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Rinder- Wahnsinn: Wie Kühe, Kälber und Mastrinder leiden

Milchkühe in Anbindehaltung
Unsere Rinder werden an die Haltungsbedingungen angepasst – eigentlich müsste es umgekehrt sein! Foto: © Ursula Bauer
Heck-Rinder
Die Züchtung des Heck-Rindes erfolgte nach historischen Darstellungen des Auerochsen. Foto: © Ursula Bauer
Schottisches Hochlandrind
Das Schottische Hochlandrind ist eine sehr alte Rinderrasse, die sich nicht für die moderne Massentierhaltung eignet. Foto: © Ursula Bauer
Vorderwälder
Stier der seltenen Zweinutzungsrasse `Vorderwälder`. Foto: © Ursula Bauer
Mutterkuh mit Kälbchen
Mutterkuh mit Kälbchen. Foto: © aktion tier e.V.
Hausrind
Beim Hausrind sind die Hörner ein wichtiger und natürlicher Bestandteil des Körpers. Foto: © Ursula Bauer
Rinder
Hörner sind kein Problem, wenn die Rinder ausreichend Platz haben. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Enthornte Rinder im Stall
Enthornte Rinder im Stall. Foto: © Ursula Bauer
Geburt eines Kalbes
Geburt eines Kalbes. Foto: © aktion tier e.V.
An der modernen Kälberaufzucht ist nichts mehr natürlich.
An der modernen Kälberaufzucht ist nichts mehr natürlich. © aktion tier Foto: © aktion tier e.V.
Einzelbox mit Kälberhütte
Einzelbox mit Kälberhütte. Foto: © Ursula Bauer
Jungbullenmast
Die meisten männlichen Tiere gelangen in die intensive Jungbullenmast, während ein Großteil der weiblichen Kälber als Milchkühe herangezogen wird. Foto: © aktion tier e.V.
Kalb in Anbindehaltung
Sogar sechs Monate alte Kälber dürfen schon angebunden gehalten werden. Foto: © Ursula Bauer
Wiener Schnitzel besteht aus Kalbfleisch.
Wiener Schnitzel besteht aus Kalbfleisch. Foto: © Ursula Bauer
Mastbullen auf Vollspaltenböden
Die meisten Mastbullen werden auf Vollspaltenböden gehalten. Foto: © aktion tier e.V.
Mastbullen
In den engen Buchten können sich die Mastbullen kaum bewegen. Foto: © aktion tier e.V.
Milchkühe in Anbindehaltung
Milchkühe in Anbindehaltung. Foto: © Ursula Bauer
Hochgezüchtete Milchkuh
Hochgezüchtete Milchkühe: Stellen Sie sich vor, zwischen Ihren Beinen baumelt ein 50-Liter-Kanister. Foto: © Ursula Bauer
Alternativprodukte für Kuhmilch
Hafer-, Mandel-, Kokos- oder Sojamilch: mittlerweile gibt es zahlreiche Alternativen zur Kuhmilch. Foto: © aktion tier e.V./Bauer
 
 

Von Ursula Bauer, Januar 2017. Heutzutage werden Hausrinder, unsere Fleisch- und Milchlieferanten, auf immer größere Leistung gezüchtet, was ihre Gesundheit und Lebensqualität beeinträchtigt. Auch grasen die meisten Rinder nicht, wie uns die Werbung suggeriert, auf grünen Wiesen in idyllischen Landschaften.

Vielmehr verbringen sie häufig ihr gesamtes Leben eingesperrt im Stall, wo sie ihre artgemäßen Bedürfnisse nicht ansatzweise befriedigen können. Zusätzlich werden sie durch medizinische Eingriffe wie das Kürzen der Schwanzspitzen und das Entfernen der Hörner an die auf Wirtschaftlichkeit und Gewinnoptimierung ausgerichteten Haltungsbedingungen angepasst. Der auf den Landwirten lastende Preisdruck und unser Konsumverhalten –viel und billig- führen dazu, dass es unseren Rindern immer schlechter geht. Mit dieser Kampagne möchten wir über das Leiden der Kühe, Kälber und Mastrinder in Deutschland informieren zu einem tierschutzbewussteren Konsumverhalten animieren.

