TODSCHICK –Wolle
Streng genommen werden nur die Haare von Schafen als Wolle bezeichnet. Haarfasern von anderen Tieren wie Ziegen, Kaninchen oder Kamelen, die auch für Kleidung verwendet werden, heißen in der Textil-Fachsprache `Edelhaare`.
TODSCHICK - So viel Tierleid steckt in Kleidung
Die meisten Menschen kaufen sich Kleidungsstücke und Accessoires, ohne groß darüber nachzudenken, woraus diese bestehen. Bei manchen steht ein möglichst niedriger Preis im Vordergrund, andere kaufen einfach, was ihnen gefällt oder gerade angesagt ist.
Unsere Kampagne TODSCHICK wird uns durch die Jahre 2022/2023 hindurch begleiten, denn sie besteht aus den Themen Seide, Leder, Wolle, Pelz und Daunen, die wir Ihnen hintereinander vorstellen werden.
Mit dieser Kampagne möchten wir über Kleidung aus Materialien tierischen Ursprungs informieren, für die unsere Mitgeschöpfe teilweise erheblich leiden müssen. Damit Sie Ihre Kaufentscheidungen in Zukunft bewusster treffen und eventuell auf Alternativen ausweichen.
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Schafwolle, die durch Scheren gewonnen und zu Garn versponnen wird, besteht neben Wasser, Pigmenten, Mineralien und Fetten zu etwa 80% aus dem Faserprotein Keratin und hat zahlreiche gute Eigenschaften.
So kann Wolle viel Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen, nimmt kaum Gerüche an, ist schmutzabweisend, atmungsaktiv und knittert nicht. Aus Schafwolle wird vor allem durch Stricken, Weben, Filzen oder Walken eher robuste, wärmende Kleidung wie Mäntel, Mützen, Handschuhe und Socken hergestellt.
Die Produzenten
Unserer Hausschafe stammen von Unterarten des Mufflons ab. Bereits vor über 10.000 Jahren sollen Menschen damit begonnen haben, diese Wildschafe zu halten und daraus zahlreiche HausschafRassen zu züchten. Schafwolle war früher zur Herstellung fast jeder Art von Bekleidung überaus wichtig. Daher wurden, neben Milch- und Fleischrassen, vor allem auch Schafrassen mit möglichst üppigem Haarwuchs gezüchtet.
Das Haarkleid der wilden Mufflons besteht aus Deckhaar und Unterwolle und wird natürlicherweise im Frühjahr und im Herbst gewechselt. Bei unseren gezüchteten Wollschafen besteht das sogenannte Wollvlies vorrangig aus den weichen, dichten Haaren der ursprünglichen Unterwolle. Weggezüchtet wurde auch der jährliche Fellwechsel, so dass die Haare einfach immer weiterwachsen, wenn sie nicht geschoren werden.
Schafwolle ist nicht gleich Schafwolle
Unterscheidung nach Feinheitsgrad
Die Feinheit der Wolle ist neben derSchafrasse auch von Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand und Ernährung der Tiere abhängig. Das Klima spielt ebenfalls eine Rolle.So sind die Schafhaare in gemäßigten Breiten wie Australien feiner als in vergleichsweise rauen Regionen wie Deutschland. Die Stärke der Haare wird in Micron angegeben. 1 Micron ist eintausendstel Millimeter. Ab etwa 27 Micron wird es kratzig. Alles,was darunter ist, kann jedoch sehr gut selbst für körpernahe Kleidung verwendet werden.

