Tierschutzkampagnen

Unsere Igel - Outdoorprofis in Gefahr

In unseren Breiten lebt der Europäische Igel (Erinaceus europaeus), der auch Braunbrust-oder Westigel genannt wird. Vor allem der Verlust von Lebensräumen, der Rückgang von Nahrungstieren und die Bedrohung durch Straßenverkehr und Gartenmaschinen führen dazu, dass es immer weniger Igel gibt. Es wird Zeit, dass wir alle mithelfen, damit uns dieses nützliche Wildtier erhalten bleibt.

31. August 2021
Ein Beitrag von Ursula Bauer
Auswilderung eines Igels durch das aktion tier Igelzentrum Niedersachsen. Foto: © aktion tier Igelzentrum

Uriges Stacheltier

Der Igel gehört zu einer Säugetierart, dessen Vorfahren bereits vor über 60 Millionen Jahren lebten. Mit seinen etwa 8.000 Stacheln ist er hierzulande einzigartig. Die aus Haaren entstandenen Stacheln dienen dem Schutz und ragen beim Einrollen spitz nach außen. Igel sind nachtaktive Einzelgänger. Tagsüber verkriechen sie sich in Ast- oder Laubhaufen, im Kompost, in Hecken oder unter Sträuchern. Sobald es dämmert, gehen sie auf Nahrungssuche.

Als reine Fleischfresser ernähren sich Igel unter anderem von Regenwürmern, Schnecken, Insekten und Spinnen. Obst und Gemüse wird dagegen nur dann angeknabbert, wenn sich Kleinlebewesen wie Würmer darin befinden.

Erwachsene Igel werden ca. 30 cm groß und bis zu 1,5 kg schwer. In freier Wildbahn erreichen sie meistens nicht das vierte Lebensjahr, obwohl sie theoretisch bis zu sieben Jahre alt werden können. Die Tiere treffen sich nur zur Paarung zwischen Mai und August und gehen ansonsten getrennte Wege. Nach 35 Tagen bringt die Igelin durchschnittlich vier Junge zur Welt, die sie etwa 42 Tage lang säugt. Nach der Säugezeit gehen die Jungigel selbständig auf Nahrungssuche. Mit ca. sechs Wochen verlassen sie das Nest, um ein eigenes Revier zu finden, denn jeder `Meckie´ benötigt rund 2.000 qm naturnahe Grünfläche, um satt zu werden.

Im Herbst wird ein Nest gebaut und mit Laub und trockenem Moos warm ausgepolstert. Außerdem fressen sich Igel ein dickes Fettdepot an, um den Winterschlaf, der bis zu einem halben Jahr andauern kann, zu überstehen.

Igel in Gefahr

Der größte Feind des Igels ist der Mensch. Er hat große Teile der Natur in intensiv genutzte Agrarflächen verwandelt, die den Tieren weder Unterschlupf noch Nahrung bieten. So wurden Igel zu sogenannten Kulturfolgern und leben heute vorrangig in den Randbereichen von Siedlungen sowie in Gärten und Parks. Aber auch hier finden die Stacheltiere durch den starken Einsatz von Pflanzenschutz- und Insektenvernichtungsmitteln immer weniger Futtertiere.

Straßenverkehr

Die Schätzungen, wie viele Igel jährlich dem Straßenverkehr zum Opfer fallen, reichen von mehreren Hunderttausenden bis zu 1 Million. Angelockt durch Insekten, die an Autos abprallen, sind Igel regelmäßig auf Nahrungssuche an Straßen unterwegs. Da sie sich bei herankommenden Fahrzeugen reflexartig zusammenrollen statt davonzulaufen, werden sie weit häufiger überfahren als andere Säugetiere.

Gartenmaschinen

Vor allem motorisierte Gartengeräte wie Laubbläser und Laubsauger, Rasenmäher, Motorsensen und Freischneider sind für Igel lebensgefährlich. Auf deren Einsatz sollte daher nach Möglichkeit verzichtet werden. Besonders problema t i s ch sind die fast in jedem Garten laufenden Mähroboter, da diese in der Regel auch in den Abendund Morgenstunden angeschaltet werden. Dann sind auch die dämmerungs- und nachtaktiven Stacheltiere unterwegs und werden leicht zu Opfern der scharfen Roboter-Klingen.

Gefahren am Haus und im Garten

Neben den Gartenmaschinen gibt es noch weitere Gefahrenquellen, die Sie ausschalten sollten:

  • Mülltüten immer gut verschließen, sonst klettern neugierige Igel hinein und sitzen dann in der Falle.
  • Garagentore und die Türen von Gartenhäusern immer geschlossen halten. Versehentlich gefangene Igel können verhungern, wenn sie länger eingesperrt sind.
  • Vorsicht beim Umsetzen von Kompost! Stechen Sie nicht unbedacht mit einem Spaten oder einer Mistgabel hinein – es könnten Igel darin wohnen.
  • Wenn das Abbrennen von Gartenabfällen unumgänglich ist, vor dem Anzünden den Haufen vorsichtig umschichten.
  • Verwenden Sie weder Gift noch chemische Düngemittel.
  • Decken Sie Lichtschächte und Swimming-Pools ab, und sichern Sie Außen-Kellertreppen.
  • Keine Netze für Obstbäume und -sträucher verwenden.
  • Denken Sie an ausreichend große Durchgänge in der Gartenumzäunung, damit der Igel auch in Nachbars Garten laufen kann.