Ursprung

Der Eurasische Auerochse (Bos primigenius) gilt als Stammform unseres Europäischen Hausrindes. Mit der letzten freilebenden Auerochsen-Kuh, die 1627 in den Wäldern bei Warschau starb, ist diese beeindruckende Wildrindart jedoch für immer von unserer Erde verschwunden. Seither gibt es mehr oder weniger erfolgreiche Bemühungen, eine Rinderrasse zu züchten, die dem äußeren Erscheinungsbild der mächtigen Auerochsen entspricht.

Der auch als `Ur` bezeichnete Auerochse war fast 2 Meter hoch, trugen mächtige Hörner und erreichten ein Gewicht von bis zu einer Tonne. Bereits vor etwa 9.000 Jahren begann die Domestikation dieser archaischen Riesen im Nahen Osten. Erstaunlicherweise wurden in Europa keine heimischen Auerochsen gezähmt und als Haustiere gehalten. Vielmehr gehen Wissenschaftler davon aus, dass vor rund 8.000 Jahren Rinder nach Europa importiert wurden, die in Syrien, im Irak und in Pakistan aus lokalen Auerochsen gezüchtet worden waren. Diese neu eingeführte Rinderrasse, die sich schnell über ganz Mittel- und Osteuropa verbreitete, wurde auch später nicht mit heimischen Uren gekreuzt, sondern separat gehalten und weiter gezüchtet. Inzwischen existieren weltweit etwa 450 verschiedene Rinderrassen.

Merkmale

Rinder sind als Wiederkäuer reine Pflanzenfresser und besitzen ein vierteiliges Magensystem, bestehend aus dem Pansen, dem Netzmagen, dem Blättermagen und dem Labmagen. Sie sind ausgesprochene Herdentiere und zeigen im Verband nicht nur ein arttypisches Rangordnungsverhalten, sondern auch eine ganz charakteristische Vorliebe für Gemeinschaftlichkeit. Rinder fressen zum Beispiel gerne zusammen und legen sich auch in der Gruppe zum Ruhen hin.

Von wegen „dumme Kuh“ - Verhaltensforscher haben herausgefunden, dass Rinder so intelligent wie Pferde sind. Nur ihre Bewegungen sind langsamer und behäbiger. Auch ist ihr Minenspiel nicht so fein was aber daran liegt, dass Rinder weniger Gesichtsmuskeln als Pferde haben. In einer wesensgemäßen Haltung mit intensivem Kontakt zu Menschen sind sie verschmust, freundlich und friedfertig. Manchmal ein wenig eigensinnig aber immer neugierig und an allem interessiert, was um sie herum geschieht. Rinder sind mutig, wenn es darum geht, Störenfriede von ihrer Weide zu vertreiben und gehen mit Herdengenossen, die sie mögen, sehr sanft und liebevoll um. Sie lassen sich bei entsprechendem Training gerne vor einen Wagen spannen und sogar reiten.


Das Rind als Nutztier

Die Rinderhaltung in Deutschland dient vorrangig der Erzeugung von Fleisch und Milch. Dementsprechend wurden spezielle Milch- und Fleischrassen gezüchtet, welche die jeweils gewünschte Eigenschaft -hohe Milchleistung, großer Fleischzuwachs- aufweisen. Daneben gibt es auch sogenannte Zweinutzungsrassen, die sowohl zur Milchproduktion als auch zur Fleischgewinnung genutzt werden können. Typische Milchrassen sind zum Beispiel Holstein-Friesian, Braunvieh und Angler-Rotvieh, als charakteristische Fleischrassen gelten Charolais, Limousin und Deutsch Angus.

