Eine Narkose wäre hier absolut unverhältnismäßig. Doch leider ist gerade diese Maßnahme von Zeit zu Zeit unerlässlich. Denn im Freien lebende Katzen fangen sich immer wieder Würmer ein, das ist eigentlich unvermeidlich. Manche dieser Wurmarten sind harmlos, andere sehr gefährlich, und das nicht nur für Katzen. Auch für den Menschen und andere Haustiere stellen verwurmte Katzen ein Risiko dar. Kreuzen sich also die Wege von Zwei- und Vierbeinern beispielsweise auf Reitställen und Bauernhöfen, wird eine Wurmbehandlung umso dringlicher. Doch wie stellt man das an, wenn der Patient nicht mitspielt?
Sichere Entwurmung an Futterplätzen
Freilebende Katzen haben ihren eigenen Kopf. Viele lassen sich nicht einmal anfassen. Somit fällt in der Regel fast jede medizinische Behandlung flach. Außer man fängt die Wildlinge ein und legt sie mit Medikamenten schlafen. Doch was ist, wenn es sich um eine ganz einfache aber absolut notwendige routinemäßige Behandlung wie beispielsweise eine Entwurmung handelt?

Glücklicherweise stehen uns hier verschiedene Behandlungsvarianten zur Verfügung. Zum einen gibt es die klassischen Entwurmungstabletten. Zum anderen können Pasten zum Einsatz kommen. Darüber hinaus gibt es seit einigen Jahren so genannte Spot-on-Präparate, die der Behandler im Nackenbereich auf die Haut träufelt. Sie werden über die Haut resorbiert und wirken dann im Innern des Tierkörpers.
Doch welche Variante eignet sich für welche Katzenpopulation? Eines muss hier vorrausgeschickt werden. Einfach mal so ein Entwurmungspräparat in eine große Schüssel gemischt mit Katzenfutter für alle Katzen geben, diese zur Fütterungszeit irgendwo hinzustellen und schlicht zu hoffen, dass jeder Vierbeiner etwas abbekommt, so geht das nicht. Dies würde dazu führen, dass die dominanten Katzen, die zuerst am Futternapf sind, womöglich überdosiert werden und die ohnehin geschwächten Individuen unter Umständen leer ausgehen. Es gilt also sicherzustellen, dass jedes Tier die korrekte Dosis abbekommt. Das ist der erste wichtige Aspekt. Zweitens sollten alle Tiere einer Population möglichst gleichzeitig entwurmt werden, zumindest am selben Tag. Zieht sich die Gabe der Entwurmungsmittel über mehrere Tage oder gar Wochen, können sich bereits behandelte Tiere bei den unbehandelten wieder anstecken und die Parasiten wandern damit wieder fröhlich von einem Wirt zum anderen. Eine Entwurmung wirkt nämlich nicht prophylaktisch, sondern tötet lediglich am Tag der Eingabe alle im Körper befindlichen Würmer ab. Daher gelingt die Elimination nicht, wenn Katzengruppen in Etappen entwurmt werden. Nur wenn alle Tiere gleichzeitig behandelt werden, hat man eine Chance, dem Wurmbefall den Garaus zu machen.
Eins ist klar, einfach ist dieses Unterfangen nicht. Deshalb sollte zu Beginn einer Behandlung abgeklärt werden, ob überhaupt ein Wurmbefall vorliegt, und wenn ja, mit welchen Parasiten. Dazu sammelt der Betreuer am besten Kot rund um den Futterplatz ein, vorzugsweise an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Dabei spielt es keine Rolle, ob an den Proben Blätter oder Steinchen anhaften. Alle Kotballen können gemeinsam in ein sauber ausgespültes Marmeladenglas oder eine Tupperbox gegeben werden. Am letzten Tag – in diesem Fall also an Tag drei – bringt man die gesammelten Werke in die Tierarztpraxis. Von dort wird die Sammelkotprobe ins Labor geschickt. Ein bis zwei Tage später erhält man den Befund. Fällt der negativ aus, sprich, es wurden keine Parasiten nachgewiesen, muss man überhaupt nicht entwurmen. Sind allerdings Würmer oder deren Eier gefunden worden, weiß man nun, mit welchem Präparat man am besten dagegen vorgehen sollte, weil man die abzutötende Wurmart kennt. Diese Kotuntersuchung führt man am besten alle drei Monate durch.
Konnten Würmer nachgewiesen werden, geht es ans Eingemachte.
Handelt es sich bei unseren Patienten um Katzen, die nicht ganz so ängstlich sind, eignen sich zur individuellen Behandlung Spot on-Flüssigkeiten zum Auftropfen. Hierzu muss man die Katze nicht einmal richtig festhalten. Schläft sie oder frisst gerade am Futterplatz, kann man sie ganz beiläufig und unauffällig durch kurzes Aufträufeln der Medizin zuverlässig entwurmen. Hierzu setzt man die Tube im Bereich des Genicks an und drückt sie schnell aus. Die Flüssigkeit landet auf der Haut, dringt über sie in den Tierkörper ein und tötet die Endoparasiten im Anschluss ab.
Manche Katzen sind allerdings so scheu, dass sie nicht einmal die Nähe von Menschen tolerieren. Bei ihnen funktioniert die oben erwähnte flüssige Entwurmung nicht. Kandidaten dieser Fraktion sollten über einige Tage an einem bestimmten Futterplatz angefüttert werden. Am Vortag der Behandlung gibt es nichts oder nur wenig zu essen. So stellt man sicher, dass die Katzen ordentlich Hunger haben. Am Folgetag wird das Wurmmittel verabreicht. Dazu versteckt man in diesem Fall eine Wurmtablette in einem Leckerli. Zu diesem Zweck gibt es im Fachhandel eine Art essbare, besonders schmackhafte Knetmasse. Hierin lassen sich die Pillen hervorragend verstecken. Am Tag der Behandlung wird zunächst also nur ein derart präpariertes Wurmtabletten-Bällchen aus dieser Masse pro Katze am Futterplatz ausgelegt. Erst wenn aus der Ferne beobachtet werden konnte, dass jede Katze eine Tablette verspeist hat, gibt es Nachschlag in Form von normalem Futter.
Natürlich ist diese Herangehensweise richtig aufwendig und zeitraubend. Und vielleicht gelingt die Entwurmung einer gesamten Katzenpopulation auch nicht immer zu einhundert Prozent. Doch der Versuch dies anzustreben, ist auf jeden Fall diese Mühe wert. Denn eine regelmäßige Entwurmung ist ein wichtiger Grundpfeiler für die Gesunderhaltung dieser Katzengruppen. Starker Wurmbefall beeinträchtigt das gesamte Immunsystem eines Wirtes. Derart geschwächte Tiere fangen sich leichter auch andere Krankheiten wie bakterielle oder auch virale Infektionen ein. Ist der Organismus hingegen parasitenfrei, hat er Kapazitäten gegen mögliche aufflackernde Erkrankungen kompetent anzukämpfen und damit insgesamt gesund zu bleiben. Übrigens – im Netz angepriesene Hausmittel helfen bei einem Wurmbefall leider oft nicht.


