aktion tier Kampagne "TODSCHICK"

TODSCHICK – Seide

Verschiedene Tiere, darunter zahlreiche Schmetterlinge, produzieren im Rahmen ihrer Entwicklung schützende Hüllen (Kokons) aus Seidenfäden. Aus diesen Kokonfasern der Seidenraupen werden Seidenstoffe hergestellt.

03. März 2022
Ein Beitrag von Ursula Bauer
"Seide" ist das erste Thema unserer Reihe im Rahmen der Kampagne "Todschick". Foto: © aktion tier, Ursula Bauer

TODSCHICK - So viel Tierleid steckt in Kleidung

Die meisten Menschen kaufen sich ihre Bekleidung, ohne groß darüber nachzudenken, woraus diese besteht. Mit unserer neuen Kampagne möchten wir über Kleidung aus Materialien tierischen Ursprungs informieren, für die unsere Mitgeschöpfe teilweise erheblich leiden müssen. Damit Sie Ihre Kaufentscheidungen in Zukunft bewusster treffen können.

Unsere Kampagne TODSCHICK wird uns das ganze Jahr 2022 hindurch begleiten, denn sie besteht aus den Themen Seide, Leder, Wolle, Daunen und Pelz, die wir Ihnen hintereinander vorstellen werden. Es geht los mit der Seide.

Seide

Die von Natur aus glänzenden, fließenden Textilien sind unter anderem leicht, atmungsaktiv und extrem reißfest. Seide gilt als die Königin der Gewebe und ist aufgrund des aufwändig herzustellenden Rohstoffs teurer als andere, in der Textilindustrie verwendeten Materialien.

Heute findet die Seidenproduktion vorrangig in China, Indien, Usbekistan und im Iran statt. Europäische Seide zum Beispiel aus Spanien, Frankreich und der Türkei spielt eher eine untergeordnete Rolle, und die Versuche, eine gewinnbringende Seidenindustrie in Deutschland aufzubauen, scheiterten am zu kalten Klima.

Seidenproduktion

Seit mehreren Jahrtausenden wird vor allem der Schmetterling Bombyx mori zur Gewinnung der Seidenfäden gehalten. Da die Blätter der Weißen Maulbeere die bevorzugte Nahrung der Raupen dieses Seidenspinners ist, werden die Insekten auch `Maulbeerspinner´ und ihre Seide `Maulbeerseide´ genannt.

Wenn die Seidenraupen eine bestimmte Größe erreicht haben, beginnen sie, ein Proteinsekret aus speziellen Drüsen an der Unterlippe zu produzieren, welches an der Luft sofort erstarrt und zu einem stabilen Faden wird. Die Tiere winden sich hin und her und spinnen diese Seidenfäden, die über 2000 Meter lang sein können, um sich herum, bis haltbare und wasserdichte Kapseln entstanden sind. Zur Gewinnung der wertvollen Seidenfäden werden diese Kokons im Prinzip einfach wieder abgewickelt, oder, wie es in der Fachsprache heißt, abgehaspelt. Bevor das möglich ist, werden die kleinen Gespinste in heißem Wasser vom Seidenleim und der äußeren Schicht, der sogenannten Flockseide, befreit. Dann streichen Bürstchen über die gereinigten Kapseln, fangen die Anfänge der Kokonfäden auf, verzwirbeln mehrere miteinander und wickeln den Zwirn dann auf Spulen auf. Die Rohseide kann anschließend gefärbt und zu Stoff verwoben werden.

Wie alle Schmetterlinge durchläuft auch der Seidenspinner Bombyx mori eine Entwicklung vom Ei über die Raupe zur Puppe bis hin zum vollentwickelten Falter. Man nennt diesen Vorgang der kompletten Gestaltumwandlung Metamorphose.

Dieses Tierleid steckt in Seide

Lässt man der Natur ihren Lauf, vollzieht sich im Innern des Seidenspinner-Kokons die Umwandlung von der Raupe zur Puppe und schließlich zum Schmetterling. Der fertige Falter ätzt mit Hilfe eines selbst produzierten „Lösungsmittels“ ein Loch in die Hülle, um herausschlüpfen zu können. Dadurch wird jedoch der Seidenfaden, aus dem der Kokon besteht, zerstückelt, was dessen Qualität und Wert beeinträchtigt. Um den unversehrten, langen Faden abwickeln zu können, werden daher in der klassischen, industriellen Seidenproduktion die Kokons etwa 10 Tage nach der Verspinnung in kochendes Wasser geworfen, heißem Dampf oder starker Hitze ausgesetzt. Die feste Seidenhülle schützt die darin befindlichen Insekten vor sämtlichen natürlichen Einflüssen wie starker Sonneneinstrahlung, Regen, Kälte, Wind und selbst vor Fressfeinden. Gegen kochendes Wasser oder glutheißen Dampf gibt es jedoch keinen Schutz, so dass alle Puppen in den Kokons sterben.

