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Unschuldig hinter Gittern - Kaninchen in der Intensivmast

Kaninchen in der Mast
Die gewinnorienterte Mast ist mit besonderen Qualen verbunden. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Kaninchenmastanlage
Eine Kaninchenmastanlage von außen. Foto: aktion tier e.V.
Mastkaninchen
Im Schnitt werden in einem Betrieb über 100 Zuchthäsinnen und mehreren tausend Mastkaninchen gehalten. Foto: Ursula Bauer
Jedem Tier steht etwa die Größe eines DIN-A-4-Blatts an Lebensraum zu Verfügung. Foto: Jan Peifer
Durch umfangreichen Medikamenteneinsatz versuchen die Mäster, den Kaninchen trotz der alles andere als tiergerechten Haltungsbedingungen eine möglichst hohe Produktivität abzupressen. Foto: Ursula Bauer
Mit verschiedenen Aktionen machte aktion tier e.V. auf das Leid der Mastkaninchen aufmerksam, hier 2009 am Berliner Alexanderplatz. Foto: Ursula Bauer
Das Bündnis Kaninchenmast - Nein danke ist ein einzigartiges Tierschutzbündnis, an welchem auch aktion tier e.V. beteiligt ist. Foto: Ursula Bauer
Bunnys für Bunnys: Models posieren für eine bundesweite Plakataktion des Bündnisses. Foto: Tierschutzbündnis Kaninchenmast, nein danke/Helmut Biess, Capital Duck Studio
Nach dem Shooting gingen die Models im sommerlichen Hasenkostüm auf den frostigen Berliner Kudamm, dort haben sie Flyer verteilt, um die Bevölkerung über die katastrophalen Haltungsbedingungen in deutschen Kaninchenmastställen zu informieren. Foto: Tierschutzbündnis Kaninchenmast, nein danke/Helmut Biess, Capital Duck Studio
 
 

März 2011. In Deutschland werden jährlich etwa 41.000 Tonnen Kaninchenfleisch verzehrt. Das entspricht über 25 Millionen Kaninchen, welche zum überwiegenden Teil unter nicht tiergerechten Bedingungen gehalten werden. Kaninchen sind Gruppentiere. Bei den hobbymäßigen Rassekaninchenzüchtern und traditionellen Hauskaninchenhaltern müssen sie jedoch meistens einzeln und in kleinen Käfigen leben. Mit besonderen Qualen ist allerdings die gewinnorientierte Intensivmast verbunden. Allein 4 Millionen Kaninchen kommen aus deutschen Mastanlagen, weitere 5 Millionen geschlachteter Tiere werden aus Ländern mit niedrigen Tierschutzstandards wie China, Polen, Ungarn und Tschechien importiert, wo es den Kaninchen ähnlich ergeht wie in unseren Mastfarmen.

Das Leben im Käfig

Die intensive Kaninchenhaltung erfolgt hierzulande auf großen Farmen in geschlossenen Ställen mit unterschiedlichen Käfigsystemen. Im Schnitt werden in einem Betrieb über 100 Zuchthäsinnen und mehreren tausend Mastkaninchen gehalten. In dieser sogenannten „wirtschaftlichen Kaninchenhaltung“ wird an allem gespart, was die absoluten Grundbedürfnisse der Tiere übersteigt. Die Kaninchen werden in kleinen Drahtgitterkäfigen gehalten, die häufig auch noch übereinander gestapelt sind. Jedem Tier steht etwa die Größe eines DIN-A-4-Blatts an Lebensraum zu Verfügung. Hoppelsprünge oder ein Aufrichten auf die Hinterläufe ist in der drangvollen Enge meist nicht möglich. Die einstreulosen Käfige bieten keinerlei Versteck- oder Beschäftigungsmöglichkeiten.

Die Folgen

Verdammt zu einem bewegungs- und reizarmen Leben leiden viele Kaninchen an Wirbelsäulendeformationen, Knochenveränderungen und Verhaltensstörungen wie Kannibalismus und Gitternagen. Auch die Käfigböden sind perforiert, schneiden tief in die weichen Läufe der Kaninchen. Unter den Käfigen türmen sich stinkend die Fäkalien. Ammoniakdämpfe und krankheitserregende Keime führen zu Augen- und Atemwegserkrankungen. Als Futter wird fast ausschließlich sehr energiereiches pelletiertes Alleinfutter verwendet. Der niedrige Rohfasergehalt dieser stärke- und eiweißreichen Futtermittel führt häufig zu starken Durchfallerkrankungen. Durch umfangreichen Medikamenteneinsatz versuchen die Mäster, den Kaninchen trotz der alles andere als tiergerechten Haltungsbedingungen eine möglichst hohe Produktivität abzupressen. Die Verlustraten liegen dennoch oft im zweistelligen Prozentbereich.

