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Tierfreundlich gärtnern ohne Maschinen

Handgeräte sind resourcenschonend, umwelt- und tierfreundlich. © aktion tier, Ursula Bauer
Lassen Sie ein bisschen Wildniss zu und die Maschinen im Schuppen. © Ursula Bauer
Tägliche Gartenarbeit ist das natürlichste Fitness-Training. © aktion tier, Both
Gartenarbeit kann man auch stückchenweise erledigen. © aktion tier, Ursula Bauer
Einen lebendigen Naturgarten können Sie nicht mit brachialem Maschineneinsatz erschaffen. © Ursula Bauer
Mit hochwertigen Handgeräten macht die Arbeit Freude. © aktion tier, Ursula Bauer
 
 

Juni 2021 | Verständlich, dass sich viele Menschen darüber freuen, dass es heutzutage zahlreiche motorisierte Geräte gibt, mit denen die Gartenarbeit mühelos und nahezu perfekt gelingt. Dass durch deren Gebrauch Millionen Kleintiere wie Käfer und Spinnen, aber auch Ringelnattern, Kröten und Igel getötet oder schwer verletzt werden, bleibt oft unbemerkt. Entscheiden Sie selbst, ob Sie Ihren Garten in Zukunft tier- und umweltfreundlich pflegen möchten, damit er zu einem ökologisch wertvollen Ort der Ruhe und Sicherheit wird. Auch für Sie!

Alles easy?

Mit der elektrischen Heckenschere bekommt die Hainbuchenreihe den perfekten Fassonschnitt, das Rasenkantenschneiden geht mit der Akkuschere ganz ohne Blasen an den Händen, und die Motorhacke gräbt den Nutzgarten fast von alleine um. Die verbuschte Ecke ist mit dem Motor-Freischneider schnell wieder tiptop, beim Baumschnitt hilft die Kettensäge, und der Häcksler schreddert alles gleich kurz und klein. Zusätzlich ersparen Laubbläser und -sauger das mühsame herbstliche Zusammenrechen der Blätter.

Nicht zu vergessen die modernen Benziner, Akku- oder Elektromäher, die in fast jedem Geräteschuppen stehen. Sehr angesagt sind auch die stylischen Mähroboter, die ihre Arbeit fast unbemerkt verrichten und Grünflächen immer penibel kurz halten.

Gut für den Menschen?

Auf den ersten Blick ja. Aber abgesehen von der Zeit- und Kraftersparnis haben Gartengeräte mit Motorisierung zahlreiche Nachteile. Sie sind meistens laut und nerven die sowieso schon lärmgeplagte Stadtbevölkerung. Exemplare mit Verbrennungsmotor stoßen auch noch stinkende, gesundheitsschädliche Abgase aus. So haben Untersuchungen der Deutschen Umwelthilfe ergeben, dass unter anderem manche Kettensägen die EU-weit geltenden Abgas-Grenzwerte massiv überschreiten.

Außerdem ist aufwändige Gartentechnik Ressourcenverschwendung, da für die Herstellung viel Energie benötigt wird, die Geräte dann aber meist nur sporadisch verwendet werden. Die Maschinen sind in der Regel weder langlebig noch recycelbar und auch nicht reparaturfreundlich.

Auch das Verletzungsrisiko ist nicht unerheblich. So können zum Beispiel Kettensägen, Heckenscheren und Freischneider Schnittwunden und Schlimmeres verursachen. Mähroboter sind für neugierige Kinderfinger gefährlich, und manch einer wurde schon beim Rasenmähen von einem hochgeschleuderten Stein getroffen. Des Weiteren kann es zu Stromunfällen aufgrund defekter Kabel und maroder Außensteckdosen kommen.

Lebensgefährlich für Tiere!

