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Rattengift

Rattengifte (Rodentizide) sind chemische Mittel zur Bekämpfung von Ratten und Mäusen. Sie wirken nicht nur bei den sogenannten „Zielorganismen“ todsicher, sondern gefährden auch andere Tiere, uns Menschen und unsere Umwelt.

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Foto: Robert Balog/Pixabay

Rodentizide werden vorrangig in fester Form als Fraßköder angeboten, zum Beispiel als Linsen oder Tabletten, aber auch als Paste oder Überzug von Getreide. Die Giftköder enthalten unterschiedliche Wirkstoffe. Vorrangig verwendet werden sogenannte Antikoagulanzien, die die Blutgerinnung hemmen, wie beispielsweise Vitamin-K-Antagonisten. Vitamin K wird in der Leber zur Bildung beziehungsweise Aktivierung verschiedener Gerinnungsfaktoren benötigt. Vitamin-K-Antagonisten hemmen diesen Prozess, sodass die Blutgerinnung gestört wird. Nach der Aufnahme des Giftes kommt es mit zeitlicher Verzögerung zu inneren Blutungen, an deren Folgen die meisten Tiere langsam und qualvoll verenden.

An Rattengift gestorbene Ratte. Foto: © Ursula Bauer

Auch andere Tiere können Rattengift fressen

Neben den eigentlichen „Zieltieren“, also den Mäusen und Ratten, sind auch andere Tiere durch eine Vergiftung mit den blutgerinnungshemmenden Produkten gefährdet. Bei nicht fachgerechter Auslegung können zum Beispiel gefräßige Hunde, die einfach alles verschlingen, was sie finden, das Gift aufnehmen. Stark betroffen sind auch Vögel, die vorrangig mit Gift behandelte Getreidekörner aufpicken.

Jedes Tier reagiert unterschiedlich empfindlich auf Rattengifte. Besonders Blutgerinnungshemmer der zweiten Generation wie Brodifacoum können bereits in geringen Mengen schwere oder sogar tödliche Vergiftungen verursachen. Problematisch ist dabei vor allem ihre hohe Wirksamkeit und ihre lange Verweildauer im Körper. Und das Gift bleibt nicht immer dort, wo wir es ausgebracht haben. Über vergiftete Tiere und die Umwelt kann es weitergetragen werden – und damit auch wieder in unsere unmittelbare Lebenswelt gelangen.

Wenn vergiftete Nager zur Gefahr werden

Die Wirkung der modernen Antikoagulanzien setzt meist erst nach mehreren Tagen ein, sodass die Ratten keine Verbindung zum Fraßköder herstellen. In dieser Zeit verhalten sich die kontaminierten Tiere meist noch normal und werden daher weiterhin von Raubtieren wie Eulen, Bussarden und Iltissen erbeutet. So gelangt das Gift in die Körper der Beutegreifer, ohne dass diese den Köder selbst aufgenommen haben.

Sperbereule mit erbeuteter Maus. Foto: PEXELS

Auch bereits verendete Ratten und Mäuse können eine Gefahr für Aasfresser wie Krähen und Füchse darstellen, die die Kadaver als willkommene Mahlzeit aufnehmen und sich dabei ebenfalls vergiften können.

Krähen sind besonders gefährdet, da sie sowohl Giftweizen als auch vergiftete Mäuse fressen. Foto: © Ursula Bauer

Studien aus Europa und anderen Regionen zeigen, dass Rückstände von Antikoagulanzien bei Wildtierarten wie Eulen, Füchsen, Iltissen und Mäusebussarden nachweisbar sind. Auch in Deutschland wurden solche Wirkstoffe bereits bei verschiedenen Arten gefunden.

Füchse fressen sowohl tote als auch lebendigige Nagetiere. Foto: © Ursula Bauer

Auch Igel sind gefährdet

Was viele nicht wissen: Auch Igel werden zu Vergiftungsopfern. Vor allem im Herbst, wenn sie hungrig nach Fettquellen suchen, nehmen sie auch Aas und damit im schlimmsten Fall die Kadaver vergifteter Nager auf. Es wurde auch schon beobachtet, dass Igel Köderboxen mit Rattengift öffnen und die Giftbrocken direkt fressen.

