TODSCHICK – Pelz
Nachdem Pelz bei der Mehrheit der Bevölkerung jahrelang verpönt und Ende der 1990er Jahre aus dem Straßenbild so gut wie verschwunden war, ist er seit den 2010er Jahren leider wieder stark im Kommen und die Pelzindustrie verzeichnet steigende Umsätze. Der Look ist dank neuer Technologien bunt und kommt oft im Mix mit anderen Materialien daher. Das Leiden der Tiere scheint beinahe vergessen...
TODSCHICK - So viel Tierleid steckt in Kleidung
Die meisten Menschen kaufen sich Kleidungsstücke und Accessoires, ohne groß darüber nachzudenken, woraus diese bestehen. Bei manchen steht ein möglichst niedriger Preis im Vordergrund, andere kaufen einfach, was ihnen gefällt oder gerade angesagt ist.
Unsere Kampagne TODSCHICK wird uns durch die Jahre 2022/2023 hindurch begleiten, denn sie besteht aus den Themen Seide, Leder, Wolle, Pelz und Daunen, die wir Ihnen hintereinander vorstellen werden.
Mit dieser Kampagne möchten wir über Kleidung aus Materialien tierischen Ursprungs informieren, für die unsere Mitgeschöpfe teilweise erheblich leiden müssen. Damit Sie Ihre Kaufentscheidungen in Zukunft bewusster treffen und eventuell auf Alternativen ausweichen.
- Begrifflichkeit
- Die Entwicklung der Pelzkleidung
- „Ist von Omi, trage ich doch nur auf“
- Pelztiere
- Pelztiere sind Wildtiere
- Tierleid in Pelz
- Felle von Nutztieren
- Felle von Haustieren
- In Pelz steckt nicht nur Tierleid
- Keine Kennzeichnungspflicht
- Kunstpelz – eine Alternative?
- Tierfreundlicher Pelz?
- Brauchen wir Pelz?
- Unsere Empfehlung – Totalverzicht!
- Artikel zur Kampagne "TODSCHICK"
Begrifflichkeit
Umgangssprachlich werden die Bezeichnungen „Fell“ und „Pelz“ ohne erkennbare Regel verwendet. Am häufigsten wird die behaarte Tierhaut „Fell“ und die daraus gefertigte Kleidung „Pelz“ genannt. Das haben wir in diesem Artikel auch so gehandhabt.
Fachlich korrekt wäre allerdings die Benennung nach Haardichte. Demnach handelt es sich bei einer Dichte von 50 bis 400 Haaren pro cm² um Fell. Typische Fellträger sind Haus- und Nutztiere wie Hund, Katze, Kaninchen oder Schaf. Erst das sehr dichte Haarkleid ab 400 Haare pro cm² von Wildtieren wie Fuchs, Marderhund, Biber oder Chinchilla nennt der Fachmann Pelz. Daraus werden vor allem Jacken, Mäntel, Westen, Kopfbedeckungen und Handschuhe für den Herbst und Winter gefertigt. Besonders beliebt sind auch große Pelzbesätze an Kapuzen und Krägen sowie Bommeln an Mützen.
Im Rahmen dieses Kampagnen-Artikels geht es vorrangig um Wildtiere, deren Fell zur Herstellung von Pelz verwendet wird. Nutz- und Haustiere kommen jedoch auch zur Sprache.



Die Entwicklung der Pelzkleidung
Pelz vor 1920
Bereits vor 2,6 Millionen Jahren bedeckten sich die Steinzeitmenschen mit Fellen und Pelzen. Vor etwa 70.000 Jahren entstanden dann die ersten Kleidungsstücke aus mit Pflanzenfasern zusammengenähten Tierhäuten. Mit der Gewinnung und Verarbeitung anderer Materialien wie Wolle und Leinen wurde zumindest in gemäßigten Klimazonen im Laufe der Zeit immer weniger Pelz- und Fellkleidung getragen. Auch lernten die Menschen, Tierhäute zu enthaaren und durch Gerbung haltbar zu machen. Dieses Leder war ein weiterer Rohstoff zur Herstellung von Bekleidung.
Im Altertum trug vorrangig die ärmere Landbevölkerung wärmende Tierfelle.
