Hauskaninchen

Tierportrait: Hauskaninchen

Die wildlebenden Verwandten unserer Hauskaninchen leben in großen Kolonien. Auch in Menschenobhut sollten diese sozialen Tiere nicht einzeln gehalten werden. Erwachsene, unkastrierte Männchen sind allerdings untereinander unverträglich. Empfehlenswert ist die Haltung eines Weibchens zusammen mit einem kastrierten Männchen. Von einer reinen Käfighaltung sollte man als Tierfreund absehen, ein schönes Außen- oder Innengehege eignet sich hingegen als kaninchenfreundliches Heim.

Hauskaninchen wollen hoppeln, buddeln und in ihrem Zuhause unterschiedliche Strukturelemente genießen dürfen. Foto: © aktion tier Zossen, D. Noschka

Herkunft

Unsere Hauskaninchen stammen von den Wildkaninchen (Ortyctolagus cuniculus) ab, die ursprünglich im westlichen Nordafrika und in Teilen Südfrankreichs vorkamen. Schon seit dem Altertum hat der Mensch zahme und wilde Kaninchen in weite Teile der Welt gebracht. Die ersten urkundlich belegten Kaninchen wurden 1149 nach Deutschland eingeführt. Das Wildkaninchen hat sich seitdem schnell und vollständig in unsere einheimische Tierwelt integriert. Kaninchen sind keine Nagetiere, obwohl einige körperliche Gemeinsamkeiten wie nachwachsende Schneidezähne oder die Lücke vor der Backenzahnreihe vorhanden sind. Sie werden vielmehr den Hasentieren (Lagomorpha) zugerechnet, also einer ganz anderen Säugetierordnung, der unter anderem auch die "echten" Hasen angehören.

Rassen

Schon in vorchristlicher Zeit wurden Kaninchen in Gefangenschaft gehalten und vermehrt. Domestikation (Haustierwerdung) und gezielte Züchtung brachten bis heute etwa 80 unterschiedliche Kaninchenrassen hervor, die sich teilweise extrem in Größe, Körperbau, Farbe und Gewicht unterscheiden. Grundsätzlich unterteilt man die Rassen in zwei Gruppen: die auf äußere Attraktivität und geringe Größe gezüchteten „Schoßtierrassen“ (z.B. Farbzwerge, Polenkaninchen, alle Zwergrassen) und die überwiegend ihres Fells und/oder ihres Fleischs wegen gezüchteten „Nutztierrassen“ (z.B. Angorakaninchen, Großsilber, Neu- seeländer, Wiener).

Haltung

Wildkaninchen leben in mehr oder weniger großen Kolonien. Unsere Hauskaninchen sind wie ihre wilden Verwandten gesellige Rudeltiere, die niemals alleine gehalten werden dürfen. In freier Natur legen Wildkaninchen große unterirdische Bauten in sandigem Boden an. Ein gesicherter Freilauf im Garten mit unterschiedlichem Bodensubstrat zum Buddeln kommt auch den natürlichen Bedürfnissen unserer Zwergkaninchen entgegen. Tiere mit viel Auslauf fressen weniger, werden also nicht fett und bleiben körperlich fit. Kaninchen, die in aktion tier- Tierheimen auf ein Zuhause warten, werden grundsätzlich nicht in Käfighaltungen vermittelt.

Zur Grundausstattung des Geheges gehören Futterraufen für Heu und Grünfutter, ein Futternapf für Obst- und Gemüsestücke sowie ein Tonnapf zum Trinken. Eine Trinkflasche wird nicht empfohlen, da es Kaninchen zwingt eine unnatürliche Kopfhaltung einzunehmen und das macht die Aufnahme von Wasser schwierig.

Kaninchen sind Fluchttiere und brauchen daher unbedingt Unterschlupfmöglichkeiten, in denen sie sich sicher fühlen. Zumindest ein mit Stroh ausgelegtes Schlafhäuschen aus Holz ist also unbedingt erforderlich. Ein Pappkarton wird zernagt und ist daher ungeeignet. Zusätzlich sollten ein rauer, flacher Stein zum Abnutzen der Krallen und Äste zum Beknabbern zur Verfügung gestellt werden.

Kaninchen benötigen jeden Tag Auslauf, sollten mindestens paarweise gehalten werden und brauchen ihr Leben lang Pflege und Zuwendung. Bedacht werden muß außerdem, dass Zwergkaninchen bis zu 10 Jahre alt werden. Wer sich schließlich nach reiflicher Überlegung und in Abstimmung mit der ganzen Familie für ein Kaninchen- Duo entschieden hat, wird bestimmt im nächsten Tierheim fündig.

Ernährung

Kaninchen sind Pflanzenfresser. Als Basisfutter sollte qualitativ hochwertiges Heu angeboten werden. Es macht nicht dick und kann daher entsprechend der natürlichen Ernährungsweise fast ständig von den Tieren „gemümmelt“ werden. Hierdurch nutzen sich auch die ständig nachwachsenden Kaninchenzähne auf natürliche Weise ab. Zusätzlich zum Basisfutter Heu brauchen Hauskaninchen natürlich auch noch Saft- oder Grünfutter, welches wichtige Nährstoffe, Vitamine, Mineral- und Vitalstoffe enthält. Beliebt und gesund sind folgende Pflanzen:

  • frische Grünpflanzen, die man selbst sammeln kann (z.B. Erdbeer- und Himbeerblätter, Huflattich, Gras, Löwenzahn, Dill, Kerbel, Liebstöckel, Majoran, Petersili, Melde, Spitz- und Breitwegerich, Luzerner, Schafgarbe); Bitte sammeln Sie nur an abgelegenen, naturbelassenen Stellen und niemals an Straßenrändern, auf Hundeauslaufflächen oder stark gespritzten und gedüngten Wiesen.
  • Obst in Maßen (z.B. Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Himbeeren)
  • Frisches Gemüse (z.B. Chicoree, Broccoli, Erbsen, Feldsalat, Fenchel, Kohlrabi mit Grün, junge Maiskolben (nicht den gespritzten vom Feld nehmen!), Möhren, Spinat, Sellerie Trockenfutter ist sehr gehaltvoll und sollte nur Tieren mit hohem Energiebedarf (z.B. kranke und trächtige Kaninchen) gereicht werden.

Frisches Wasser muss stets zur Verfügung stehen.

Für Kaninchen ungesund, wenn nicht sogar gesundheitsschädlich, sind unter anderem: Knabberstangen, Loftis, Joghurtdrops, Haferflocken, Honig, Roggenkörner, Nudeln, Brot, Essensreste, gewürzte Speisen, Klee und Radieschen.

Weitere Informationen

Ursula Bauer

Diplom-Biologin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.