Bereits nach vier bis sechs Wochen erreichen sie ihr Schlachtgewicht. Viele Hähnchen werden nicht einmal einen Monat alt. Zum Vergleich: Früher dauerte es deutlich länger, bis ein Huhn ausgewachsen war. Das rasante Wachstum hat gravierende Folgen. Die Muskeln, vor allem die begehrte Brustmuskulatur, wachsen schneller als Knochen und innere Organe. Das Skelett kann das hohe Körpergewicht oft nicht mehr tragen. Viele Tiere entwickeln schmerzhafte Fehlstellungen der Beine. Sie laufen unsicher, hinken oder können sich kaum noch fortbewegen. Manche brechen unter ihrem eigenen Gewicht zusammen. Sie verdursten, weil sie den Weg zur Tränke nicht mehr bewältigen können. Auch Herz und Lunge geraten an ihre Grenzen. Der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren. Nicht selten kommt es zu Atemnot oder HerzKreislauf-Problemen. Ein Teil der Tiere stirbt noch im Stall, bevor der Schlachttermin erreicht ist. Diese Verluste werden in der Branche als wirtschaftliches Risiko einkalkuliert, die sogenannte „Verlustrate“ in der Hähnchenzucht beträgt ca. 5-7 %. Bei Besatzgrößen von oft mehreren Zehntausend Tieren pro Halle sind das einige Tausend Tiere, die in großen Müllcontainern vor den Hallen entsorgt werden oder einfach zwischen ihren Artgenossen liegen bleiben. Fachleute sprechen bei diesen Zuchtlinien von sogenannten „Schnellwachsenden“.
Explosionshähnchen – Verbraucher – aufgepasst!
Hähnchenfleisch gilt als günstiges Massenprodukt. In Supermärkten liegen Brustfilets und Schenkel zu niedrigsten Preisen aus. Sie sind auf den Kilopreis gerechnet billiger als Obst, Toastbrot, Kaugummi und vieles mehr. Die allermeisten Masthähnchen stammen aus industriellen Hochleistungszuchten. Diese Tiere sind auf extrem schnelles Wachstum programmiert.

International dominieren wenige große Zuchtunternehmen den Markt, etwa die EW Group mit ihrer Marke Aviagen oder die niederländische Firma Hendrix Genetics. Ihre Linien sind auf maximale Fleischleistung ausgelegt. Weltweit werden Milliarden Hähnchen nach diesem Prinzip gehalten. Studien und Berichte weisen seit Jahren auf die gesundheitlichen Probleme hin. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat sich mit dem Wohlergehen von Masthühnern befasst. Die Behörde beschreibt erhöhte Risiken für Lahmheiten, Stoffwechselstörungen und Organprobleme bei schnell wachsenden Tieren. Das Problem ist also bekannt. Trotzdem hat sich am Grundprinzip wenig geändert. Der wirtschaftliche Druck in der Geflügelmast ist enorm hoch. Kurze Mastzeiten bedeuten schnelle Umschläge und geringe Kosten pro Tier. Je schneller ein Hähnchen sein Zielgewicht erreicht, desto rentabler ist die Produktion. Das Tier wird zum reinen Produktionsfaktor, und wie so oft, müssen sich die Tiere an die Haltungsbedingungen anpassen, nicht umgekehrt. Schmerzen und Erkrankungen gelten als systembedingter Nebeneffekt. Für Verbraucher ist dieses Leid kaum sichtbar
Wussten Sie schon?
Masthähnchen sind noch Küken, wenn sie sterben!
Die meisten Hähnchen in der Mast werden bereits nach vier bis sechs Wochen geschlachtet – lange bevor sie geschlechtsreif sind. Ein Huhn würde unter natürlichen Bedingungen mehrere Monate benötigen, um auszuwachsen. In der industriellen Mast endet ihr Leben jedoch bereits im Jugendalter. Viele dieser Tiere haben zu diesem Zeitpunkt nie ein natürliches Verhalten ausleben können – ihr kurzes Leben ist auf schnelles Wachstum und frühes Sterben reduziert
Die Tiere leben in großen Ställen mit teils Zehntausenden Artgenossen. Ihr Alltag besteht aus Fressen und Wachsen. Bewegung ist wenig vorgesehen, Platz ist knapp. Die maximal erlaubte Besatzdichte, die in der Regel aus Profitgründen auch ausgenutzt wird, beträgt 39 kg pro Quadratmeter. In der Endphase der Mast sind dies rund 25 Tiere. Wer aufgrund von Schmerzen weniger frisst, bleibt zurück. Schwächere Tiere haben geringe Überlebenschancen.
Aus Tierschutzsicht stellt sich daher eine grundlegende Frage: Wenn eine Zuchtlinie regelmäßig dazu führt, dass Tiere unter ihrem eigenen Körperbau leiden, handelt es sich dann nicht um Qualzucht?
In anderen Bereichen der Tierzucht wird der Begriff verwendet, wenn körperliche Merkmale systematisch Leiden verursachen, die Zuchtform kann verboten werden. Bei Masthähnchen ist das Leid Teil des Systems. Notwendig wäre eine klare politische Einordnung. Hochleistungszuchten, die mit erheblichen Gesundheitsproblemen verbunden sind, sollten als Qualzucht anerkannt werden. Ein Zuchtstopp für sogenannte „Explosionshähnchen“ wäre ein konsequenter Schritt. Gleichzeitig braucht es die Förderung robusterer, langsamer wachsender Linien und vor allem eine stärkere Unterstützung pflanzlicher Alternativen.