Foto: © aktion tier Igelzentrum Niedersachsen

Zwei Generationen von Antikoagulanzien im Vergleich

 Generation 1Generation 2
WirkstoffeWarfarin, Coumatetralyl, ChlorophacinonBrodifacoum, Bromadiolon, Difenacoum, Flocoumafen, Difethialon
WirkungWirken meist erst nach mehrfacher AufnahmeDeutlich stärker wirksam; bereits eine einmalige Aufnahme kann ausreichen
ResistenzenVerbreitete Resistenzen bei Ratten und Mäusen können die Wirksamkeit einschränkenNicht bekannt
Verweildauer des Gifts im KörperKürzerLänger; Wirkstoffe können sich bei mehrfacher Aufnahme im Körper anreichern
Gefahr für NichtzieltiereMöglichBesonders groß durch hohe Wirksamkeit und lange Verweildauer
AnwendungJe nach Produkt unter bestimmten Bedingungen auch durch PrivatpersonenStrengere Vorgaben; je nach Produkt bestimmten Anwendergruppen vorbehalten

Sonderfall Zinkphosphid

Für Giftlinsen und Giftweizen, die vor allem zur Bekämpfung von Feldmäusen in der Landwirtschaft eingesetzt werden, wird meist kein Blutgerinnungshemmer, sondern Zinkphosphid verwendet. Dieser Wirkstoff reagiert im Magen mit der Magensäure und bildet dabei das hochgiftige Gas Phosphin. Es schädigt wichtige Zellfunktionen und kann schnell zu einem tödlichen Organversagen führen.

Tiere, die mit Zinkphosphid vergiftete Mäuse fressen, sind deutlich weniger durch eine Sekundärvergiftung gefährdet als bei Antikoagulanzien. Der Grund: Das Zinkphosphid wird im Magen-Darm-Trakt des vergifteten Tieres größtenteils abgebaut. Eine Vergiftung über die Nahrungskette ist damit allerdings nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

 

Besonders gefährlich sind Giftlinsen und Giftweizen jedoch für Vögel, wenn sie die Giftkörner direkt aufnehmen. Gerade Tauben, Fasane, Enten und Singvögel lieben Getreide und können die Giftkörner leicht aufnehmen, wenn diese nicht fachgerecht tief in den Mäusegängen ausgebracht werden, sondern offen herumliegen. Nach der Aufnahme des Giftes können Vögel sehr schnell schwer erkranken und sterben. Leider haben wir in unserer Tierschutzarbeit immer wieder erlebt, dass Giftweizen und Giftlinsen mit Zinkphosphid auch von professionellen Schädlingsbekämpfern zum Beispiel direkt an Rattenlöchern ebenerdig ausgestreut wurden. Auch Taubenhasser setzen das Gift in Städten auf der Straße ein und gefährden damit zahlreiche Vögel.

Wie wird Rattengift zugelassen?

Jeder Wirkstoff in einem Schädlingsbekämpfungsmittel muss gemäß EU-Biozid-Verordnung genehmigt werden. Dabei werden unter anderem die Risiken für Mensch, Tier und Umwelt untersucht. Die Genehmigung erfolgt unter bestimmten Auflagen, zum Beispiel hinsichtlich Konzentration, Anwendung und Anwendergruppen.

Das fertige Produkt muss anschließend auf nationaler Ebene zugelassen werden. In Deutschland sind hierfür die Bundesstelle für Chemikalien (BfC) und die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zuständig. Die Zulassung enthält rechtsverbindliche Anwendungsbestimmungen, die Bestandteil der Gebrauchsanweisung sind. Das Problem: Selbst die strengsten Vorschriften nützen wenig, wenn die Giftköder falsch angewendet werden.

Genehmigung mangels Alternativen

Aufgrund ihrer Gefährlichkeit für Menschen, Tiere und Umwelt sind Antikoagulanzien der zweiten Generation besonders problematisch. Sie gelten deshalb als Kandidaten für eine sogenannte Substitution. Bevor sie erneut genehmigt werden, muss geprüft werden, ob es ausreichend wirksame und gleichzeitig risikoärmere Alternativen gibt. Da dies bisher nicht für alle Anwendungsbereiche der Fall ist, dürfen die Wirkstoffe weiterhin unter strengen Auflagen eingesetzt werden. Gleichzeitig werden die erlaubten Anwendungen zunehmend eingeschränkt.