Merinowolle / Feinwolle (14,5 - 23,5 Micron)
Die feinste und weichste Schafwolle stammt vom Merinoschaf. Auch heute noch macht diese für die Textilindustrie bedeutendste Wolle über 40% der weltweit produzierten Wollmenge aus. Haupterzeugerländer sind Australien (ca. 88%), Neuseeland (ca. 4%), Südafrika (ca. 4%) und Argentinien (ca. 4%). Nicht jede Wolle von Merinoschafen ist Feinwolle. Aufgrund des hiesigen Klimas ist die Wolle von unseren Merinos mit etwa 26-28 Micron deutlich gröber und wird vorrangig für derbe Kleidung oder Heimtextilien verwendet.
Crossbredwolle / Schlichtwolle (28 - 36 Micron)
Namensgeber dieser mittelfeinen Wolle ist das Crossbred-Schaf, eine Kreuzung aus Merino- und Lincolnschaf. Daneben liefern aber auch anderen Rassen wie das Coburger Fuchsschaf oder das Texelschaf diese Schlichtwolle. Sie wird vor allem zu strapazierfähigen Stoffen wie Tweed verarbeitet oder zum Filzen oder als Füllmaterial für Kissen und Decken verwendet. Haupterzeugerland ist Südamerika.
Cheviotwolle / Grobwolle (ab ca. 37 Micron)
Die rustikale Grobwolle wird zum Beispiel aus dem Deckhaar von Shetland-Schaf, Heidschnucke und Karakul-Schaf hergestellt. Für Kleidung ist sie zu derb und kratzig und wird daher meistens zur Herstellung von Teppichen oder als Füll- und Dämmmaterial verwendet. Haupterzeugerland ist Neuseeland.
Schurwolle
Schurwolle stammt von lebenden, gesunden Schafen, die ein- bis zweimal jährlich geschoren werden. Schurwolle darf zwar keine recycelte Altwolle, aber höchstens 0,3% nichtwollene Fasern enthalten. Als „Reine Schurwolle“, die höchste Qualität, dürfen nur Produkte bezeichnet werden, die zu 100% aus Schurwolle ohne jegliche Beimischung bestehen.
Sterblingswolle
Sterblingswolle wurde von natürlich verstorbenen Schafen geschoren.
Gerberwolle
Gerberwollewird in der Gerberei von geschlachteten Schafen im Rahmen der Lederherstellung chemisch oder mechanisch von den (Schaf-)Häuten gelöst.
Reißwolle
Reißwolle ist ein Recyclingprodukt. Es besteht aus wollenen Altkleidern und Textilabfällen, die maschinell zerrissen und wieder neu gesponnen und gefärbt werden. Der Wollanteil von Reißwolle ist nicht messbar. Außerdem enthält sie in der Regel auch Sythetikfasern.
Auf dem Etikett steht nur Wolle
Gemäß Textilkennzeichnungsgesetz (TKG) steht dieser Begriff für Haarfasern von Schafen, denen Tierhaare von bis zu 12 anderen Arten wie von Alpakas, Lamas oder Kamelen gemischt sein können. Ob diese `Wolle` aus Haaren von toten oder lebendigen Tieren oder aus recycelter Altwolle besteht, erfährt der Konsument nicht. Der Zusatz „rein“ ist auch kein Qualitätsmerkmal, sondern bedeutet nur, dass ausschließlich Schafwolle verwendet wurde.
Wie aus Wolle Wolle wird
Traditionelle Verarbeitung
Vorrangig Hobby-Schafhalter und wollbegeisterte „Selbermacher“ verarbeiten Rohwolle auf diese, früher allgemein übliche Weise






Industrielle Verarbeitung
Für die Massenfabrikation von Wollgarn und -stoff werden moderne, elektronisch gesteuerte Maschinen eingesetzt. Die auf einzelne Arbeitsschritte spezialisierten Fabriken befinden sich meistens an verschiedenen Orten.





Lanolin (Wollfett, Wollwachs)
Das in den Talgdrüsen der Schafe gebildete Lanolin schützt die Tiere vor Nässe und Schmutz. Je nach Rasse kann die Rohwolle bis zu 16% Lanolin enthalten. Beim Waschen wird das rohe Wollfett gewonnen und gereinigt. Die zähe, hellgelbe, natürliche Substanz spendet Feuchtigkeit, hilft bei trockener Haut und wird unter anderem Kosmetika und Salben beigemischt.






