aktion tier Kampagne "TODSCHICK"

TODSCHICK –Wolle

Streng genommen werden nur die Haare von Schafen als Wolle bezeichnet. Haarfasern von anderen Tieren wie Ziegen, Kaninchen oder Kamelen, die auch für Kleidung verwendet werden, heißen in der Textil-Fachsprache `Edelhaare`.

06. September 2022
Ein Beitrag von Ursula Bauer
Schaf auf Weide
Foto: Ursula Bauer

Schafwolle, die durch Scheren gewonnen und zu Garn versponnen wird, besteht neben Wasser, Pigmenten, Mineralien und Fetten zu etwa 80% aus dem Faserprotein Keratin und hat zahlreiche gute Eigenschaften.

So kann Wolle viel Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen, nimmt kaum Gerüche an, ist schmutzabweisend, atmungsaktiv und knittert nicht. Aus Schafwolle wird vor allem durch Stricken, Weben, Filzen oder Walken eher robuste, wärmende Kleidung wie Mäntel, Mützen, Handschuhe und Socken hergestellt.

Die Produzenten

Unserer Hausschafe stammen von Unterarten des Mufflons ab. Bereits vor über 10.000 Jahren sollen Menschen damit begonnen haben, diese Wildschafe zu halten und daraus zahlreiche HausschafRassen zu züchten. Schafwolle war früher zur Herstellung fast jeder Art von Bekleidung überaus wichtig. Daher wurden, neben Milch- und Fleischrassen, vor allem auch Schafrassen mit möglichst üppigem Haarwuchs gezüchtet.

Das Haarkleid der wilden Mufflons besteht aus Deckhaar und Unterwolle und wird natürlicherweise im Frühjahr und im Herbst gewechselt. Bei unseren gezüchteten Wollschafen besteht das sogenannte Wollvlies vorrangig aus den weichen, dichten Haaren der ursprünglichen Unterwolle. Weggezüchtet wurde auch der jährliche Fellwechsel, so dass die Haare einfach immer weiterwachsen, wenn sie nicht geschoren werden.

Schafwolle ist nicht gleich Schafwolle

Unterscheidung nach Feinheitsgrad

Die Feinheit der Wolle ist neben derSchafrasse auch von Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand und Ernährung der Tiere abhängig. Das Klima spielt ebenfalls eine Rolle.So sind die Schafhaare in gemäßigten Breiten wie Australien feiner als in vergleichsweise rauen Regionen wie Deutschland. Die Stärke der Haare wird in Micron angegeben. 1 Micron ist eintausendstel Millimeter. Ab etwa 27 Micron wird es kratzig. Alles,was darunter ist, kann jedoch sehr gut selbst für körpernahe Kleidung verwendet werden.

Australische Merinoschafe bei einem Zuchtwettbewerb
Australische Merinoschafe bei einem Zuchtwettbewerb Foto: Cgoodwin/via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Merinowolle / Feinwolle (14,5 - 23,5 Micron)

Die feinste und weichste Schafwolle stammt vom Merinoschaf. Auch heute noch macht diese für die Textilindustrie bedeutendste Wolle über 40% der weltweit produzierten Wollmenge aus. Haupterzeugerländer sind Australien (ca. 88%), Neuseeland (ca. 4%), Südafrika (ca. 4%) und Argentinien (ca. 4%). Nicht jede Wolle von Merinoschafen ist Feinwolle.  Aufgrund des hiesigen Klimas ist die Wolle von unseren Merinos mit etwa 26-28 Micron deutlich gröber und wird vorrangig für derbe Kleidung oder Heimtextilien verwendet.