Tiere haben gegen Motoren keine Chance. Wo mit rasender Geschwindigkeit gesaugt, geblasen, gehäckselt, geschnitten und gemäht wird, gibt es kaum Überlebende. Käfer, Tausendfüßler, Regenwürmer Schmetterlinge, Spinnen, Bienen, Schnecken und Asseln werden unmittelbar zerquetscht, geschreddert oder zu Tode geschleudert. Verletzte Frösche, Mäuse und Eidechsen schleppen sich manchmal noch davon und sterben im Verborgenen. Kettensägen und Heckenscheren machen auch vor Vogelnestern und Eichhörnchenkobeln keinen Halt. Befinden sich Tierkinder darin, sind diese häufig dem Tod geweiht, da sie zu schwer verletzt sind oder die Aufzucht selbst Fachleuten nicht gelingt.

Auch Igel sind betroffen

Für unsere Igel sind alle motorisierten Gartengeräte gefährlich, die zum Schneiden in Bodennähe gedacht sind. Mit Motorsensen und Freischneidern beispielsweise wird oft das hohe Gras unter Hecken, an Gebüschen und Bäumen gekürzt. Gerade dort bauen Igel gerne ihre Nester. Sie schlafen tagsüber darin, wenn die todbringenden Maschinen anrücken. Ganz besonders problematisch sind die stark im Trend liegenden Mähroboter, da diese in der Regel auch in den Abend- und Morgenstunden laufen. Gerade dann sind die dämmerungs- und nachtaktiven Stacheltiere unterwegs. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Igel bei Gefahr instinktiv zusammenrollen, statt davon zu laufen. Diese Eigenschaften machen vor allem junge Exemplare leicht zu Opfern der scharfen Roboter-Klingen.

In den Sommermonaten werden regelmäßig schwer verletzte Igel zu Tierärzten und in Wildtierstationen wie unser aktion tier-Igelzentrum Niedersachsen oder die aktion tier Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen gebracht. Karolin Schütte, die Fachtierärztin des Igelzentrums, beobachtet einen besorgniserregenden Anstieg von Verletzungen an Rücken und Gesicht, die bei Unfällen mit Gartenmaschinen typisch sind. Oft führen die großen Fleischwunden und schrecklichen Verstümmelungen zum Tod der Tiere.

Zurück zur Muskulatur

Wer ohne Blutbad und noch dazu umweltfreundlich gärtnern will, sollte die Muskeln spielen lassen und handbetriebene Geräte verwenden. So, wie es üblich war, bevor das Aufrüsten in Sachen Gartentechnik begann. Ob Rechen, Astsäge, Schere oder Spindelmäher – all diese Handwerkzeuge sind leise, umweltschonend, platzsparend und tierfreundlich, da man beim langsamen Arbeiten Tiere besser bemerkt und schützen kann. Warum muss immer alles schnell gehen? Um Zeit zu sparen zum Beispiel fürs Sport-Studio? Das brauchen Sie nicht mehr, denn die regelmäßige Gartenarbeit mit ihren vielfältigen Bewegungen hält Menschen jeden Alters fit.

Wenn Sie zum Beispiel die Hecke gemächlich Stück für Stück von Hand stutzen, entdecken Sie auch das Amselnest mit den blaugesprenkelten Eiern und können diesen Bereich erst einmal aussparen, damit die Vogelmutter Ruhe hat. Begrüßen Sie den seltenen Bockkäfer, der den Stamm des Obstbaumes hochklettert, dessen Äste Sie mit einer Handsäge behutsam kürzen, und beobachten Sie beim Rasenkantenschneiden die Blindschleiche, die sich auf dem Plattenweg sonnt. Und wenn Sie beim Arbeiten mit der Handsichel ein Igelnest im hohen Gras unter den Büschen gefunden haben, können Sie großzügig darum herumschneiden.

Achten Sie beim Kauf Ihrer traditionellen Gartengeräte auf Qualität, hochwertige Verarbeitung und geringes Gewicht, dann geht die Arbeit leicht von der Hand und macht Spaß. Es gibt nichts Schlimmeres als eine billige Gartenschere, über die man sich nur ärgert. Gute Handgeräte sind nachhaltig, wenn sie nicht aus Kunststoff bestehen, repariert werden können und bei entsprechender Pflege ein Leben lang halten. Eigenschaften, die ein schicker Mähroboter mit Sicherheit nicht besitzt.

