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Von Haus aus krank – Augen auf beim Rassekauf!

Manche Lebewesen auf diesem Planeten haben einfach Pech, Riesenpech. Sie werden geboren und sind von Anfang an krank. In einigen Fällen kann das ein Zufall sein. In anderen ist es aber fast vorhersehbar. Wir reden hier von Tieren aus bestimmten Zuchtlinien einschlägiger Rassen. Meist sind schon ihre Eltern und Großeltern betroffen. Bereits sie leiden von Geburt an bis zu ihrem letzten Tag unter ihren Schwachstellen.

Französische Bulldogge mit zu kurzer Schnauze. Foto: Daniel Borker / Lizenz: Pixabay

Verantwortungslose Züchter produzieren massenweise Nachkommen, obwohl sie schon vorher wissen, dass es mehr als wahrscheinlich ist, dass die Babys dieser Elterntiere dauerhaft krank sein werden. Die Rede ist von sogenannten Qualzuchten. Darunter fallen alle Zuchtlinien, die mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder auch Verhaltensstörungen für die Nachkommen einhergehen.

Zu den bekanntesten Beispielen gehören die kurzköpfigen Hunderassen mit der eingedellten Nase und den hübschen schwarzen, hervorstehenden Kulleraugen. So süß sie aussehen und so lieb sie oft sind: Diese Hunde überhitzen leicht, sind deswegen kaum belastbar und leiden unter allgegenwärtiger Atemnot. Die Lage ihrer Augäpfel ist prominent, wenig geschützt und damit verletzungsanfällig.

Doch die Liste armer Kreaturen ist viel länger

Lustige Faltohrkatzen haben häufig nicht nur verkrüppelte Ohren, auch der restliche Körper weist oft Knorpelschäden auf, die dauerhaft zu Arthrosen und damit zu Schmerzen führen. Und auch bei Kaninchen, Meerschweinchen, Hühnern und Fischen gibt es viele Rassen, die Merkmale aufweisen, die mit Gendefekten gekoppelt sind und damit ein unbeschwertes Tierleben von Beginn an unmöglich machen.

Was kann der Tierfreund tun, um diese Züchtungen nicht zu unterstützen?

Ganz einfach: Augen auf beim Rassekauf! Wenn es denn schon ein reinrassiges Tier sein muss, sollte sich der zukünftige Halter unbedingt über die jeweilige Rasse genau informieren. Rassedisposition ist hier das Schlagwort. Unter einer Disposition versteht man die Veranlagung zu einer bestimmten Krankheit. Damit ist also gemeint, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Tier einer bestimmten Rasse gewisse Krankheiten bekommt. Das können Allergien, Knochenschäden, Nierenzysten und viele weitere Fehlanlagen sein. Manche Rassen neigen zu multiplen Problemen, andere sind eher dafür bekannt robust und gesund zu sein. Daher sollte die Wahl auf eine Rasse fallen, die keine oder sehr selten Krankheitsdispositionen aufweist.

Trägt man sich also konkret mit dem Gedanken, ein reinrassiges Tier zu erwerben, gilt es zunächst die Defizite dieser Rasse zu recherchieren. Im besten Fall stößt der zukünftige Tierhalter auf keine bestimmten Erkrankungen. Wenn aber doch, gilt es einen Züchter ausfindig zu machen, der genau diese Krankheitsdisposition im Auge hat und durch sorgfältige Auswahl der Elterntiere darauf achtet, dass diese negativen Merkmale nicht vererbt werden. Je nach Defekt kommen hier verschiedene Methoden in Betracht, um auszuschließen, dass die Nachkommen den Gendefekt vererbt bekommen. Von einigen Erbkrankheiten ist bereits die Gensequenz bekannt, und der Züchter kann schon vorher durch eine Blutuntersuchung ausschließen, dass seine Elterntiere diese Veranlagung haben. Damit werden dann auch die Jungtiere gesund sein. Andere Krankheiten betreffend gibt es Vorsorgeuntersuchungsverfahren, die eine Veranlagung weitgehend ausschließen können, so zum Beispiel bei der Hüftgelenksdysplasie. Zugelassene Tierärzte können mittels standardisierter Methoden genau ermitteln, wie belastet ein potenzielles Elterntier für die Weitergabe der Veranlagung einer instabilen Hüfte ist.

Je rationaler man an die Sache herangeht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich ein gesundes Jungtier ins Haus holt. Damit tut man nicht nur sich selbst und dem jeweiligen Tier einen Gefallen, sondern man legt damit auch langfristig Tiervermehrern das Handwerk, die nur auf Profit aus sind. Denn sie finden keine Käufer mehr für ihre Nachzuchten. Indirekt kommt das nicht nur dem eigenen Vierbeiner, sondern allen zugute!

Das Beste ist natürlich, sich gar nicht erst einen Hund bei einem Züchter zu kaufen, sondern sich in einem Tierheim umzuschauen. Die Tierheime in Deutschland sind voll von Tieren, die dringend ein neues Zuhause suchen. Hier sind alle Altersklassen und Arten vertreten. 

Dr. med. vet. Tina Hölscher

Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

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