Coburger Fuchsschaf
Coburger Fuchsschaf Foto: © Ursula Bauer

Crossbredwolle / Schlichtwolle (28 - 36 Micron)

Namensgeber dieser mittelfeinen Wolle ist das Crossbred-Schaf, eine Kreuzung aus Merino- und Lincolnschaf. Daneben liefern aber auch anderen Rassen wie das Coburger Fuchsschaf oder das Texelschaf diese Schlichtwolle. Sie wird vor allem zu strapazierfähigen Stoffen wie Tweed verarbeitet oder zum Filzen oder als Füllmaterial für Kissen und Decken verwendet. Haupterzeugerland ist Südamerika.

Heidschnucke
Heidschnucke. Foto: © Ursula Bauer

Cheviotwolle / Grobwolle (ab ca. 37 Micron)

Die rustikale Grobwolle wird zum Beispiel aus dem Deckhaar von Shetland-Schaf, Heidschnucke und Karakul-Schaf hergestellt. Für Kleidung ist sie zu derb und kratzig und wird daher meistens zur Herstellung von Teppichen oder als Füll- und Dämmmaterial verwendet. Haupterzeugerland ist Neuseeland.

Schurwolle

Schurwolle stammt von lebenden, gesunden Schafen, die ein- bis zweimal jährlich geschoren werden. Schurwolle darf zwar keine recycelte Altwolle, aber höchstens 0,3% nichtwollene Fasern enthalten. Als „Reine Schurwolle“, die höchste Qualität, dürfen nur Produkte bezeichnet werden, die zu 100% aus Schurwolle ohne jegliche Beimischung bestehen.

Sterblingswolle

Sterblingswolle wurde von natürlich verstorbenen Schafen geschoren.

Gerberwolle

Gerberwollewird in der Gerberei von geschlachteten Schafen im Rahmen der Lederherstellung chemisch oder mechanisch von den (Schaf-)Häuten gelöst.

Reißwolle

Reißwolle ist ein Recyclingprodukt. Es besteht aus wollenen Altkleidern und Textilabfällen, die maschinell zerrissen und wieder neu gesponnen und gefärbt werden. Der Wollanteil von Reißwolle ist nicht messbar. Außerdem enthält sie in der Regel auch Sythetikfasern.

Auf dem Etikett steht nur Wolle

Gemäß Textilkennzeichnungsgesetz (TKG) steht dieser Begriff für Haarfasern von Schafen, denen Tierhaare von bis zu 12 anderen Arten wie von Alpakas, Lamas oder Kamelen gemischt sein können. Ob diese `Wolle` aus Haaren von toten oder lebendigen Tieren oder aus recycelter Altwolle besteht, erfährt der Konsument nicht. Der Zusatz „rein“ ist auch kein Qualitätsmerkmal, sondern bedeutet nur, dass ausschließlich Schafwolle verwendet wurde.

Wie aus Wolle Wolle wird

Traditionelle Verarbeitung

Vorrangig Hobby-Schafhalter und wollbegeisterte „Selbermacher“ verarbeiten Rohwolle auf diese, früher allgemein übliche Weise

Industrielle Verarbeitung

Für die Massenfabrikation von Wollgarn und -stoff werden moderne, elektronisch gesteuerte Maschinen eingesetzt. Die auf einzelne Arbeitsschritte spezialisierten Fabriken befinden sich meistens an verschiedenen Orten.

Lanolin (Wollfett, Wollwachs)

Das in den Talgdrüsen der Schafe gebildete Lanolin schützt die Tiere vor Nässe und Schmutz. Je nach Rasse kann die Rohwolle bis zu 16% Lanolin enthalten. Beim Waschen wird das rohe Wollfett gewonnen und gereinigt. Die zähe, hellgelbe, natürliche Substanz spendet Feuchtigkeit, hilft bei trockener Haut und wird unter anderem Kosmetika und Salben beigemischt.