Risikominimierungsmaßnahmen nicht immer ausreichend

Produkte mit bestimmten Wirkstoffen dürfen nur von festgelegten Personengruppen verwendet werden. Außerdem dürfen Rodentizide nur gegen die in der Zulassung genannten Zieltiere und in den dort festgelegten Anwendungsbereichen eingesetzt werden. Auch die Vorschriften darüber, wo und wie ein Köder ausgelegt werden darf, müssen eingehalten werden.

Bei Rodentiziden sind ausschließlich Mäuse und Ratten die sogenannten Zieltiere. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer

Trotzdem werden gefährliche Schädlingsbekämpfungsmittel immer wieder falsch angewendet. Vielleicht, weil Gebrauchsanweisungen und Sicherheitsinformationen nicht gelesen oder nicht verstanden werden. Oder weil einfach zu sorglos mit den tödlichen Giften umgegangen wird.

Da werden zum Beispiel ausschließlich für den Innenbereich vorgesehene Fraßköder draußen ausgelegt, Köderblöcke nicht in den vorgeschriebenen Köderboxen deponiert oder feuchtigkeitsempfindliche Produkte in Bereichen eingesetzt, für die sie nicht zugelassen sind wie beispielsweise in der Kanalisation.

Zur nicht sachgemäßen Anwendung zählt auch, dass Reste der gefährlichen Produkte oder vergiftete Ratten und Mäuse nicht ordnungsgemäß entsorgt werden. Dadurch können weitere Wild- oder Haustiere mit den Giftstoffen in Kontakt kommen oder vergiftete Kadaver aufnehmen.

Beispiel für einen nicht ordnungsgemäßen Gifteinsatz

Hier wurden Ratten-Köderboxen an einem Eingang zu einem Wohnblock offenbar nicht ordnungsgemäß aufgestellt. Köderstationen müssen sicher verschlossen, deutlich gekennzeichnet und mit den vorgeschriebenen Warnhinweisen versehen sein. Sie müssen außerdem so aufgestellt werden, dass Kinder und andere Tiere nicht an das Gift gelangen können.

Bieten Köderboxen mehr Sicherheit?

Viele Hersteller betonen, dass Ratten- und Mäusegift für andere Tiere ungefährlich sei, wenn es in gesicherten Stationen ausgebracht wird. Diese können zwar verhindern, dass Nichtzieltiere das Gift direkt aufnehmen. Eine Sekundärvergiftung lässt sich dadurch jedoch nicht ausschließen. Denn die Zieltiere nehmen das Gift in der Köderbox auf und laufen anschließend wieder nach draußen, wo sie von anderen Tieren gefressen werden können.

Eine vergiftete Ratte liegt neben einer Köderbox und kann jederzeit von allen möglichen Tieren gefressen werden. Foto: © Ursula Bauer

Regelungen für blutgerinnungshemmende Rattengifte der 2. Generation in Deutschland ab 2026

Im Laufe des Jahres 2026 ändert sich in Deutschland der Umgang mit Rattengiften grundlegend. Die wichtigsten Punkte sind:

  • Ab dem 23. Oktober 2026 dürfen Privatpersonen keine Rattengifte mit Blutgerinnungshemmern (Antikoagulanzien) mehr verwenden. Das betrifft sowohl Wirkstoffe der 1. als auch der 2. Generation. Bis zum 22. Oktober 2026 nicht aufgebrauchte Rattengifte müssen als gefährlicher Abfall über eine kommunale Schadstoffsammelstelle oder das Schadstoffmobil entsorgt werden. Sie gehören nicht in den Hausmüll oder in den Abfluss. 
  • Baumärkte, Gartencenter, Fachgeschäfte und Online-Händler dürfen ab dem 26. April 2026 keine Rattengifte mit Blutgerinnungshemmern (Antikoagulanzien) mehr an Privatpersonen verkaufen. 
  • Für geschulte berufsmäßige Verwender mit entsprechender Sachkunde bleibt der Erwerb und der Einsatz dieser Rattengifte weiterhin möglich. 
  • Bestimmte Berufsgruppen wie beispielsweise Landwirte oder Kanalarbeiter dürfen Rattengifte mit Blutgerinnungshemmern bis zum 28. Juli 2030 weiterhin nutzen, wenn sie eine entsprechende Qualifikation wie etwa den Pflanzenschutz-Nachweis besitzen. Nach diesem Stichtag müssen jedoch auch sie die spezielle Biozid-Sachkunde nachweisen. 
  • Seit dem 1. Juli 2026 ist eine vorsorgliche Dauerbeköderung nicht mehr erlaubt. Rattengifte dürfen ab diesem Stichtag grundsätzlich nur noch bei nachgewiesenem Befall eingesetzt werden. 
  • Ebenfalls seit dem 1. Juli 2026 gelten verschärfte Umweltschutz-Auflagen. So müssen befugte Personen Rattengifte mit Blutgerinnungshemmern in wasser- und zugriffsgeschützten Boxen auslegen, diese regelmäßig kontrollieren und verendete Ratten und Mäuse sofort einsammeln. Außerdem soll die Bekämpfungsmaßnahme so angelegt sein, dass der Befall innerhalb von maximal 35 Tagen beseitigt wird. Andernfalls muss der Anwender die Ursachen ermitteln, bevor die Giftaktion fortgeführt wird.

Wer möchte, kann sich jedes Gift besorgen

Alle Vorschriften nützen wenig, wenn gefährliche Substanzen trotz bestehender Beschränkungen im Internet angeboten und gekauft werden können. Wir haben recherchiert und sind schnell auf ein Angebot gestoßen: Giftweizen mit dem Wirkstoff Brodifacoum, ausdrücklich als frei verkäuflich angeboten!

Brodifacoum gehört zu den besonders stark wirksamen Antikoagulanzien der zweiten Generation und darf nicht von Privatpersonen angewendet werden. Wir haben das Angebot sofort dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gemeldet.

Doch wer kontrolliert solche Angebote? Und wie viele Menschen kaufen solche Produkte, ohne zu wissen, dass sie für den Privatgebrauch verboten sind?

Welche Strafe droht?

Wer Rodentizide entgegen den geltenden Vorgaben einsetzt oder Anwendungsbestimmungen missachtet, kann ordnungswidrig handeln und mit einem Bußgeld belegt werden. Die konkrete Höhe hängt vom jeweiligen Verstoß und der geltenden Rechtslage ab.

Warum werden Ratten und Mäuse überhaupt bekämpft?

Ratten und Mäuse finden überall dort ideale Bedingungen, wo es ausreichend Nahrung und geeignete Verstecke gibt. Zum Beispiel in Vorratskellern, in der Futterkammer eines Tierheims oder in Reitställen. Nicht zu vergessen sind Lebensmittelbetriebe, Mülldeponien, Mühlen und landwirtschaftliche Betriebe. Auch in unseren Häusern und Gärten können sich die Nager einnisten.

Mäuse in einem Stall. Foto: © Ursula Bauer

Sie fressen sich durch Lebensmittel- und Futtervorräte, nagen Kabel an und beschädigen Verkleidungen und Wände. Dadurch entstehen nicht selten erhebliche wirtschaftliche Schäden. Hinzu kommt die Gefahr, dass die Tiere Krankheitserreger übertragen, die zum Beispiel Leptospirose oder Salmonellose auslösen.

Oft ist es unumgänglich, Maßnahmen zur Bekämpfung zu ergreifen. Gerade im kleinen privaten Bereich sollten wir jedoch nach Möglichkeit auf Alternativen zurückgreifen, wenn sich zum Beispiel eine Mäusefamilie im Haus eingenistet hat.