Aktuell werden in Deutschland mehr als 12,6 Millionen Rinder vorrangig zur Erzeugung von Fleisch und Milch gehalten. Spezielle gesetzliche Regelungen für ihren Schutz gibt es hierzulande jedoch nicht. Lediglich die Haltung von Kälbern bis zum sechsten Lebensmonat wird durch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) konkreter geregelt. Dabei wären strenge Vorgaben zur artgerechten Haltung dringend erforderlich, denn den meisten deutschen Mastrindern, Kälbern und Milchkühen geht es nicht gut.

Unsere Rinder werden an die Haltungsbedingungen angepasst – eigentlich müsste es umgekehrt sein!

Enthornung

Das Entfernen der Hörner beim Hausrind ist weit verbreitet. Dadurch sollen vor allem gegenseitige Verletzungen verhindert werden. Hornlose Rinder halten außerdem weniger Abstand zueinander als Hornträger, so dass mehr Tiere in einem Stall untergebracht werden können. Damit die Hörner erst gar nicht wachsen, werden bei Kälbern die Hornanlagen durch Ausbrennen zerstört. Gemäß Tierschutzgesetz ist der Eingriff nur im Einzelfall zulässig, wenn er für die vorgesehene Nutzung des Kalbes zu dessen Schutz oder zum Schutz anderer Tiere unerlässlich ist. Tatsächlich müssen jedoch 75% der jährlich in Deutschland geborenen Kälber diese äußerst schmerzhafte Prozedur ertragen, die bis zu einem Alter von sechs Wochen unverständlicherweise sogar ohne Betäubung erlaubt ist und in der Regel vom Landwirt selbst vorgenommen wird. Kein Einzelfall also, sondern grausame Routine.

Auch erwachsenen Rindern werden häufig die Hörner abgesägt. Zum Beispiel bei Milchkühen, die erst angebunden gehalten wurden und dann in einen Laufstall wechseln. Denn die meisten Landwirte befürchten, dass sie selbst oder die Tiere untereinander verletzt werden könnten, wenn die behornten Kühe nicht mehr an einer Stelle fixiert sind, sondern herumlaufen können. Die Amputation von Rinderhörnern ist offiziell nur dann erlaubt, wenn sie medizinisch dringend erforderlich ist. Eine Enthornung zur Anpassung an ein Haltungssystem ist grundsätzlich verboten. Trotzdem wird sie in der Praxis fast schon automatisch durchgeführt. Das Rinderhorn ist ein gut durchblutetes und mit vielen Nerven durchzogenes Körperteil. Wird es abgesägt, blutet der Hornzapfen stark und es bleibt ein offener Zugang zur Stirnhöhle zurück, der sich erst nach Wochen schließt.

Die systematische Enthornung von Hausrindern ist aus unserer Sicht eine unnötige und grausame Verstümmelung, auf die verzichtet werden könnte, wenn die Rinder mehr Platz hätten, damit sie einander ausweichen können. Auch das immer wieder angeführte Verletzungsrisiko für Menschen durch Rinderhörner könnte durch eine gute Mensch/Rind-Beziehung und einen geeigneten Stallbau minimiert werden. Wie beim Urvater Auerochsen sind auch die Hörner bei Hausrindern ein natürlicher Bestandteil ihres Körpers und außerdem von großer Bedeutung für Sozialverhalten, Rangordnung und Körperpflege. Hornlose Rinder sehen zudem seltsam und würdelos aus. Inzwischen liegt `Wegzüchten statt Wegbrennen` voll im Trend. Bei einigen Rassen wie Galloway oder Aberdeen Angus ist das Fehlen der Hörner bereits dauerhaft genetisch verankert.

