Wildvögel

Stockenten brüten auf dem Balkon - Was tun?

In Städten wie z.B. Berlin sind Stockenten die am häufigsten anzutreffende Entenart. Vor allem aufgrund fehlender natürlicher Nistplätze erobern diese „Stadtenten“ neue Niststandorte auf Balkonen, Dachterrassen oder Kirchtürmen. Problematisch wir dies spätestens dann, wenn die Küken geschlüpft sind und ans Wasser drängen - quicklebendig, aber leider flugunfähig.

Stockente mit Küken. Foto: © Ursula Bauer

Enten sind Nestflüchter. Sie sind also beim Schlüpfen bereits sehr weit entwickelt, verlassen nach kurzer Zeit das Nest und können von Anfang an schwimmen. Nur leider nicht fliegen. Bei Gebäudebruten lockt die Ente ihre wenigen Stunden alten Küken vom Boden aus. Sie möchte ihren Nachwuchs schnell an ein größeres Gewässer bringen, wo die Küken Nahrung finden. Die Kleinen folgen auch furchtlos und springen mit gespreizten Schwimmhäuten in die Tiefe - heftig mit ihren winzigen Flügelchen schlagend.

Die Landung kann je nach Höhe von glimpflich bis tödlich verlaufen. Sind die Jungen heil am Boden angekommen, kann immer noch ein sehr langer und gefahrvoller Fußmarsch zum nächsten Gewässer bevorstehen, den die kleine Familie ohne menschliche Hilfe kaum bewerkstelligen kann.

Was tun, wenn eine Stockente auf dem Balkon brüten möchte?

Wie alle Wildvögel sind in Deutschland auch Stockenten und deren Gelege geschützt. Man darf sie also nicht stören oder vertreiben. Allerdings ist es erlaubt, das Brüten bzw. Nestbauen zu verhindern, sofern noch keine Eier vorhanden sind. Sobald Eier auftauchen, ist das Nest geschützt. Auch ein Umsiedeln des Nestes ist dann nicht gestattet, wobei Stockenten ohnehin recht empflindlich darauf reagieren würden und eine Umsiedlung vermutlich scheitern würde.

Stockenten und -küken umsiedeln: aber bitte mit Expertenhilfe!

Sind die Küken erst einmal geschlüpft, ist schnelles Handeln gefragt, denn spätestens 48 Stunden später wird die Entenmutter ihre Küken zum Wasser führen. Ist das Nest dann zu hoch gelegen, beispielsweise auf einem Balkon, würden die Küken beim Sprung in die Tiefe sterben. Deswegen sollten sich betroffene Mieter:innen an einen Naturschutzverein wie den NABU wenden, der die Ententenmutter mit den Küken fachkundig einfangen und zum nächsten Gewässer transportieren kann.

Selbst einen Einfangversuch zu unternehmen ist nicht ratsam! Denn die Entenmutter wird ihre Küken verlassen, wenn sie unter Stress gerät, und auch nicht zu ihnen zurückkommen. Die Küken würden zu Waisen. Eine Station zu finden, die Entenküken aufpäppelt, ist sehr schwierig. Zudem muss beim Transport zum Wasser vieles beachtet werden. Zum Beispiel ist die aufgeregte Unterhaltung zwischen Entenmutter und Küken sehr wichtig und darf auch auf dem Weg zum Gewässer nicht unterbrochen werden. Beim Freilassen der Tiere ist wieder äußerste Vorsicht geboten. Erschreckt sich die Entenmutter, verschwindet sie unter Umständen auf Nimmerwiedersehen. Störend könnten auch auf Brautschau befindliche Stockentenerpel wirken, die meist in Gruppen auftreten.

Warum brüten Stockenten an ungewöhnlichen Plätzen?

Dass Stockenten in Großstädten an sehr ungewöhnlichen Plätzen brüten und damit unter Umständen den Tod ihrer Jungen riskieren, hat nach Expertenansicht mehrer Ursachen. Normalerweise werden die Nester in Schilfgürteln oder auf Uferbäumen angelegt. Da eine dichte, natürliche Ufervegetation an Gewässern selten geworden ist und Störungen durch Spaziergänger und streunende Hunde im dicht besiedelten Stadtgebiet stetig zunehmen, weichen die Tiere zunehmend auf vermeintlich sicherere Standorte in teilweise schwindelnder Höhe aus. Hinzu kommt das Missverhältnis von natürlichen Nistmöglichkeiten und der vor allem durch übermäßige Fütterung ständig wachsenden Stockenenten- Populationen.

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