Die bad boys unter den Gartenmaschinen

Besonders schlimm sind Maschinen mit Verbrennungsmotor, da sie nicht nur laut sind, sondern auch noch gesundheitsschädliche Abgase wie Kohlenwasserstoffe, Stickoxide und Kohlenmonoxid ausstoßen. Wenn man auf Gartentechnik absolut nicht verzichten möchte, dann sollte man zumindest anstelle des Benziners die Elektro-Variante wählen, die dann idealerweise mit Ökostrom betrieben wird.

Laubbläser oder -sauger:

Durch deren Einsatz werden Millionen Kleintiere getötet. Neben Schnecken, Spinnen, Asseln, Regenwürmern, Insektenlarven und Tausendfüßlern sind auch kleine Frösche und Ringelnattern in Gefahr. Außerdem braucht der Garten die im Winter schützende und durch Verwitterung nährende Laubschicht. Es ist daher sinnvoll, nur alle 14 Tage den guten alten Rechen zu benutzen. Das Laub bitte nicht entsorgen, sondern zum Beispiel auf Haufen aufschichten oder unter Hecken und Sträucher sowie in den Beeten verteilen, wo es Tieren als Unterschlupf- und Überwinterungsquartier dient und sich langsam in wertvollen Humus verwandelt.

Gartenhäcksler:

Alle Geräte mit Häckselfunktion schreddern gnadenlos sämtliche Kleintiere, die mit dem Schnittgut in die Maschine gelangen. Daher empfehlen wir, darauf zu verzichten. Das im Garten anfallende Schnittgut zu zerkleinern und als Mulch oder Kompost dem ökologischen Kreislauf wieder zuzuführen, ist ein wesentlicher Aspekt des natürlichen Gärtnerns. Zerkleinern geht aber auch mit einer guten Gartenschere. Größere Äste kann man außerdem wunderbar als Hecke oder Haufen aufschichten. Diese dienen zum Beispiel Kröten, Spitzmäusen, Eidechsen, Insekten und Igeln als Jagdrevier sowie als Rückzugs- und Überwinterungsmöglichkeit.

Mein tierfreundlicher Garten

Insekten, Vögel, Eichhörnchen und Igel brauchen einen vielfältigen, möglichst naturnahen Lebensraum, der ihren Bedürfnissen gerecht wird. Angesichts des dramatischen Rückgangs vieler heimischer Tierarten, von denen bereits zahlreiche ausgestorben und etwa 30 Prozent in ihrem Bestand bedroht sind, können und sollen Haus- und Kleingärten einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten. Wie Sie Ihr persönliches Grün in eine tierfreundliche Oase verwandeln, erklären wir in unserer Kampagne "Mein tierfreundlicher Garten".

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Was ist mit der Rasenpflege?

Hier kann man überlegen, ob man eine Teilfläche nur zweimal im Jahr mäht und daraus eine artenreiche Blumenwiese entwickelt. Wäre hierfür die Arbeit mit einer Sense nicht eine ganz neue, spannende Herausforderung? Am besten lässt man sich die Kunst des Sensens von einem Fachmann beibringen.

Wenn Sie nicht auf einen Mähroboter verzichten möchten, dann lassen Sie diesen bitte nur tagsüber und unter Aufsicht laufen!

Unser Tipp

Die meisten Gartenmaschinen kann man zum Beispiel in Baumärkten mieten. Zu überlegen wäre auch, ein Gerät mit mehreren Nachbarn gemeinsam anzuschaffen. Das ist umweltschonend, energie- und platzsparend und auch noch gut für den Geldbeutel.

Wer Tiere erleben möchte, muss sie leben lassen!

Erleben Sie, wie Ihr Garten durch weniger intensive Pflege und den Verzicht auf Maschinen regelrecht aufatmet und wieder lebendig wird. Tiere und Pflanzen mögen es wild und unaufgeräumt. Wenn Sie das ermöglichen und die notwendigen Pflegearbeiten mit Handgeräten durchführen, leisten Sie einen wertvollen Beitrag zum Umwelt-, Natur- und Artenschutz. Wer Tiere erleben möchte, muss sie leben lassen!

Kampagnenvideo