Es wird zwar behauptet, dass wirbellose Tiere, zu denen auch die Seidenspinner gehören, keine Schmerzen empfinden, aber es ist auch nicht auszuschließen, dass sie leiden, wenn sie lebendig gekocht werden. Die Puppen in den Kokons haben wahrscheinlich auch so etwas wie Angst, bis endlich der Tod eintritt. Ein derart barbarischer Umgang mit unseren Mitgeschöpfen ist unnötig und mit nichts zu rechtfertigen.

Ein weiteres Problem beim konventionellen Seidenbau ist die starke Überzüchtung des Nutztiers Maulbeerspinner. Der zur Seidengewinnung gehaltene Bombyx mori stammt von der Wildform Bombyx mandarina ab. Durch die jahrtausendelange selektive Züchtung sind die Insekten extrem empfindlich und krankheitsanfällig geworden, haben im Gegensatz zur Wildform eine auffallend weiße Färbung und einen stark eingeschränkten Geruchssinn. Sie sind vollständig vom Menschen abhängig und könnten in freier Natur nicht überleben. Und wie immer, wenn der Mensch sich ein Nutztier heranzüchtet, wurde auch dieser Nachtfalter so verändert, dass seine Haltung möglichst einfach und kostengünstig ist. So wurde ihm beispielsweise die Flugfähigkeit weggezüchtet, damit er in Gefangenschaft nicht davonfliegt. Es ist traurig zu sehen, wie die Tiere sich krabbelnd fortbewegen und dabei verzweifelt und erfolglos mit den Flügeln schlagen. Anders als ihre wilden Verwandten können die Seidenspinner auch nicht mehr fressen, da ihre Mundwerkzeuge verkümmert sind. Ihr ausschließlicher Daseinszweck als Schmetterling ist die Vermehrung. Sie verpaaren sich, das Weibchen legt Eier, und dann ist ihr Leben auch schon nach wenigen Tagen zu Ende.

Unsere Empfehlungen

Ahimsa-Seide

Wer nicht auf Seide verzichten möchte, kann zum Beispiel Kleidung aus Ahimsa-Seide wählen. Dieses auch als Peace Silk (Friedens-Seide) bezeichnete Gewebe stammt zwar auch von in Gefangenschaft gehaltenen Maulbeerspinnern der Art Bombyx mori, aber diese sollen nicht so stark überzüchtet sein und daher noch mit intakten Mundwerkzeugen fressen können. Das Wichtigste bei der Ahimsa-Seide ist jedoch, dass die Puppen nicht getötet werden. Vielmehr schneidet man die Kokons unmittelbar vor dem Schlüpfen der Falter auf, damit die Schmetterlinge herauskönnen. Oder man lässt sie einfach in Ruhe und wartet ab, bis der natürliche Schlüpfvorgang vollzogen ist. In jedem Fall sind die Kokons beschädigt, und es ist recht aufwändig, die zerstückelten Seidenfäden miteinander zu verspinnen. Daher sind Produkte aus Ahimsa-Seide auch teurer als Kleidung aus konventioneller Maulbeer-Seide.

Wildseide

Eine weitere Alternative ohne Tierleid sind sogenannte Wildseiden von freilebenden Faltern. Wie beispielsweise die aus Indien stammende Tussahseide, die aus den Kokonfäden des Japanischen Eichenseidenspinners Antheraea yamamai hergestellt wird. Man sammelt die Kokons in der Natur ein, nachdem die Falter geschlüpft sind. Im Vergleich zum Maulbeerspinner ist der Faden des Eichenseidenspinners gröber und fester, und es kommt beim Verspinnen der durch das Schlüpfen entstandenen Fadenstücke zu den für Wildseide charakteristischen Unregelmäßigkeiten und Verdickungen.

Da bei Kokons, die durch Anritzen oder den natürlichen Schlüpfvorgang aufgebrochen sind, ein Aufhaspeln der Seidenfäden nicht möglich ist, müssen sie erst eingeweicht, gekämmt und dann zu Fäden versponnen werden.