Schwanzspitzenkürzen

Vorrangig Mastbullen, die ausschließlich in Ställen mit Betonspaltenböden gehalten werden, erkranken häufiger an einer Entzündung der Schwanzspitze, der sogenannten Schwanzspitzennekrose. Zuerst kommt es zu einer starken Verhornung und Verkrustung der Schwanzspitze, bis diese im weiteren Verlauf der Erkrankung dann aufplatzt. Die eitrige Infektion kann sich im Körper ausbreiten und, wenn die Wirbelsäule erreicht wird, zu Lähmungserscheinungen führen. Auch können sich die Eitererreger in den Gelenken festsetzen und dort Entzündungen hervorrufen. Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt, werden den betroffenen Tieren meist die entzündeten oder bereits abgestorbenen Schwanzbereiche amputiert.

Zur Ursache der Schwanzspitzenentzündungen und warum fast ausschließlich Mastbullen auf Vollspaltenböden betroffen sind, gibt es derzeit nur Hypothesen wie beispielsweise Trittverletzungen bei zu enger Belegung der Boxen, gegenseitiges Benagen oder Besaugen der Schwanzspitze, Verletzungen an Spaltenböden mit scharfen Kanten oder Rattenbisse. Auch ein zu geringer Rohfaseranteil im Futter soll die Gefahr der Schwanzspitzenentzündung erhöhen.

Nach dem Bekanntwerden der Krankheit, etwa in der Mitte der 1970er Jahre, begannen die Bullenmäster damit, vorsorglich den neu zur Mast in die Ställe kommenden Kälbern das letzte Drittel der Schwanzspitze mit einem Gummiring abzubinden, damit diese abstarben. Dieses systematische und prophylaktische Abbinden der Schwanzspitzen von Rindern ist seit 1998 in Deutschland verboten. Allerdings kann die zuständige Behörde das Kürzen der Schwanzspitze von unter drei Monate alten männlichen Kälbern mittels elastischem Ring erlauben, wenn der Halter glaubhaft darlegt, dass der Eingriff im Hinblick auf die vorgesehene Nutzung zum Schutz der Tiere unerlässlich ist. Da belegt ist, dass Bullenschwänze bei der Stallhaltung auf Vollspaltenböden verletzt werden genügt diese Art der Haltung oft als Begründung für das Schwanzspitzenkürzen.

Aus Tierschutzsicht darf es keine Ausnahme vom Amputationsverbot geben. Tiere haben ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Wenn erwiesen ist, dass die Form der Haltung für eine Erkrankung verantwortlich ist, muss die Haltung verändert werden – nicht das Tier!

Anbindehaltung

In Deutschland dürfen Rinder gemäß der aktuellen Gesetzeslage ab einem Alter von sechs Monaten angebunden gehalten werden. Auch ganzjährig.

In dieser extrem tierfeindlichen Haltungsform, die vorrangig Milchkühe betrifft, stehen die Tiere auf festen Plätzen nebeneinander aufgereiht. Durch Ketten, Gitter, Halsrahmen oder Halsgurte fixiert können sie sich kaum bewegen. Aufstehen und Abliegen ist eingeschränkt möglich, jede andere Art der Fortbewegung jedoch ausgeschlossen. Dabei sind Rinder gesellig, neugierig und bewegungsfreudig. Sie teilweise ihr Leben lang in oft auch noch dunklen Ställen mit Blick auf eine Wand angebunden zu halten, ist eine besonders grausame Form der Tierquälerei.

Die Anbindehaltung ist in Deutschland zum Glück rückläufig und wird in der Regel nur noch in kleinen landwirtschaftlichen Betrieben praktiziert. Für die betroffenen Rinder ist dies allerdings kein Trost. Es gibt Bestrebungen einzelner Bundesländer, zumindest die ganzjährige Anbindehaltung abzuschaffen und Optimisten rechnen damit, dass ein entsprechendes Verbot 2020 in Kraft treten wird.