Tierleid in Schafwolle

Unnatürlicher Haarwuchs

Das angezüchtete, ständige Haarwachstum ist für die Schafe lästig. Mit der immer schwerer werdenden Wollmasse wachsen auch die Probleme. Im Sommer verhindert das dicke Vlies die Luftzirkulation, die Tiere schwitzen und können sich zunehmend schlechter bewegen. Die Haare beginnen zu verfilzen, Parasiten wie Milben und Zecken nisten sich ein und verursachen starken Juckreiz, der nicht gestillt werden kann. Wie soll sich ein Schaf auch durch eine bis zu 20cm dicke Wollmasse hindurch kratzen?

Damit das Leben als Wollschaf nicht unerträglich wird, müssen die Tiere ein- bis zweimal jährlich von ihrer Matte befreit werden. In Ländern, in denen die Wollproduktion ein wichtiger Wirtschaftszweig ist, wird pünktlich „geerntet“ und gewinnbringend verkauft.

Hierzulande, wo das Fleisch wichtiger ist als die Wolle, musste jedoch ein Gesetz her, wonach die erwachsenen Exemplare aller Wollschafrassen mindestens einmal im Jahr bis Ende Juli vollständig zu scheren sind.

Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Schafzüchter das Geld für den Scherer sparen wollen. Den leidenden Tieren wird dann oft erst geholfen, wenn Vereine wie aktion tier die Quälerei aufdecken und Anzeige erstatten.

Hinzu kommt, dass die Schafe, quasi eingehüllt in einen dicken „Wollmantel“, zum Scherer kommen und etwa 15 Minuten später so gut wie nackt sind. Bis Wolle nachgewachsen ist, sind sie ziemlich schutzlos. Wenn kein warmer Stall vorhanden ist, können sie sich bei plötzlichen Kälteeinbrüchen stark erkälten oder sogar erfrieren.

Die Schur

Das Scheren der Wolle ist eine zwar nötige, aber dennoch stressige Angelegenheit. Schafe sind Herdentiere. Dass sie von ihren Artgenossen getrennt werden, versetzt sie in Unruhe. Außerdem mögen es diese Fluchttiere gar nicht, wenn man sie packt und auf den Hintern setzt. Das ist die übliche Position, in der mit der Schur begonnen wird. Wenn hier der Umgang nicht ruhig und zugewandt ist, geraten die Tiere leicht in Panik.

Bei den überzüchteten Merinos in Australien und Neuseeland gibt es zum Scheren nur ein relativ kurzes Zeitfenster im Frühjahr, während dessen alle Tiere geschafft werden müssen. Es darf nicht mehr so kalt sein, dass die nackten Schafe erfrieren und noch nicht so warm, dass sie in ihrem dicken Wollvlies den Hitzetod erleiden. Daher müssen die Scherer im Akkord arbeiten.

Dieser Stress wird an die Tiere weitergegeben. Sie werden getreten und geschlagen und mit Gewalt auf den Boden gepresst. Teilweise knien oder stellen sich die Scherer auf die Schafe, um sie zu fixieren. Kleine Schnittverletzungen kommen auch bei einer rücksichtsvollen Schur vor. Beim Akkordscheren werden jedoch tiefe Schnitte und sogar Wunden, die primitiv mit Nadel und Faden genäht werden, als normal und unumgänglich angesehen. Kein Wunder, dass viele Schafe bei der Tortur an Herzversagen sterben.

Aber nicht nur in den großen Wollnationen Australien, Neuseeland und China wird wenig Rücksicht genommen. Auch von großen Schaffarmen zum Beispiel in England ist bekannt, dass beim Scheren Tempo auf Kosten der Tiere gemacht wird.