Ist Bio-Seide frei von Tierleid?

Die Bezeichnung `Bio-Seide´ bedeutet lediglich, dass die Maulbeerspinner-Raupen gemäß der Öko-Richtlinien gehalten werden. Zu Fressen gibt man ihnen die Blätter von biologisch angebauten Maulbeerbäumen ohne Einsatz von chemischen Dünge- oder Schädlingsbekämpfungsmitteln. Den Insekten dürfen außerdem weder Medikamente noch Wachstumsförderer verabreicht werden. Bio-Seide bedeutet jedoch nicht, dass die Puppen am Leben bleiben. Sie werden, wie bei der konventionellen Seidenproduktion, abgetötet, um einen unversehrten Kokon und den begehrten Endlosfaden zu erhalten.

Bananenseide

Als nachhaltige und innovative pflanzliche Alternative für tierische Seide wären unter anderem Ananas- und Bananenstauden-Fasern zu nennen. Letztere werden häufig aus den auf den Philippinen und in Ecuador kultivierten Abacá-Bananenpflanzen (Musa textilis) gewonnen, deren Früchte ungenießbar sind.

Aus ökologischer und ökonomischer Sicht interessanter sind jedoch die EssbananenStauden, die in Asien und Südamerika angebaut werden. Diese Pflanzen tragen nur einmal Früchte und sterben dann ab. Aus dem Wurzelstock treiben neue Schösslinge, aber die alten Stämme werden in der Regel entfernt und häufig verbrannt.

Was sehr schade ist, denn dieser landwirtschaftliche Abfall enthält die vielfältig einsetzbaren, langen Bananenfasern. Inzwischen haben eine Reihe von Unternehmen das Potenzial dieses Naturprodukts erkannt und mit der Herstellung von Stoffen begonnen. Die äußeren Schichten des Bananenstammes bestehen aus festen und derben Fasern, aus denen Garne zum Beispiel für Stoffschuhe und eher robuste Kleidung gesponnen werden. Diese ähneln Produkten aus Jute, Hanf oder Leinen. Für sehr feine Gewebe werden die filigranen, biegsamen Fasern aus dem Kern des Bananenstammes verwendet, die zu einem zarten, aber unglaublich starken Garn versponnen werden. Die daraus gefertigten glänzenden Stoffe und Textilien sind tierischer Seide sehr ähnlich. Daher stammt auch die oft verwendete Bezeichnung `Bananenseide´.

Aus Bananenstaudenfasern werden schon seit dem 13. Jahrhundert Schiffstaue und Flechtwaren hergestellt. Heute nutzt man die reiß- und feuerfesten Fasern, die selbst Salzwasser trotzen, unter anderem zur Herstellung von Papier, Teebeuteln, Zigarettenpapier, Banknoten, Teppichen und sogar für Bauteile im Automobilbau. Die Herstellung von Textilien aus Bananenfasern befindet sich derzeit noch in der Entwicklung, stößt aber auf ein wachsendes Interesse. Fasern aus Essbananen haben auch eine recht gute Ökobilanz, da die robusten Stauden ohne Pestizide und chemischen Dünger auskommen, keine extra Anbaufläche gebraucht wird und die daraus hergestellten Kleidung feuchtigkeitsabweisend, pflegeleicht, langlebig und kompostierbar ist.

Augen auf!

Aus Bananenpflanzen wird auch Viskose gewonnen. Bananenviskose ist jedoch etwas völlig anderes als die Bananenseide. Viskose besteht zwar im Ursprung aus dem natürlichen Stoff Zellulose (Holz) und, anders als bei rein synthetischen Stoffen, wird sie ohne Erdöl hergestellt. Die Umwandlung von Zellulose in Viskose erfolgt jedoch in einem chemischen Verfahren, für das viel Energie und große Mengen an Chemikalien wie Schwefelsäure und Natronlauge verbraucht werden.

Auch werden die Bananenfasern oft mit tierischen Seidenfäden oder Schafwolle vermischt und sind dann nicht mehr frei von Tierleid. Achten Sie daher darauf, dass es sich um 100% reine Bananenseide handelt oder als Beimischung Bio-Baumwolle verwendet wurde.

Unsere Themenbroschüre – „Seide“

Zur Kampagne „TODSCHICK“ können Sie gerne kostenlos unter Tel. 030-301116230 bestellen oder nachstehend einfach online lesen.

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