Kälberaufzucht und –mast

Die meisten der etwa 4 Millionen Kälbchen, die jährlich in Deutschland das Licht der Welt erblicken, werden bereits wenige Tage nach der Geburt von ihrer Mutter getrennt. Früher war es üblich, die Tierkinder an einem kurzen Strick oder einer Kette im Stall anzubinden. Das ist erst seit 1998 sowohl in Deutschland als auch EU-weit verboten. Dafür leben die meisten Kälber heute erst einmal in kleinen Einzelboxen - ohne nennenswerten Sozialkontakt zu Artgenossen, ohne Platz zum Springen und Herumtollen, ohne die Möglichkeit, die Umgebung zu erkunden. Gerade die ersten Wochen im Leben eines jeden Säugetieres sind äußerst wichtig und prägend. Doch anstatt von ihren Müttern umsorgt zu werden und deren Milch aus dem Euter zu trinken, leben die durch die Trennung traumatisierten Kälber isoliert und einsam von einer künstlich hergestellten Nährlösung.

Die Deutsche Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung erlaubt die Einzelhaltung bis zur maximal achten Lebenswoche. Danach ist nur noch die Gruppenhaltung erlaubt, wobei der zur Verfügung stehende Platz auch hier nur so groß sein muss, dass sich jedes Kalb ohne Behinderung umdrehen kann (1,5 – 1,8qm pro Tier). Die Haltung auf nicht tiergerechten Spaltenböden oder reinem Betonboden ist gestattet, Einstreu ist nur bis zur zweiten Lebenswoche vorgeschrieben. In Betrieben mit höchstens drei gleichaltrigen Kälbern darf die Einzelhaltung auch noch über die achte Lebenswoche hinaus praktiziert werden.

Kalbfleisch, zum Beispiel für Wiener Schnitzel, stammt von Rindern, die im Alter von höchstens acht Monaten geschlachtet wurden. Zur Produktion dieses Babyfleisches werden vorrangig männliche Kälber in speziellen Mastbetrieben in bedrückender Enge intensiv gemästet, bis sie im Alter von durchschnittlich fünf bis sechs Monaten ein Lebendgewicht von 200 bis 250 kg erreicht haben und dann geschlachtet werden. Neben den Bullenkälbern werden auch weibliche Tiere als Mastkälber verkauft, wenn sie sich nicht als Milchkühe eignen oder der Milchkuhbetrieb, in dem sie geboren wurden, gerade keinen Bedarf an Nachwuchs hat.

Rinder können bis zu 20 Jahre alt werden. Mastkälber dürfen nur höchstens acht Monate leben.

Bullenmast

Der größte Teil unseres Rindfleischs stammt von Jungbullen, also von unkastrierten männlichen Rindern. In der Intensivmast werden die Tiere mit energiereichem Futter in nur etwa 18 Monaten auf ein Schlachtgewicht von mindestens 600kg hochgemästet. Wie in der Kälbermast werden auch die Jungbullen unnötigerweise bereits nach einem Bruchteil ihrer zu erwartenden Lebenszeit getötet. Und selbst dieses kurze Leben ist nicht ansatzweise tiergerecht, denn die lebhaften jungen Rinder werden in der Regel in Gruppen von sechs bis acht Tieren ausschließlich im Stall gehalten. In den kleinen Buchten steht jedem Jungbullen nur etwa 2,5qm Platz zur Verfügung, was zu Drängeleien und Stress führt. Die Stallböden sind üblicherweise komplett mit Beton-Spaltenböden ausgelegt, die nicht eingestreut sind. Separate Liegebereiche gibt es nicht, so dass den Mastrindern zum Fressen, Bewegen und Liegen nur diese harte und durch Kot und Urin sehr glitschige Fläche zur Verfügung steht. In der Folge sind die Tiere verdreckt, rutschen oft aus und verletzen sich. Bullen in der Intensivmast leiden außerdem häufig unter Klauen- oder Gelenkserkrankungen sowie Entzündungen der Schwanzspitzen. Darüber hinaus gibt es immer noch Anbindehaltungen, wo den Tieren fast jegliche Bewegungsfreiheit genommen wird.