Mulesing

Hintern eines gemulesten Schafs.
So sieht der Hintern eines gemulesten Schafs nach ein paar Jahren aus. Foto: © Russotwins/ Alamy Stock Photo

Vorrangig in Australien und Neuseeland wurde den Merinoschafen im Laufe der Zeit immer ausladendere, unnatürliche Hautfalten angezüchtet. Ziel war, mehr Wolle zu gewinnen und eine größere Hautoberfläche bedeutet mehr Haare. Das macht die Schafe aber auch anfälliger für Parasiten und Bakterien, die sich in den warmen, unbelüfteten Falten einnisten. Besonders gefürchtet ist die aus Südafrika eingeschleppte Schmeißfliege Lucilia cuprina, die ihre Eier bevorzugt in der mit Kot und Urin verunreinigten After- und Genitalregion ablegt. Aus den Eiern schlüpfen Maden, die sich in die Haut der Merinos bohren und deren Gewebe fressen. Das führt zu Entzündungen, Geschwüren, Schmerzen und starkem Juckreiz.

Um diesem Madenbefall entgegenzuwirken, erfand der Australier John W. H. Mules in den 1930er Jahren das nach ihm benannte `Mulesing`.

Dabei werden die Lämmer in einem Metallgestell auf dem Rücken liegend festgebunden. Dann schneidet man ihnen die Hautfalten um Schwanz, After und Genitalien herum ab. Auf dem anschließend glatten, wenig behaarten und gut belüfteten Areal werden seltener Fliegeneier abgelegt.

 

Mulesing ist ein brutaler, äußerst schmerzhafter chirurgischer Eingriff – ohne Betäubung! Und meist auch ohne medizinische Nachsorge. Ein wenige Stunden wirkendes Schmerzmittel muss genügen. Alles andere wird als zu zeit- und kostenintensiv angesehen. Nur magere 10% der australischen Schafzüchter sollen inzwischen freiwillig auf Mulesing verzichten. Merinowolle aus diesem Land ist also ziemlich wahrscheinlich blutbefleckt.

In Neuseeland und Südafrika dürfen Schafe per Gesetz nicht gemulest werden und es bleibt zu hoffen, dass sich auch alle Farmer daran halten. Argentinische Merinowolle gilt als mulesingfrei, da im kühltrockenen Klima Patagoniens die Gefahr des Schmeißfliegen-Befalls äußerst gering ist.

Lebendtiertransporte

Wenn der Haarwuchs mit zunehmendem Alter nachlässt, werden die australische Wollschafe meist als Schlachttiere nach Kuwait, Katar oder in die Türkei verkauft. Sie treten die Reise in riesigen Schiffen an. Oft sind bis zu 60.000 Tiere an Bord. In Videos sieht man die Schafe dicht an dicht in ihren Exkrementen stehen und verzweifelt nach Luft hecheln. Es verenden oft wesentlich mehr als die erschreckenderweise sogar gesetzlich erlaubten 2%. Teilweise wird die gesamte Ladung auf hoher See ins Meer geworfen, weil so viele Tiere gestorben sind, dass sich die Weiterfahrt nicht lohnt.

Auf die Überlebenden dieser Horrortrips wartet dann am Ziel nur der Tod durch Schlachtung, die in muslimischen Ländern auch noch ohne vorherige Betäubung erfolgt.

Neuseeland ist in Sachen Tierwohl fortschrittlicher. Bereits seit 2007 dürfen per Schiff keine zum Schlachten vorgesehenen Schafe und Rinder, sondern nur noch Zuchttiere exportiert werden. Ab 2023 soll das Verbot dann für sämtliche landwirtschaftliche Nutztiere gelten.

In Schafwolle steckt nicht nur Tierleid

Große Tierbestände

Riesige Schafherden mit bis zu 10.000 Exemplaren tragen zu Umweltproblemen wie Klimaerwärmung und Nitrateintrag in Gewässer und Böden bei. Die Tiere produzieren klimaschädliches Methangas und fressen, bei zu hohem Besatz, die Weiden extrem kahl. Durch Wind und Regen wird der vegetationslose Boden abgetragen und die Versteppung beginnt.

