Ratgeber Tiermedizin

Aus Krisenzeiten … – Corona beim Haustier

Das beherrschende Thema der letzten Monate ist zweifelsohne das Coronavirus. Im Zuge der Krise kursierten allerlei Mutmaßungen über Corona-Infektionen bei Haustieren in den Medien. Dabei wurde vieles durcheinandergebracht. Wir wollen Klarheit schaffen.

 Richtig ist, Haustiere können sich mit einem Coronavirus infizieren. Dies geschieht sehr häufig und das schon seit Jahrzehnten. Tierärzten sind diese Coronavirus-Infektionen seit langem wohl bekannt. Allerdings handelt es sich um eine völlig andere Coronavirus-Variante, als die, die uns Menschen in letzter Zeit zu schaffen macht.

Gemeinsam ist den Virenarten, dass sie einen ähnlichen Aufbau haben. Deshalb werden sie auch beide Coronaviren genannt. Doch im Detail unterscheiden sie sich gewaltig. Die Tiervariante gehört zur Gattung der Alphacoronoidae, die Menschenvariante zur Gattung der Betacoronoidae. Beide befallen unterschiedliche Wirte. Beim einen sind es eben Hund und Katze, beim anderen ist es der Mensch. Sie können nicht so einfach zwischen den verschiedenen Wirten wechseln.

Die Symptome, die die beiden Varianten auslösen, differieren grundlegend. Unsere Vierbeiner leiden vor allem unter Durchfällen, wenn sie von einem Coronavirus heimgesucht werden. Besonders Jungtiere sind betroffen. Ihr Kot ist dann nahezu flüssig, manchmal von Blutbeimengungen begleitet. Die Kleinen sind schlapp und neigen darüber hinaus zu Dehydratation. Manchmal müssen sie auch spucken. Fressen wollen sie in der akuten Phase oft nicht. Ein Test schafft Klarheit, ob ein Tier vom Coronavirus befallen ist. Die meisten Vierbeiner erholen sich schnell wieder.

Bei Katzen gibt es allerdings eine besonders bösartige Variante, doch auch diese hat rein gar nichts mit der Corona-Pandemie zu tun, die sich momentan ausbreitet. Bei etwa jedem zehnten an Corona erkrankten Schmusetiger entwickelt sich ein tödlicher Krankheitsverlauf. Auch diese Tiere bekommen zunächst nur Diarrhoe. Doch dann passiert das Fatale: Das Virus verwandelt sich in eine höchst aggressive Form. Im Rahmen der verschärften Erkrankung kommt es zur Entzündung der inneren Organe. Dem Vierbeiner geht es richtig schlecht. Er stellt das Fressen ein, bewegt sich kaum noch. Schließlich verstirbt er. Eine Heilung gibt es nicht. Diese schlimme Verlaufsform einer Corona-Infektion bezeichnet man als Feline infektiöse Peritonitis, kurz FIP. Wie gesagt, glücklicherweise genesen auch die meisten Katzen nach einem Befall mit dem Coronavirus problemlos. Nur ein kleiner Teil der Erkrankten hat das Pech, dass das Virus mutiert und derart gefährlich wird. Das einzig Gute daran: Die mutierte tödliche Form ist nicht mehr von Katze auf Katze übertragbar.

Menschen hingegen zeigen bekanntlich auch eine sehr variable Symptomatik, wenn sie an Corona erkrankt sind. Nur zur Klarheit: Ab jetzt sprechen wir von der aktuellen Virus-Variante! Manche Personen bemerken nicht einmal, dass sie infiziert sind, andere entwickeln Fieber und Husten und die am schlimmsten Betroffenen leiden unter echter Atemnot und können sogar versterben.

Gemeinsam haben beide – die erstgenannte Tier- und die letztgenannte Menschen-Virusvariante – nur leider, dass es bisher keine echte Therapie gibt. Man kann den Patienten, egal ob er vier oder zwei Beine hat, nur symptomatisch behandeln. Das heißt, es gibt keine Medizin, die das Virus tatsächlich abtötet, sondern es bleibt nur, den Körper zu stärken, so dass er möglichst selbst in der Lage ist, den Krankheitserreger zu eliminieren.