Giftige Alternative

Alpha-Chloralose, ein Wirkstoff, den es als Paste oder als Überzug von Getreide gibt, wird immer wieder als besonders human bei gleichzeitig guter Wirksamkeit angepriesen. Anders als bei den beschriebenen Antikoagulanzien, bei denen die vergifteten Tiere erst nach Tagen langsam und quälend innerlich verbluten, wirkt Alpha-Chloralose auf das zentrale Nervensystem. Sie führt innerhalb weniger Stunden zu einer starken Unterkühlung, einer Verlangsamung der Körperfunktionen, zum Koma und schließlich zum Tod.

Mit Alpha-Chloralose behandelte Getreidekördern zum vergiften von Mäusen. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer

Die Hersteller behaupten, dass Alpha-Chloralose für Haustiere wenig gefährlich sei. Tierärztliche Quellen warnen dagegen vor Vergiftungen bei Hunden und Katzen. Mögliche Symptome sind unter anderem Zittern oder Krämpfe, Untertemperatur, starke Schreckhaftigkeit und Bewusstseinsstörungen. Im schlimmsten Fall kommt es zum Tod. Also doch kein „humanes Gift“ ohne Risiken.

Besonders problematisch wird es, wenn solche Köder entgegen den Anwendungsbestimmungen im Außenbereich eingesetzt werden. Dann sind neben unseren Haustieren auch Wildtiere durch direkte Aufnahme oder Sekundärvergiftungen gefährdet. Also besser Finger weg! Aber was kann man stattdessen tun?

Lebendfallen

Lebendfallen können eine Möglichkeit sein, einzelne Mäuse oder Ratten zu fangen. Als Köder eignen sich zum Beispiel Nüsse, Haferflocken oder Erdnussbutter. Die Falle sollte dort stehen, wo die Tiere entlanglaufen, also möglichst an Wänden oder anderen Laufwegen.

Gerüche und Hausmittel

Pfefferminze, Lavendel oder bestimmte ätherische Öle werden häufig als Mittel gegen Mäuse empfohlen. Ob sie tatsächlich dauerhaft wirken, ist allerdings fraglich.

Ultraschall

Auch Ultraschallgeräte werden gerne angeboten. Wir haben selbst einen Versuch in einem Berliner Büro gemacht – mit wenig überzeugendem Ergebnis.

Schlagfallen

Richtig angewendet können gute Schlagfallen zu einem schnellen Tod führen. Aus Tierschutzsicht sind sie daher den langsam wirkenden Giften vorzuziehen. Wichtig ist allerdings, dass sie nicht offen im Außenbereich und auch in Gebäuden möglichst in Schutzboxen aufgestellt und mindestens ein- bis zweimal am Tag kontrolliert werden.

Schlagfalle. Foto: © privat

Klebefallen

Obwohl Klebefallen im Internet angeboten werden, sind sie für Mäuse und Ratten in Deutschland verboten. Die Tiere bleiben daran kleben und können sich über Stunden oder sogar Tage nicht mehr befreien. Sie erleiden dabei erhebliche Schmerzen und Leiden, verletzen sich bei verzweifelten Befreiungsversuchen und können schließlich an Erschöpfung, Hunger oder Durst sterben. Der Einsatz solcher Fallen kann deshalb als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und bei erheblichen Leiden auch als Tierquälerei strafbar sein.

Maus in Klebefalle. Foto: Screenshot einer Verkaufsanzeige

Besser vorbeugen als bekämpfen

Statt beim ersten Rattenschwanz gleich die Giftkeule zu schwingen, sollte man besser überlegen, wie man den unerwünschten Nagern die Lebensgrundlage (Nahrung, Versteckmöglichkeiten) entzieht:

  • Löcher, Spalten und Kabelschächte verschließen. 
  • Lebensmittel, Tierfutter und Abfälle sicher aufbewahren. 
  • Mülltonnen und Kompost sichern. 
  • Tierfutter verschlossen aufbewahren. 
  • Vogelfutter nur unzugänglich für Ratten anbieten. 
  • Keine Lebensmittel über die Toilette entsorgen. 
  • Dichtes Buschwerk ausdünnen 
  • Gerümpel auf dem Grundstück beseitigen. 
  • Fugen, Löcher und andere Zugänge an Gebäuden abdichten. 
  • Rattensichere Türen, Gitter und Rohrverschlüsse anbringen.