Während des Mittelalters fand dann auch die Mittel- und Oberschicht am Pelz von Zobel, Marder und Hermelin Gefallen. Damit wurden Säume und Krägen besetzt oder Mützen und Westen gefüttert. Pelz etablierte sich schließlich auch als fester Bestandteil der offiziellen Kleidung von Herrschern, Beamten und Geistlichen (Statussymbol).
Im 19ten Jahrhundert galten dann vor allem Mantelfutter, Krägen und Manschetten aus Pelz vom Biber, Fischotter oder Bisamratte als elegant – auch bei den Herren. Pelzgarnituren, bestehend aus Mütze, Schal und Muff oder Handschuhen, waren bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein beliebt. Neben Zobel und Hermelin wurden immer mehr günstigere Felle von Kaninchen, Lamm oder Biber verarbeitet.
Pelz im 20. Jahrhundert
Ab den 1920er Jahren ging es mit der Pelzbranche dann aufgrund rückläufiger Nachfrage bergab. Aber Not machte erfinderisch, und so bekam das Thema wieder Aufwind durch die Erschaffung von Pelzkleidung für den Sommer. Der hochmodische Sommerpelz bestand aus den leichten, kurzen oder geschorenen Fellen von Antilope, Känguru, Gazelle oder Maulwurf. Seither gilt Pelz nicht mehr als Saisonkleidung.
Während bisher Pelz meistens mit den Haaren nach innen als Futter getragen wurde, gab es mit Beginn des 20ten Jahrhunderts immer mehr Jacken und Mäntel aus sogenanntem Außenpelz, die mit den neu erfundenen Pelznähmaschinen relativ kostengünstig hergestellt werden konnten. Pelz als Futter oder Besatz in Verbindung mit Stoff blieb jedoch nach wie vor beliebt. Während Fuchs und Nerz bis heute viel verwendet werden, wechselten Tierarten immer wieder mal. So waren Leopard und das Fell des Karakulschafs (Persianer) nach dem zweiten Weltkrieg besonders „in“, als die Menschen Lust auf Luxus hatten.
Gestern pfui, heute hui... Pelz ab 1980
Ab den 1980er Jahren führten zahlreiche Aufklärungskampagnen von Tierschutzorganisationen und die Veröffentlichung von schrecklichen Bildern vor allem aus Nerzfarmen dazu, dass die Lust auf Pelz merklich abnahm. Marken wie Calvin Klein verzichteten medienwirksam auf Tierfelle und Supermodels wie Naomi Campbell präsentierten sich Anfang der 1990er Jahre komplett hüllenlos für den Slogan „Lieber nackt als im Pelz“.
Nachdem Pelz bei der Mehrheit der Bevölkerung jahrelang verpönt und Ende der 1990er Jahre aus dem Straßenbild so gut wie verschwunden war, ist er seit den 2010er Jahren leider wieder stark im Kommen, und die Pelzindustrie verzeichnet steigende Umsätze. Der Look ist dank neuer Technologien bunt und kommt oft im Mix mit anderen Materialien daher. Das Leiden der Tiere scheint vergessen und „das bisschen Pelz am Pulli“ wohl für die KonsumentInnen moralisch vertretbar.
Hinzu kommt, dass in Fernost viel Billigpelz produziert wird und die Produkte daraus für jedermann erschwinglich geworden sind. Das Interesse an Vintage-Kleidung (übersetzt: aus einer früheren Zeit), spielt ebenfalls eine Rolle, da vor allem junge Menschen auf Flohmärkten oder in Second- Hand-Läden alte Pelzkleidung kaufen. Auch Kürschner bereiten alte Pelze auf und machen Modisch-Neues daraus, so dass Fell und Pelz wieder im Alltag gegenwärtig sind. Während einige Modehersteller wie Stella McCartney und Tommy Hilfiger sowie große Modefirmen wie H&M und Zara konsequent auf Pelz verzichten, produzieren andere wie beispielsweise Fendi nach dem Motto „Spaß mit Pelz“ in großem Stil. Und sind erfolgreich.
„Ist von Omi, trage ich doch nur auf“
Diese Begründung hört man oft und in der Tat erscheint es sinnvoll, einen geerbten Mantel aus Tierfell nicht wegzuwerfen. Wir meinen jedoch, dass Pelztragen in der Öffentlichkeit zum Nachahmen animiert.