Rechtlicher Schutz

Gemäß Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung gehören Igel zu den besonders geschützten Tierarten. Es ist verboten, ihnen nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder gar zu töten. Auch die Fortpflanzungs- und Ruhestätten von Igeln dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden.

Der igelfreundliche Garten

Sie unterstützen unsere Igel am besten, indem Sie Ihren Garten strukturreich und naturnah gestalten. Monotones Einheitsgrün mit englischem Rasen und fremdländischen Zierpflanzen ist für die stacheligen Wildtiere uninteressant. Pflanzen Sie heimische Baum- und Straucharten, legen Sie Obst- und Gemüsebeete an, und ergänzen Sie das Ganze mit Haufen von Steinen, Ästen oder Laub. In solch einem Naturgarten finden Igel viele Futtertiere und gute Versteckmöglichkeiten.

"Mein tierfreundlicher Garten"

Wir möchten Sie mit unseren Tipps dabei unterstützen, Ihr privates Grün in eine Oase für Wildtiere zu verwandeln. Ein Naturgarten fördert die heimische Flora und Fauna und ist gut für die Umwelt. Außerdem machen Sie sich selbst ein Riesengeschenk, denn Sie haben jederzeit die Möglichkeit, Natur hautnah zu erleben, werden Ruhe und Entspannung bei der sanften Pflege Ihrer grünen Insel finden und sich über einmalige, interessante und lustige Tierbeobachtungen freuen. Also los – die Tiere brauchen Sie!

Igeln helfen, aber richtig!

Gerade im Herbst werden häufig Igel eingesammelt, die völlig gesund sind und keinen menschlichen Beistand benötigen. Wenn Sie unsicher sind, informieren Sie sich bitte bei aktion tier oder einer anderen fachkundigen Stelle, bevor Sie das Tier mitnehmen.

Hilfsbedürftig sind:

  • Verletzte und offensichtlich kranke Igel.
  • Igelsäuglinge mit geschlossenen Augen, die sich tagsüber außerhalb des Nestes befinden.
  • Untergewichtige Igel (Mindestgewicht Anfang November: Jungigel ca. 500 g, Alttiere ca. 1.000 g).
  • Igel, die bei Dauerfrost und geschlossener Schneedecke draußen herumlaufen. Bitte Tiere erst beobachten: Auch gesunde Igel können während des Winterschlafs aufwachen und das Nest verlassen (z.B. um Urin abzusetzen).

Das Naturschutzgesetz erlaubt nur die Aufnahme und Pflege kranker, verletzter und hilfloser Igel. Und auch diese Tiere müssen nach der Genesung unverzüglich wieder in die Freiheit entlassen werden. Wer einen gesunden Igel, der keine Hilfe benötigt, einfängt und mitnimmt, macht sich strafbar. Hat man ein tatsächlich in Not geratenes Tier aufgenommen, reichen gute Absichten nicht aus. Hier ist Fachwissen gefragt. Kranke und verletzte Igel gehören erst einmal zum fachkundigen Tierarzt. Die anschließende Pflege und Unterbringung kann eventuell vom Finder übernommen werden, wenn dieser sich vorher ausreichend informiert hat.

Hilfe vor Ort

Findet man im November, wenn es noch nicht schneit und friert, untergewichtige Jungigel, so kann man diesen relativ einfach helfen, indem man ihnen im Garten einen kleinen Futterplatz einrichtet und dort täglich ein Gemisch aus Igeltrockenfutter und Katzendosenfutter anbietet. An dieser Futterstelle kann sich der kleine `Meckie´ frei in seiner vertrauten Umgebung die fehlenden Gramme anfressen und dann in seinem Unterschlupf in Winterschlaf gehen. Bitte niemals Kuhmilch füttern, da Igel davon Durchfall bekommen.

Kampagnenflyer

Unsere Igel - Outdoorprofis in Gefahr

Unseren Flyer zur Kampagne "Unsere Igel - Outdoorprofis in Gefahr" können Sie hier kostenlos herunterladen.

Infofilm "Unsere Igel"

aktion tier Igelzentrum Niedersachsen

Im Jahr 2013 hat der Verein sein aktion tier-Igelzentrum Niedersachsen in Laatzen bei Hannover eröffnet. Die von aktion tier in Eigenregie betriebene Station hat ihren Arbeitsschwerpunkt in der Beratung und Aufklärung der Bevölkerung. Durch eine ständige Ausstellung, Igelunterricht für Schulklassen und individuelle Beratungen vermitteln die Mitarbeiter des aktion tier-Igelzentrums vielfältige Informationen zu Biologie, Lebensweise und Schutz der Igel. Denn mit ein wenig Hintergrundwissen kann jeder Einzelne ganz einfach dazu beitragen, unseren „Meckies“ das Leben zu erleichtern. Zum Beispiel durch einen naturnahen Hausgarten. Natürlich werden im aktion tier-Igelzentrum auch verletzte oder hilfsbedürftige Igel aufgenommen und fachkundig versorgt. Die Einrichtung ist jedoch keine Sammelstation für wahllos mitgenommene Tiere. Am besten ist es zuerst, mit den Mitarbeitern der Station zu sprechen. So kann gewährleistet werden, dass tatsächlich nur Notfälle aus der Natur entnommen werden.

Ursula Bauer

Diplom-Biologin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

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