In Australien leben über 100 Millionen Schafe.
In Australien leben über 100 Millionen Schafe. Foto: Foto: Bernard Spragg via Wikimedia Commons CC0

Lange Transportwege

Die meiste Wolle wird nicht dort, wo die Schafe leben, verarbeitet, sondern über viele Stationen in der halben Welt herumgekarrt. Diese teilweise extrem langen Transportwege sind weder energieschonend noch umweltfreundlich. So kann zum Beispiel die Wolle in Australien vom Schaf geschoren, in China gewaschen und veredelt, in Italien kardiert und gesponnen, in Indien gefärbt, und in Taiwan zu Stoff verwoben worden sein. In Bangladesch näht man daraus Kleidung, die dann per Schiff nach Europa zum Verkauf gebracht wird.

Der Weg der konventionellen Wolle führt manchmal um die ganze Welt.
Der Weg der konventionellen Wolle führt manchmal um die ganze Welt. Foto: © Adobe Stock, Snapvision

Pestizide gegen Ungeziefer

Wollschafe werden gerne von Parasiten wie Läusen, Haarlingen und Lausfliegen befallen, die im Schutz des dicken Haarkleids Blut saugen und dadurch heftigen Juckreiz auslösen.

Zur Vorbeugung werden die Tiere mit Pestiziden besprüht oder in Bäder getaucht. Beim Waschen der Rohwolle lösen sich die giftigen Schädlingsbekämpfungsmittel. Die entsprechend belasteten Abwässer der industriellen Wollwäschereien werden vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern oft ungeklärt in die Oberflächengewässer abgeleitet.

Vollgesogene Zecke.
Vollgesogene Zecke. Foto: © Ursula Bauer

Einsatz von Chemie

In der herkömmlichen Wollindustrie kommt viel Chemie zum Einsatz. Das fängt beim Waschen der Rohwolle mit Tensiden (waschaktive Substanzen) an. Danach folgt häufig ein Vorgang zur zusätzlichen Säuberung, das sogenannte Karbonisieren. Dabei wird die Wolle zuerst mit verdünnter Säure behandelt. Durch das anschließende Erhitzen verkohlen die noch vorhandenen Pflanzenrückstände, zerfallen und können ausgepustet werden. Auch bei weiteren Produktionsschritten wie dem Beizen und Bleichen als Vorbereitung auf das Färben werden chemische Substanzen wie Chlor eingesetzt.

Das Färben selbst ist mit den giftigen Salzen von Chrom, Kupfer und Zinn ebenso problematisch wie die Veredelung. Naturbelassene Wollstoffe können verfilzen oder Knötchen bilden (pilling) und dürfen nur sanft von Hand gewaschen werden. Das Veredelungsverfahren `superwash` soll da Abhilfe schaffen. Dabei entfernt man die abstehenden Schüppchen an den Wollfasern meist mit Chlor. Anschließend werden die Fasern mit Polyamid-Epichlorhydrinharz umhüllt. Durch dieses chemische „Imprägniermittel“ kann nichts mehr verfilzen oder eingehen.

Die bei den einzelnen Produktionsschritten anfallenden toxischen Rückstande sind eine große Gefahr für die Umwelt. Während in der EU hohe Auflagen erfüllt werden müssen, gibt es in Ländern wie China, Indien, Bangladesch und Taiwan keine entsprechenden Vorgaben zu Umweltschutzmaßnahmen. Umweltfreundliche Produktionsverfahren und Kläranlagen zur Abwasserreinigung sind in diesen Ländern eher die Ausnahme.

Empfehlungen

Für Wollschafe sind das unnatürliche Haarwachstum und die zwar erleichternde, aber dennoch stressige Schur Beeinträchtigungen, die selbst bei der artgerechtesten Haltung nicht vermieden werden können. Alternativ gibt es verschiedene pflanzenbasierte Kleidung `ganz ohne Tier´ zum Beispiel aus Hanf, Leinen oder Baumwolle. Hier sollten die Rohstoffe aber unbedingt aus biologischem Anbau innerhalb der EU stammen.