Spenden Sie das Erbstück lieber einer Tierschutzorganisation, die es dann zum Beispiel als Anschauungsobjekt verwenden kann.
Pelztiere
Bekannte und häufig für Bekleidung oder Accessoires verwendete Felle stammen von Nerzen, Füchsen, Marderhunden und Waschbären.
Amerikanischer Nerz
Der auch als Mink bezeichnete Amerikanische Nerz gehört zur Familie der Marder. Seine ursprüngliche Heimat ist Nordamerika, wo er immer in der Nähe von Gewässern in Erdbauten lebt. Die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere können sehr gut schwimmen und tauchen. Als Einzelgänger kommen Minks nur während der Paarungszeit zusammen. Sie sind reine Fleischfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum aus kleinen Säugetieren, Fischen und Vögeln. Das glänzende, dichte Fell dieses hübschen Raubtieres war schon immer begehrt. In Nordamerika wurde der Mink aufgrund seiner nachtaktiven Lebensweise mit Fallen gefangen, bis seine Zucht in Gefangenschaft Anfang des 20ten Jahrhunderts gelang. Seither wird er fast in der ganzen Welt in sogenannten Farmen gehalten und ist heute das mit Abstand am häufigsten gezüchtete Pelztier.
Neben der Wildfarbe (verschiedene Brauntöne) gibt es fast 30 weitere, gezüchtete Fellfarben wie weiß, schwarz und silber, die unter anderem zur Herstellung von Mänteln Krägen und Besätzen verwendet werden.
Da Zuchtnerze auch nach Europa verkauft wurden, wo aus den Farmen immer wieder Tiere entweichen konnten, kommt der Amerikanische Nerz inzwischen in ganz Europa in freier Wildbahn vor.
Füchse
Füchse sind Raubtiere und gehören zoologisch zur Familie der Hunde. Sie werden hinter dem Nerz am zweithäufigsten in Pelzfarmen gezüchtet. Daneben werden sie in verschiedenen Ländern in freier Wildbahn gejagt. Es gibt viele verschiedene Arten von Füchsen. Für die Pelzproduktion relevant sind jedoch nur drei.
Rotfuchs (Vulpes vulpes)
Rotfüchse kommen natürlicherweise auf der gesamten Nordhalbkugel und inzwischen durch gezielte Ansiedelung auch in Australien vor. Die vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Tiere leben in Erdbauten, sind sehr anpassungsfähig und in fast allen Lebensräumen zu finden. Sogar in Städten. Als Allesfresser besteht ihr Speiseplan unter anderem aus Mäusen, Kaninchen, Beeren, Nutzgeflügel, Kompostabfällen und Aas.
Füchse leben in freier Wildbahn außerhalb der Paarungszeit meist allein, versorgen aber die Jungen oft gemeinsam. Bei Stadtfüchsen werden auch immer wieder länger zusammenlebende Familiengruppen beobachtet. Rotfüchse werden in geringem Maße in Farmen gezüchtet, der Großteil der Felle stammt aus der Bejagung. Die Schwänze und Felle von Rotfüchsen sind heute stark nachgefragt und werden unter anderem für Mäntel, Innenfutter oder zur Verbrämung von Mützen und Besätze an Krägen verwendet. Auch Heimtextilien wie Decken und Kissenbezüge aus echtem Fuchspelz sind sehr beliebt.
Silberfuchs
Der Silber- oder Schwarzsilberfuchs ist keine eigene Fuchsart, sondern eine Farbvariante des Rotfuchses. In freier Wildbahn kommt es gelegentlich zu dieser spontanen Farbmutation. Solche wildgefangenen Silberfüchse bildeten dann auch Ende des 19ten Jahrhunderts den Grundstein der Pelztierzucht in Kanada. Ihr dichtes Haarkleid galt ein Jahrhundert lang als überaus kostbar und ist immer noch stark nachgefragt. Heute stammen die Felle der Silberfüchse fast ausschließlich aus Farmhaltungen vor allem in Skandinavien, Nordamerika und Russland, wo durch Mutationszucht viele unterschiedliche Farbvarianten produziert werden.
Aus dem Pelz der Tiere werden neben Mäntel, Jacken, Capes, Westen und Krägen auch Wohntextilien wie Teppiche, Bettvorleger, Decken und Kissenbezüge hergestellt.