Turbomast

Es sind vorrangig die speziell für die Intensivmast gezüchteten ZIKA-Hybridkaninchen, die auf den Kaninchenfarmen gehalten werden. Durch ihre angezüchtete enorme Gewichtszunahme, die Bewegungsarmut im Käfig und das gehaltvolle Energiefutter erreichen ZIKA-Mastkaninchen nach nur 85 Tage ein Schlachtgewicht von ca. 3 kg. Normalerweise können Hauskaninchen im Durchschnitt 10 Jahre alt werden.

Gebährmaschinen

Die Zuchtkaninchen müssen in den Farmen ständig für „Nachschub“ an Mastkaninchen sorgen. Da die Häsinnen bereits 1 bis 3 Tage nach dem Werfen wieder gedeckt oder besamt werden, können etwa acht bis zehn Würfe pro Häsin und Jahr erzielt werden. Kein Wunder, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Zuchthäsinnen in der Intensivhaltung weniger als 1 Jahr beträgt.

Unser Ziel

In Deutschland existiert für die Kaninchenhaltung noch keine detaillierte und gesetzlich verbindliche Haltungsverordnung. Auch die Intensivhaltung von Kaninchen in Käfigbatterien ist nicht verboten. aktion tier möchte das ändern. Gemeinsam mit zahlreichen anderen Tierschutzvereinen setzen wir uns im Bündnis „Kaninchenmast – nein danke!“ für ein Verbot der Käfighaltung und die Einführung einer verbindlichen Haltungsverordnung ohne Käfig ein.

Aktuelle Entwicklung und Erfolge

Im Bereich Kaninchenmast ist einiges passiert, seit wir 2011 unser Kampagne gestartet haben. Einige Meldungen lesen Sie hier:

  • September 2014: Haltungsverordnung für Kaninchenmast – eine Farce. Seit vielen Jahren setzt sich aktion tier mit dem Tierschutzbündnis „Kaninchenmast, nein danke“ dafür ein, die Haltung von Mastkaninchen gesetzlich zu regeln. Nun hat das Bundesministerium für Ernährung endlich eine Verordnung verabschiedet, die erstmals verbindliche Regelungen festlegt. Doch was zunächst gut klingt, entpuppt sich beim genauen Hinsehen als Alibi-Tierschutz. [mehr]
  • Juni 2014: Kaufhof listet Kaninchenfleisch aus Käfighaltung aus. Mitten im Weihnachtstrubel hatte eine Demonstration vom Tierschutzbündnis „Kaninchenmast, nein danke“ vor „Galeria Kaufhof“ auf dem Berliner Alexanderplatz für Aufsehen gesorgt. Aktivisten forderten mit zahlreichen Bannern, Schildern und einem Kaninchen im Rollstuhl „Galeria Kaufhof“ auf, Kaninchenfleisch aus industrieller Käfighaltung auszulisten und kein Fleisch von kranken Kaninchen zu verkaufen. Jetzt teilte Kaufhof mit, dass der Verkauf von Kaninchenfleisch aus Käfighaltung in Berlin und in allen anderen Filialen eingestellt wurde. „Wir freuen uns darüber, dass Kaufhof endlich einlenkt, immer wieder haben wir mit Aktionen und Mailaktionen den Konzern aufgefordert, das Kaninchen- Qualfleisch aus dem Sortiment zu nehmen“, kommentierte einer der Organisatoren.
  • Dezember 2013: KaDeWe, Netto, Kaisers und Karstadt nehmen Kaninchenqualfleisch aus dem Sortiment. Das Tierschutzbündnis „Kaninchenmast, nein danke“ meldet einen großen Erfolg: Nach langer Kampagnenarbeit listen das Berliner KaDeWe, netto, Kaisers und Karstadt Kaninchenfleisch aus einem Schlachthof in Beelitz aus. Die Unternehmen reagieren damit auf die Enthüllungen der Tierschützer. Ermittler des Bündnisses hatten dokumentiert, dass der Betreiber offenbar mit den Bestimmungen des Tierschutzgesetzes nicht vertraut war. Ohne Betäubung waren Kaninchen vor den Augen ihrer Artgenossen geschlachtet worden- Veterinäramt und Staatsanwaltschaft ermittelten. Der Schlachthof wird seinen Betrieb nun einstellen.

Kampagnenvideo