Auf der anderen Seite hat die Wolle dieser friedfertigen und liebenswerten Tiere so viele gute Eigenschaften und positive Aspekte, dass wir sie unter gewissen Voraussetzungen empfehlen möchten. So ist natürliche, hochwertige Wollkleidung aus verlässlichen Quellen gesund und sehr langlebig. Der nachwachsende Rohstoff Wolle enthält kein umweltschädliches Plastik und ist zu 100% biologisch abbaubar. Außerdem muss man Kleidung daraus nicht so oft waschen, meist genügt lüften.

Hersteller unter die Lupe nehmen

Halten Sie Ausschau nach Herstellern wie hessnatur, deren Unternehmenskultur Tierwohl, Umweltschutz und faire Arbeitsbedingungen beinhaltet. Die Produktionsketten müssen transparent dargestellt und nachvollziehbar sein, der schonende Umgang mit Ressourcen und Energie ist Pflicht.

Zertifikate wie das GOTS-Siegel sind eine gute Orientierungshilfe und natürlich sollte der Rohstoff aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) stammen. Hinzu kommt die sorgsame und hochwertige Verarbeitung der Wolle. Das alles hat natürlich seinen Preis, aber nur solch langlebige Qualitätsprodukte sind auch wirklich nachhaltig.

GOTS-Siegel

Normalerweise stehen wir Siegeln eher skeptisch gegenüber, aber hier machen wir einmal eine Ausnahme, da uns der ganzheitliche Ansatz von GOTS gefällt.

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert Bio-Textilien, die den strengen ökologischen Kriterien dieser weltweit führenden, eingetragenen Gewährleistungsmarke entsprechen. Unter anderem sind sämtliche enthaltenen Pflanzenfasern oder Tierhaare zwingend aus kontrolliert biologischem Anbau beziehungsweise aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT), die verwendeten chemischen Substanzen müssen gesundheits- und umweltverträglich sein und bei der gesamten Produktion sind Abfälle und Abwässer auf ein Minimum zu reduzieren.

Des Weiteren beinhalten GOTS soziale Kriterien wie feste Arbeitszeiten und einen gesicherten Mindestlohn. Am Ende muss auch das fertige Produkt frei von gesundheitsgefährdenden Stoffen sein.

GOTS prüft jedes Jahr vor Ort durch anerkannte, zugelassene Zertifizierungsstellen. Das Logo ist geschützt und darf nur an Garnen, Stoffen oder Kleidung angebracht werden, wenn die gesamte Herstellungskette GOTS-zertifiziert ist. Von der Gewinnung der Fasern, über das Waschen, Färben, Veredeln, Spinnen, Weben, der Anfertigung von Kleidungsstücken bis hin zum Verkauf.

NEIN zu billiger Importware!

Sie möchten nicht auf Wolle verzichten, aber bewusst mulesingfreie, gesunde und umweltfreundlich hergestellte Produkte kaufen, ohne damit die katastrophalen Arbeitsbedingungen in den großen, textilverarbeitenden Ländern wie China, Taiwan, Indien und Bangladesch zu unterstützen? Dann lassen Sie zunächst einmal billige, dünn gewebte Importware links liegen!

Selber Machen

Wer selber strickt, webt oder häkelt, hat schon mal einen Teil der Produktionskette mit all ihren Ungewissheiten vermieden. Und wenn es dann noch Strickwolle von einem Demeter-Hof ist, kann man sicher sein, dass die Schafe nicht nur art-, sondern sogar wesensgemäß gehalten werden. Denn der Bioverband Demeter steht für Öko-Landbau mit strengsten Vorgaben.