Polarfuchs (Vulpes lagopus)
Der Polarfuchs wird auch als Steinfuchs, Eisfuchs oder Arktischer Fuchs bezeichnet. Er ist in den arktischen Regionen der Nordhalbkugel (z.B. Alaska, Kanada, Grönland, Island, nördliches Russland) beheimatet. Mit seinem dicken Fell und einer entsprechenden Fettschicht übersteht das scheue Raubtier selbst Temperaturen von unter 50 Grad. Der Speiseplan des Polarfuchses reicht von kleinen Säugetieren wie Lemmingen, Hasen und Mäusen über Vögel und Eier bis hin zu Aas. Er gilt als monogam und soll als Paar ein Leben lang zusammenbleiben.
Polarfüchse zeigen eine große Besonderheit: Sie wechseln im Jahresverlauf ihre Fellfarbe. Das Sommerfell ist bei allen Tieren ähnlich. Die Grundfarbe ist braun, graubraun oder rötlich, während Bauch, Flanken und die Unterseite des Schwanzes weißlich-beige gefärbt sind. Dieses Sommerfell gilt als wertlos. Sehr begehrt ist dagegen das dichte Winterfell des Polarfuchses, welches sich in zwei Farbschlägen zeigt. Es kommen Tiere mit bläulich-grausilbrigem Winterfell vor (Blaufüchse) und Exemplare mit reinweißer oder leicht cremiger Fellfarbe (Weißfüchse).
Blau- und Weißfüchse werden vor allem in Finnland in Farmen gezüchtet. Das oft langhaarige Fell wird unter anderem für Krägen und Besätze verwendet. Für einen knöchellangen Mantel werden etwa 14-16 Felle benötigt.
Weitere Farbschläge, z.B. Kreuzfuchs
Neben dem Silberfuchs gibt es noch weitere Farbschläge des Rotfuchses. Zum Beispiel den Kreuzfuchs, der seinen Namen einer kreuzähnlichen, farblich abgesetzten Fellzeichnung auf dem Rücken verdankt. Seine natürlichen Vorkommen entsprechen denen des Silberfuchses. Kreuzfüchse werden in freier Wildbahn gejagt und gelegentlich in Farmen zum Beispiel in Skandinavien gezüchtet. Anders als beim Silberfuchs, der zuchtrein ist, ergibt die Verpaarung zweier Kreuzfüchse Nachkommen mit Fellfarben von Rot-, Silber- und Kreuzfuchs. Der Pelz dieses schönen Raubtiers wird meistens zu Besätzen an Krägen, Capes und Kapuzen verarbeitet.
Marderhund (Nyctereutes procyonoides)
Auch der Marderhund (oder Enok) gehört zur Familie der Hunde und ist daher mit den Füchsen und unseren Haushunden verwandt, obwohl er vom Aussehen dem Waschbären ähnelt. Das spiegelt sich auch in den zahlreichen Namen wieder, die seinem Pelz gegeben werden wie beispielsweise Finnraccoon (übersetzt Waschbär aus Finnland) und Chinesischer Waschbär. Woher die häufig in Fachkreisen verwendete Bezeichnung „Seefuchs“ stammt, ist dagegen schwer nachvollziehbar, während der Name „Tanuki“ einfach die japanische Bezeichnung für Marderhund ist. Verständlich, denn die ursprüngliche Heimat des Enok liegt in Teilen von China und Vietnam sowie in Sibirien und Japan. Anfang des 20ten Jahrhunderts wurden Marderhunde in Russland als Pelztier eingeführt und auch in großer Anzahl zur Jagd ausgesetzt. Die Ausbreitung erfolgte zügig, und seit mehreren Jahren gelten Enoks auch in Deutschland als heimisch.
Die scheuen Raubtiere leben bevorzugt in waldreichen Gebieten in sozialen Familiengruppen zusammen. Sie gehen in der Dämmerung auf Nahrungssuche und fressen fast alles, was ihnen vor die Schnauze kommt wie beispielsweise Eier, Vögel, Mäuse, Insekten, Früchte und Aas. Als gute Schwimmer und Taucher erbeuten Marderhunde auch Fische und Amphibien.
Als Pelztier werden Marderhunde hauptsächlich in Farmen vor allem in Ostasien und Finnland gezüchtet oder in freier Wildbahn gejagt. Die Felle werden vor allem zu Krägen, Stolen und Kapuzeneinfassungen verarbeitet. Für einen ganzen Pelzmantel braucht es 27 bis 30 Felle.