Rattengift entdeckt – was tun?

Wer Giftköder ohne vorgeschriebene Warnhinweise oder lose ausgelegtes Rattengift entdeckt, sollte den Vermieter beziehungsweise die zuständige Stelle informieren. Bitte das Gift nicht mit bloßen Händen anfassen und eine Aufnahme durch Kinder oder Tiere verhindern. Bei größeren Mengen oder unklarer Gefahrenlage sollte die zuständige Behörde beziehungsweise die Polizei informiert werden.

Offen herumliegender Beutel mit Giftweizen in einer Grünanlage. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer

Tote Ratten und Mäuse sollten nur mit Handschuhen aufgenommen und so entsorgt werden, dass Hunde, Katzen und Wildtiere keinen Zugang dazu haben. Damit lässt sich zumindest das Risiko einer Sekundärvergiftung verringern.

Wenn der eigene Hund oder die Katze plötzlich ungewöhnlich matt wirkt, zittert, Blut erbricht oder andere Vergiftungserscheinungen zeigt, gehen Sie bitte sofort zum Tierarzt. Bei Verdacht auf eine Vergiftung muss unbedingt mitgeteilt werden, welches Gift möglicherweise aufgenommen wurde. Bei Antikoagulanzien kann Vitamin K1 als Gegengift eingesetzt werden. Bei Alpha-Chloralose ist eine andere Behandlung erforderlich.

Leiden verringern.

Lebende Tiere, die sich auffällig verhalten und einen kranken Eindruck machen, Ratten oder Mäuse, die typische Vergiftungserscheinungen wie Apathie, Koordinationsprobleme und Blutungen aus Nase oder Maul zeigen, verfrachtet man am besten mit Handschuhen in einen Karton und bringt sie zum nächsten Tierarzt, der sie schnell erlösen kann.

Nicht die Tiere sind das Problem

Es ist nicht leicht, als Tierfreund über das Thema Rattengift zu schreiben. Allein die Fachsprache ist so weit weg von der eigenen Denkweise, in der Begriffe wie „Schadnager“ und „Schädling“ nicht vorkommen.

Ratten sind äußerst intelligente, soziale Tiere und es bedarf vieler intelligenter Köpfe, sie mit einem besonders hinterhältigen Gift am Ende doch zur Strecke zu bringen. Die Energie, die in die Entwicklung immer potenterer Wirkstoffe gesteckt wird, sollte man meines Erachtens besser für die Ursachenforschung und entsprechende Lösungen nutzen.

Fakt ist, dass der Mensch (wie immer) die Ursache des Problems ist, welche ich unter anderem in der Massentierhaltung, in landwirtschaftlichen Monokulturen und in unserer Wegwerfgesellschaft sehe. Massentierhaltung begünstigt Rattenplagen, da Massen an frei verfügbarem Futter und warme Stelle ideale Lebens- und Vermehrungsbedingungen bieten. Monokulturen wie riesige Mais- und Sonnenblumenfelder bieten Mäusen und Ratten ein massives Nahrungsangebot, während das Fehlen von Hecken natürliche Freßfeinde wie Greifvögel, kleine Raubtiere und Störche die Flächen meiden. vertreibt was zu einer explosionsartigen Vermehrung führt. Nach der Ernte fehlt den Nagern plötzlich Futter und Deckung, weshalb sie dann in Scharen in die nahegelegenen Dörfer und Ställe abwandern. Und in unseren Städten servieren wir Ratten und Mäusen schließlich täglich ein reich gedecktes Buffet: von dem, was wir wegwerfen, können sie sich buchstäblich sattfressen.

Wir sind die Verursacher des „Nagerproblems“ und mehr als Gift fällt uns nicht ein. Oder doch – noch mehr Gift. Am Ende vergiften wir damit eine Welt, in der wir selbst leben.

Ich hoffe, dass Sie, liebe Leser, im Fall der Fälle eine geeignete Alternative finden. Die süßeste Waffe gegen störende Mäuse und Ratten ist sicherlich eine Katze – am besten eine aus dem Tierheim.

Ursula Bauer

Diplom-Biologin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.