Doch welche Rolle spielen nun eigentlich Haustiere in Bezug auf die neue Virus-Variante, die die Menschen befällt?

COVID 19 hat in wenigen Einzelfällen (wir reden hier bisher vom einstelligen Bereich!) Katzen infiziert, nachdem sie in engem Kontakt zu ihrem erkrankten Besitzer bzw. Pfleger standen. Diese Tiere zeigten eine leichte Symptomatik, gesundeten aber nach kurzer Zeit. In einem einzigen Versuch, der laut Fachleuten etliche Mängel aus wissenschaftlicher Sicht aufwies, haben chinesische Forscher nach eigenen Angaben eine Übertragung des Virus von Katze zu Katze nachgewiesen. Dazu wurde fünf Katzen hohe Dosen Virusmaterial direkt in die Nase gespritzt. Unter natürlichen Bedingungen völlig unrealistisch. Drei Tiere erkrankten. Diese wiederum verbrachten die Ärzte mit fünf weiteren gesunden Katzen mehrere Tage in einen Raum. Lediglich EINE dieser fünf gesunden Katzen steckte sich an.

Was folgern wir daraus? Ja, theoretisch ist eine Übertragung von Tier zu Tier möglich. Doch die von den Forschern vorgegebenen Umstände kommen im wahren Leben nie vor. Also können wir – wenn man aus einer derart schlecht aufgestellten Studie überhaupt einen Schluss ziehen kann – ein viel erfreulicheres Fazit ziehen: Unter realen Bedingungen ist eine Übertragung von Tier zu Tier absolut unwahrscheinlich.

Und nun zum wichtigsten Punkt. Weltweit ist bis dato kein einziger Fall bekannt, in dem sich ein Mensch bei einem Haustier angesteckt hätte.

Und auch, wenn immer wieder gemutmaßt wird, dass das Virus seinen Ursprung in der Tierwelt hat, belegt ist das bisher nicht. Dies bedeutet im Endeffekt, Haustiere tragen nicht zur Ausbreitung von COVID 19 bei. Sie spielen im Seuchengeschehen keine Rolle. Also sind Kuscheln und Freigang für Hund und Katze weiterhin erlaubt. Andersartige Aussagen fallen unter die Rubrik „Panikmache“ und sind damit unseriös. Unsere Haustiere sind sicher nicht die bösen Buben der Pandemie, da muss sich die Menschheit leider an die eigene Nase packen.

Ein Kommentar von Jan Peifer Massentierhaltung und das Corona-Risiko

Das aktuelle Corona-Virus hat die Schranke zwischen Mensch und Tier übersprungen, wie andere Viren bereits zuvor. Vermutlich wurde das Virus auf einem chinesischen Tiermarkt zwischen verschiedenen Tierarten und dann auf den Menschen übertragen.

Der genaue Weg ist noch nicht klar, doch Experten beschäftigen sich schon lange mit den möglichen Übertragungswegen. Klar ist aber schon jetzt, dass das Risiko für eine solche Übertragung steigt, wenn viele Tiere auf sehr engem Raum leben müssen. Treffen sich hier dann auch noch Arten, die normalerweise keinen Kontakt miteinander haben, steigt das Risiko weiter. Für Menschen gilt die Sicherheitsvorkehrung, Menschenmengen möglichst zu vermeiden. Diese Maßnahme sollte auch für die Haltung von Tieren übernommen werden. So wurde der betroffene Markt im chinesischen Wuhan zunächst auch geschlossen, doch mittlerweile ist er wieder geöffnet. Neben vielen anderen Lebensmitteln werden die unterschiedlichsten Tiere gehandelt, darunter Hunde, Reptilien, Geflügel, große Tiere wie Kamele oder Esel und kleine Tiere wie Fledermäuse oder Frösche. Insbesondere auf die Tiere, die für den Verzehr verkauft werden, wird keinerlei Rücksicht genommen, dementsprechend zeigen sich auch die hygienischen Bedingungen.

Dr. med. vet. Tina Hölscher

Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

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