Waschbär (Procyon lotor)
Der Waschbär ist ein Raubtier aus der Familie der Kleinbären. Er ist schlau und verfügt über ein gutes Gedächtnis. Außerdem ist er ein geschickter Kletterer und kann, dank seines besonderen Tastsinns an den Sohlen der Vorderpfoten, Gegenstände und Nahrung gut untersuchen. Waschbären sind immer hungrige Allesfresser. Ihr Speiseplan beinhaltet unter anderem Insekten, Schnecken, Würmer, Obst, Nüsse, Eier, Frösche, Fische und Krebse.
Der bevorzugte Lebensraum sind waldreiche Gebiete mit Gewässern. Die Tiere können gut schwimmen und finden auch einen Großteil ihrer Nahrung an und in Bächen, Flüssen und Seen. Daneben haben sie sich auch in Städten häuslich eingerichtet, wo sie Mülltonnen durchwühlen und in Gärten nach Nahrung suchen. Die dämmerungs- und nachtaktiven Waschbären schlafen tagsüber in Astgabeln oder Baumhöhlen, in Städten verstecken sie sich auch auf Dachböden und in Schuppen. Sie können sowohl einzeln als auch in Kleingruppen leben und unterhalten meistens soziale Kontakte zu Artgenossen.
Die ursprünglich nur in Nordamerika beheimateten Tiere wurden als Pelztiere nach Europa eingeführt und zuerst in Farmen gehalten. Entkommene sowie bewusst ausgewilderte Waschbären haben sich in freier Natur schnell angesiedelt und ausgebreitet, so dass sie heute in Frankreich, Russland, Österreich, der Schweiz sowie in Deutschland als heimisch gelten.
Heute werden Waschbären vorrangig in China in Farmen gezüchtet. Wildfelle von freilebenden und mit Fallen gefangenen Tieren stammen vor allem aus Nordamerika und Europa. Aus dem langhaarigen Fell werden hauptsächlich Besätze für Kapuzen und Krägen, sowie Handschuhe, Schuhe oder Handtaschen gefertigt. Für einen Mantel benötigt man die behaarte Haut von 30 bis 40 Tieren.
Verwirrende Namen
Raccoon ist der englische Name für Waschbär. Als Finnraccoon, Chinesischer Waschbär oder einfach nur als Raccoon bezeichneter Pelz ist aber in der Regel vom Marderhund, der auch oft als Waschbärhund bezeichnet wird.
Pelztiere sind Wildtiere
In Gefangenschaft gehaltene Pelztiere werden oft den Nutztieren zugeordnet. Wir halten das für falsch, da ein wesentliches Merkmal von Nutztieren die Haustierwerdung (Domestikation) ist, im Rahmen derer das ursprüngliche Wildtier durch selektive Zucht körperlich stark verändert wird. Auch das Verhalten wird im Laufe der Jahrtausende züchterisch geformt, damit dass Zusammenleben mit dem Menschen möglichst unkompliziert und ungefährlich ist.
Die Domestizierung der Ziege begann vor rund 11.000 Jahren, die des Rindes vor ca. 10.000 Jahren. Wissenschaftler gehen davon aus, dass mehr als 500 Jahre nötig sind, um aus einem Wildtier ein Haus- oder Nutztier zu formen. Die Geschichte der Pelztierhaltung ist jedoch wesentlich kürzer. In den 1880er Jahren fanden in Kanada die ersten Versuche zur Haltung und Züchtung von Silberfüchsen statt, in Europa wurde 1914 die erste Pelztierfarm errichtet, und die wirtschaftlich lukrative Intensivhaltung der Tiere begann sogar erst Mitte des 20ten Jahrhunderts. In bestenfalls etwas mehr als 100 Jahren können zum Beispiel Fellfarbe und Größe züchterisch verändert werden, von einer Domestikation kann jedoch unseres Erachtens keine Rede sein. Die in Farmen gehaltenen Silberfüchse, Nerze, Nutrias und Marderhunde sind hinsichtlich ihres Verhaltens und ihrer Bedürfnisse immer noch das Ebenbild ihrer freilebenden Artgenossen.

















