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Mehr Tierschutz in der Nutztierhaltung: Niedersachsen strebt das Ende der Anbindehaltung von Rindern an

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat am 05. Februar 2026 einen konkreten Ausstiegsplan aus der Anbindehaltung vorgestellt. Damit soll eine Haltungsform beendet werden, die wir seit Langem als tierschutzwidrig kritisieren.

Eng beieinander und trotzdem isoliert. Foto: © aktion tier

In der Anbindehaltung, die hauptsächlich Milchkühe betrifft, stehen die Tiere auf festen Plätzen dicht nebeneinander. Durch Ketten, Gitter, Halsrahmen oder Gurte fixiert, können sie sich kaum bewegen. Arteigene Bedürfnisse der Tiere sind massiv eingeschränkt.

Wenn Rinder mehr als nur vorübergehend an einer Stelle fixiert ausharren müssen, sind Verhaltensauffälligkeiten vorprogrammiert. Meist beginnt es in jungen Jahren mit Zungenschlagen oder Harntrinken. Aus Langeweile werden auch Stangen und Ketten benagt. Mit zunehmendem Alter verwandeln sich die bewegungsfreudigen, neugierigen Tiere dann in apathische Schatten ihrer selbst, die sich scheinbar emotionslos in ihr Schicksal gefügt haben.

Trotz diesem Wissen werden deutschlandweit noch immer über eine Million Rinder angebunden gehalten. In Niedersachsen betrifft dies nach Schätzungen mehr als 1.000 Betriebe. 

Der nun vorgestellte Erlass in Niedersachsen beinhaltet einen schrittweisen Ausstieg aus der Anbindehaltung. Anders als die Bestrebungen der rot-grünen Bundesregierung zwischen 2021 und 2023, die bei einem Verbot Ausnahmen für kleine Betriebe mit Kombi-Haltung vorsahen, zielt Niedersachsen darauf ab, alle Formen der Anbindehaltung perspektivisch zu beenden. Also auch die saisonale Anbindehaltung (Weide Mai–Oktober), die kombinierte Anbindehaltung mit täglichem stundenweisem Auslauf sowie die Anbindehaltung männlicher Mastrinder. 

Dies soll nicht sofort, sondern über gestaffelte Übergangsfristen mit Beratungs- und Förderangeboten geschehen. Spätestens nach Ablauf von längstens sieben Jahren ab Bekanntgabe der Allgemeinverfügung soll der Umbau jedoch abgeschlossen sein.

Niedersachsen hat mit diesem mutigen Alleingang zum Ausstieg aus der Anbindehaltung einen wichtigen Impuls für mehr Tierschutz in der Nutztierhaltung gesetzt. Während auf Bundesebene – nicht zuletzt aufgrund des anhaltenden Widerstands aus Bayern – weiterhin kein Verbot absehbar ist, zeigt Niedersachsen, dass politisches Handeln zugunsten der Tiere möglich ist.

Ausführliche Hintergrundinformationen zum Thema findet ihr hier:

Ursula Bauer

Diplom-Biologin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.