Was bedeutet kbT

Die kontrolliert biologische Tierhaltung (kbT) muss mindestens den gesetzlichen Anforderungen der EU für Bio-, oder Öko-Landbau entsprechen. Diese kontrollierte Basis- Bio-Tierhaltung ist auf jeden Fall tierfreundlicher als die in der herkömmlichen Landwirtschaft. So erhalten die Tiere Auslauf und mehr Platz im Stall. Es gibt Bio-Futter und der vorbeugende Einsatz von Antibiotika ist verboten.

Verschiedene Bio-Anbauverbände wie Bioland, Naturland und Demeter stellen an die Landwirte hinsichtlich des Tierwohls jedoch höhere Anforderungen, die über die gesetzlichen BioMindeststandards hinausgehen. Zum Beispiel verbietet Demeter bei Schafen schmerzhafte Eingriffe wie die Enthornung und das Kupieren der Schwänze und steht für eine Tierhaltung, die dem Wesen des Tieres als Mitgeschöpf entspricht.

Das Kürzel kbT allein sagt noch nichts darüber aus, ob es sich um die Basis- oder die Premium-Ökohaltung handelt. Hier muss man zusätzlich auf die Siegel der anspruchsvollen Bioverbände achten.

Wolliges aus Deutschland

Versuchen Sie es einmal mit Wollkleidung, die zu fast 100% in Deutschland hergestellt wurde. Leider gibt es hierzulande keine einzige Wollwäscherei mehr. Daher muss Rohwolle in nennenswerten Mengen zum Waschen ins Ausland, zum Beispiel nach Belgien oder Portugal, gebracht werden. Alle anderen Produktionsschritte sind dann jedoch wieder in Deutschland möglich. So kann die saubere Wolle zum Beispiel in der Lausitz kardiert und gesponnen werden. Das Verweben des Garns zu Stoffen geht in einer der knapp hundert Webereien und auch das Zuschneiden und Vernähen zu Kleidungsstücken ist kein Problem. Dafür haben wir hierzulande sowohl industrielle Nähereien als auch kleine Manufakturen, die vieles in Handarbeit leisten.

Es gibt eine Reihe von Herstellern wie Nordwolle Rügen oder die Schäfereigenossenschaft Finkhof, die nachhaltige Kleidung aus Wolle von Schafen aus der Region anbieten, die artgerecht gehalten und umsichtig geschoren wurden. Es wird außerdem auf umweltfreundliche Produktionsverfahren geachtet und zumindest teilweise mit Naturfarben gefärbt.

Indem Sie bewusst deutsche Wollprodukte kaufen, unterstützen Sie die hiesigen Schäfer. Viele praktizieren die traditionelle Hütehaltung und ziehen mit ihren Herden in verschiedene Weidegebiete, wobei sie einen wichtigen Beitrag in der Landschaftspflege leisten. Wertvolle Biotope wie Magerrasen oder Heidegebiete würden ohne den Verbiss der Schafe verbuschen. Eine Entwicklung, die immer mit einem Rückgang an Tier- und Pflanzenarten einhergeht.

Außerdem halten deutsche Schäfer zum Teil sehr seltene Schafrassen wie das Grauwollige Pommersche Landschaf, das Coburger Fuchsschaf und das Kärntner Brillenschaf. Diese alten, gefährdeten Nutztierrassen sind nicht nur ein kulturelles Erbe, sondern auch bis heute gesünder, robuster und genügsamer als die überzüchteten Hochleistungs-Rassen. Dadurch eignen sie sich perfekt für den ökologischen Landbau und sind als unersetzlicher Genpool ein Schatz, der bewahrt werden sollte.

Wolle macht für die Schafhalter maximal 2% ihres Einkommens aus und ist in der Regel ein „Draufzahler“. Denn die Schur kostet Geld und oft finden die Vliese keinen Abnehmer, so dass sie entsorgt, vergraben oder als Dünger genutzt werden.

Indem Produkte aus deutscher Schafwolle wieder stärker nachgefragt werden, erhält unsere Wolle die Wertigkeit zurück, die sie verdient.