Mutterkuhhaltung

Die tierfreundlichste und extensivste Form der Rindfleischerzeugung ist die sogenannte Mutterkuhhaltung, die in Deutschland bisher jedoch leider nur eine relativ geringe Rolle spielt. Hier bleiben die zur Fleischgewinnung vorgesehenen männlichen und weiblichen Kälber nach der Geburt weiter bei den Mutterkühen, die nicht gemolken werden. Ihre Milch dient ausschließlich der Ernährung der Kälber. In der Regel verbringen die Kühe, Kälber und auch ein Stier gemeinsam als Herde zumindest einen Großteil des Jahres auf der Weide, was der ursprünglichen und natürlichen Lebensweise von Rindern entspricht. Die Mutterkühe dürfen in dieser Haltungsform länger leben (ca. acht Jahre) als herkömmliche Milchkühe (maximal fünf Jahre). Die Kälber haben jedoch, nachdem sie von der Geburt bis zum Absetzen (Trennung von der Mutter) im Alter von ca. zehn Monaten ein schönes Herdenleben hatten, keine rosige Perspektive. Denn sie werden entweder gleich mit einem Gewicht von ca. 300kg als Milchmastrind geschlachtet oder an Händler verkauft, welche die sogenannten Absetzer an Mäster im In- und Ausland weiter verkaufen. Selten werden die Tiere auch im eigenen Betrieb im Stall weiter ausgemästet.

Milchkühe

Bei der Milchproduktion werden die Kälber direkt nach der Geburt von ihren Müttern getrennt. Ein für Kuh und Kalb gleichermaßen traumatisierendes Ereignis. Kühe geben nur dann über einen längeren Zeitraum hinweg Milch, wenn sie einmal pro Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Unmittelbar nach der Geburt beginnt die Laktationsperiode. Das ist die Zeit, in der eine Milchkuh gemolken wird. Nach etwa 305 Tagen Melkzeit wird die Kuh für sechs bis acht Wochen trocken gestellt, damit sich ihr Körper etwas erholen und auf die Geburt des neuen Kalbes vorbereiten kann. Jede Milchkuh wird bereits einige Wochen nach der letzten Niederkunft erneut geschwängert, meist durch künstliche Besamung.

Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 4,28 Millionen Milchkühe gehalten. Vor allem durch die intensiv betriebene Hochleistungszucht und die zunehmende Fütterung mit Kraftfutter sind unsere Kühe inzwischen regelrechte Milchmaschinen. 1990 gab eine Kuh während der Melkperiode täglich ca. 15,4 Liter Milch. Heute, 26 Jahre später, sind es durchschnittlich 24,5 Liter, also rund 9 Liter mehr. Das Holstein-Rind (oder Holstein-Friesian) ist die weltweit bedeutendste Hochleistungs- Milchviehrasse und wird auch in Deutschland in der Milchproduktion am häufigsten eingesetzt. Es gibt Holstein-Kühe, die täglich sogar über 50 Liter Milch geben. Kein Wunder, dass die riesigen Euter die Tiere beim Laufen und Liegen behindern.

Wenn man bedenkt, dass für die natürliche Versorgung eines Kalbes nur acht Liter Milch täglich ausreichend sind wird deutlich, welche enorme körperliche Leistung den heutigen Milchkühen abverlangt wird. Die systematische, auf immer mehr Milch ausgerichtete Zucht führt zu zahlreichen gesundheitlichen Problemen. Zur Produktion von einem Liter Milch müssen etwa 500 Liter Blut durch die Milchdrüsen des Euters fließen. Dieses Blut fehlt in anderen Körperregionen. Es kommt zu Minderdurchblutungen und einer schlechteren Nährstoffversorgung zum Beispiel im Klauenbereich. Die Folge sind Klauenkrankheiten und Laufprobleme (Hinken).

