstmöglich in die nächste Klinik zu fahren. Für ein forciertes Erbrechen war es vermutlich schon zu spät, und eine Infusionstherapie wäre nötig, um die Giftstoffe schneller aus dem Körper zu schleusen. Ein Antidot steht in diesem Fall nicht zur Verfügung. Ich habe der Frau erklärt, dass mich die Umstände wie es zu der Vergiftung kam, nicht interessieren. Das Wohlergehen des Hundes läge mir aber sehr am Herzen, deshalb solle sie bitte mit dem Hund schnellstmöglich in die Klinik. Die Zeit ist ein entscheidender Faktor! Alles andere kann warten.

Unser Tipp: Aktivkohle

Aktivkohle bindet die meisten Toxine und wird deshalb nach der Magenentleerung bzw. wenn das Toxin bereits im Dünndarm ist, appliziert. Die Kohletabletten oder Pulver mit Wasser zu einer dickflüssigen Paste auflösen und oral verabreichen in einer Dosierung von 4 g/kg Körpergewicht. Und nicht zuletzt: Machen Sie sich keine Vorwürfe! Trotz größter Sorgfalt passieren manchmal Dinge. Wichtig ist es, einen kühlen Kopf zu bewahren und schnell zu handeln.

Im Fall einer vermuteten Vergiftung ist die erste und wichtigste Aufgabe: Ruhig bleiben!

Wurde die Giftaufnahme beobachtet? Ist der Giftstoff bekannt? Wenn diese Fragen mit „Ja“ beantwortet werden können, stehen diverse Giftnotrufzentralen, wie zum Beispiel der Notruf-Service der toxikologischen Abteilung der Klinik der TU-München unter Tel. 089 19240 zur Verfügung. Sie helfen mit wertvollen ersten Informationen bei möglichen Symptomen und Wirkungen, können aber auch Entwarnung geben.

Zeigt das Tier bereits Symptome, oder die Umstände sind unklar, ist es besser, gleich einen Tierarzt/eine Tierärztin zu kontaktieren. Die Tierrettung München steht mit Rat und Tat auf der Seite der Tierbesitzer, um die bestmögliche Versorgung des Tieres zu gewährleisten.

Kein Spaß – Cannabis und Co. für Hund und Katze

Sei es aus Blödelei oder einfach nur aus Dummheit – immer wieder werden Haustiere in Tierarztpraxen nach dem Konsum von Rauschmitteln vorgestellt. Manchen Tieren werden von den Besitzern absichtlich Drogen verabreicht, um mal zu testen, wie das Haustier auf das Rauschmittel reagiert, die anderen fressen aus Versehen Haschisch oder andere Drogen, die irgendwo rumliegen. Schon das Anpusten durch den Tierhalter mit THC-haltigem Rauch beim Inhalieren eines Joints führt bei Vierbeinern zu Symptomen einer Cannabisintoxikation.

Vor allem Hunde haben im Vergleich zum Menschen eine höhere Anzahl CannaboidRezeptoren im Gehirn, was vermutlich die höhere Empfindlichkeit gegenüber THC – dem Wirkstoff von Marihuana – erklärt. Die daraus resultierenden Symptome reichen von Erbrechen und Durchfall über Bewegungsstörungen bis hin zu unkontrollierten Panikanfällen oder auch Aggressionen. Bei entsprechender Dosis kann es zu komatösen Zuständen kommen. Nur Todesfälle treten in aller Regel eher nicht auf.

Beobachten Tierfreunde derartige Vorfälle in ihrem Umfeld, und lassen sich die Verantwortlichen von ihrem Tun nicht durch gutes Zureden abbringen, können Beobachter – auch anonym – beim Veterinäramt Anzeige erstatten.

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