Eine hohe Milchleistung bedeutet auch eine starke Belastung des Stoffwechsels. Es ist erwiesen, dass Hochleistungskühe häufiger an Fruchtbarkeitsproblemen leiden als Kühe mit geringerer Milchleistung. Auf eine einfache Formel gebracht: Je höher die Milchleistung umso niedriger die Fortpflanzung. So fällt bei Hochleistungskühen beispielsweise häufig die Brunst aus oder die Besamung ist nicht erfolgreich. Außerdem kommt es vermehrt zu Eierstockzysten, Gebärmutterentzündungen sowie Früh- und Fehlgeburten. Die systematische Ausnutzung gerade der Milchkühe scheint also Grenzen zu haben.

Mit widerkäuergerechtem Futter wie frischem Gras, Heu und Silage können die heute üblichen hohen Milchmengen nicht erzielt werden. Also wird Kraftfutter eingesetzt, welches jedoch einen viel zu geringen Rohfaseranteil aufweist und daher nicht artgerecht ist. Außerdem kommt es trotz der hohen Kraftfuttergaben zu immer größeren Energielücken, die zu Erkrankungen wie Leberdegeneration, Lähmungserscheinungen und Verdauungsstörungen führen können.

Während Kühe früher bis zu 20 Jahre alt wurden sind die heutigen „Milchmaschinen“ bereits nach fünf Jahren völlig ausgezehrt und krank. Experten schätzen, dass 80% der Milchkühe aus gesundheitlichen Gründen geschlachtet werden.

Die Mehrzahl der in Deutschland gehaltenen Milchkühe verbringt ihr kurzes Leben im Stall auf harten Betonböden. Die Liegeflächen sind häufig nicht einmal eingestreut, die Spaltenböden in den Gängen sind durch Urin und Kot glitschig. Es gibt zwar diverse Laufstallsysteme, die den Kühen mehr oder weniger Bewegungsmöglichkeiten bieten. Dennoch lebten in Deutschland immer noch rund 1 Million Milchkühe, also etwa ein Viertel aller Milchkühe, in Anbindehaltung.

Die Weidehaltung ist, wie bei Rindern grundsätzlich, auch für Milchkühe die natürlichste Haltungsform. Leider wird diese heute jedoch fast nur noch in der extensiven und ökologischen Tierhaltung praktiziert. Unabhängig von der Art der Haltung bleiben bei der Milchproduktion jedoch immer das Problem der permanenten Schwangerschaften der Milchkühe und die für Kuh und Kalb gleichermaßen grausame Trennung kurz nach der Geburt!

Aktuell sind Bullenkälber von Milchkuhrassen, die auf hohe Milchleistung und nicht auf hohen Fleischansatz gezüchtet wurden, aufgrund des derzeit starken Preisverfalls für die Landwirte ein Verlustgeschäft. Es geht das Gerücht, dass Landwirte nicht nur im Ausland, sondern auch in Deutschland vor allem die schwachen, kleinen und kranken männlichen Milchrassekälber sterben lassen oder sogar aktiv töten, wenn diese nicht zu vermarkten sind. Das ist hierzulande zwar verboten aber Kälber müssen in Deutschland erst nach sieben Tagen registriert werden. Und was davor passiert, kann nicht kontrolliert werden.


Haben es Bio-Rinder besser?

Jein! Es gibt wichtige positive Aspekte im Vergleich zur konventionellen Rinderhaltung. So schreibt die geltende EU-Ökoverordnung beispielsweise vor, dass Kühen, Kälbern, Jung- und Mastvieh grundsätzlich Auslauf im Winter (im Laufstall oder im Freien) und Weidegang im Sommer gewährt werden muss. Außerdem ist für reichlich Tageslicht und eine natürliche Belüftung im Stall zu sorgen. Die einzelnen Abteilungen zur Tierhaltung (Buchten) dürfen nur zu maximal 50% mit Spaltenböden belegt sein. Den Bio-Rindern steht ungehinderter Zugang zu Fressplatz und Tränke sowie ein trockener, eingestreuter Liegebereich zu. Der Einsatz zugekaufter konventioneller Futtermittel ist untersagt. Des Weiteren müssen festgelegte Mindestgrößen für Stall- und Auslaufflächen eingehalten werden. Diese betragen beispielsweise für eine Milchkuh mindestens 6,0qm Stallfläche und mindestens 4,5qm Auslauffläche.

ABER: Es gibt auch in der Bio-Rinderhaltung zahlreiche Ausnahmen und Teilaspekte, die nachdenklich machen. So dürfen beispielsweise Mastrinder in Ökobetrieben während der Endmast bis zu maximal 3 Monaten ausschließlich im Stall gehalten werden. Des Weiteren dürfen gemäß Öko-Verordnung eigentlich seit Anfang 2014 keine Rinder mehr in Anbindung gehalten werden. Ausgenommen von diesem Verbot sind jedoch sehr kleine Bio-Betriebe, wenn die Tiere sowohl Sommerweidegang als auch zwei Mal pro Woche Winterauslauf haben. Auch ist in der ökologischen Rinderhaltung die künstliche Besamung gestattet. Zwar ist das routinemäßige Enthornen gemäß EU-Ökoverordnung verboten, kann jedoch zum Beispiel aus „Sicherheitsgründen“ von der zuständigen Behörde fallweise erlaubt werden und muss immer unter Betäubung durchgeführt werden. Derartige Ausnahmegenehmigungen zum Enthornen scheinen häufig erteilt zu werden, denn Experten behaupten, dass in fast der Hälfte der Bio-Milchkuh-Herden die Kühe enthornt werden. Lediglich in Betrieben, die dem Bioverband `Demeter` angeschlossen sind, sollen fast alle Kühe Hörner tragen.

Auch Bio- Milchkühe werden einer permanenten Schwangerschaft unterzogen, damit sie, wie alle anderen Milchkühe, an ca. 305 Tagen im Jahr gemolken werden können. Die Milchleistung von Biokühen ist mit durchschnittlich 6.000 Liter jährlich (also knapp 20 Liter täglich) nur wenig niedriger als die von „normalen“ Milchkühen. Was bedeutet, dass auch die körperlichen Belastungen und Gesundheitsrisiken mit denen konventionell gehaltener Milchkühe vergleichbar sind. Und natürlich werden auch in der Bio-Landwirtschaft Mutterkuh und Kalb kurze Zeit nach der Geburt getrennt.


Das können Sie tun

Möchten Sie mithelfen, dass es unseren Kälbern, Mastrindern und Milchkühen besser geht? Dass dieser Rinder-Wahnsinn in Deutschland endlich beendet wird?

  • Dann schränken Sie Ihren Konsum an Milch und Milchprodukten bewusst ein, oder verzichten Sie ganz darauf. Inzwischen gibt es zahlreiche gesunde und leckere Alternativen zur Kuhmilch, zum Beispiel aus Reis, Hafer, Soja oder Kokosnuss.
  • Bitte überlegen Sie, ob es wirklich Kalb- oder Jungbullenfleisch sein muss. Rechtfertigt das Bedürfnis nach zartem, rosigem Fleisch wirklich das Töten von jungen Tieren?
  • Bitte verzichten Sie auf Rindfleischprodukte aus der Massentierhaltung. Kaufen Sie am besten Fleisch und Wurstwaren von Öko- Anbauverbänden wie `Demeter`. Diese stellen Anforderungen an die Tierhaltung, die über die Maßgaben der EU-Ökoverordnung hinausgehen.
  • Bitte denken Sie beim Einkauf daran, dass eine bessere Tierhaltung mehr Geld kostet und nur dann funktioniert, wenn auch Sie als Verbraucher bereit sind, für Produkte aus tiergerechter Haltung einen höheren Preis zu zahlen.

Kampagnenvideo Rinder-Wahnsinn